Wovon die Arbeit handelt: Der Wirtschaftswissenschaftler C. K. Prahalad fragt in diesem Buch, wie wir durch die Umsetzung innovativer weltwirtschaftlicher Denkmodelle neue Realitäten der Weltwirtschaft schaffen und gegen die chronische Armut vieler Menschen vorgehen können. Seine Lösungsstrategien im bisher wenig erfolgreichen Kampf gegen die globale Armut und Entrechtung konzentrieren sich auf Mechanismen, welche der Idee des Unternehmertums entspringen.
Hauptthese von Prahalads Buch ist: Dass durch die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Institutionen (vor allem NGOs) und multinationaler Großunternehmen ein Zusammenklang von kreativem Potenzial und gigantischen Investitionskapazitäten entsteht, durch den vielfältige Möglichkeiten für große Entwicklungsschritte mit großer Effizienz frei würden. Wenn es gelänge, so eine weitere Argumentation des Autors, Arme zu "aktive[n], informierte[n] und engagierte[n] Konsumenten" zu machen und einen "Markt rund um die Bedürfnisse der Armen" zu schaffen (beide Zitate S. 14), dann würde ein Wandlungsprozess bisheriger Globalisierungstendenzen einsetzen - zum Nutzen der Menschen der "Bottom of the Pyramid" (BOP = Fuß der Wohlstandspyramide) und der gesamten Weltbevölkerung.
Struktur: Das Buch ist in fünf Teile gegliedert. Während der erste Teil die Entwicklungsfortschritte dokumentiert, die durch verschiedene private Initiativen internationaler Unternehmen zwischen den Jahren 2004 und 2009 zu verzeichnen war, bildet Teil Zwei das eigentliche Kernstück des Buchs. Dort geht es um zentrale Grundlagen für ein Rahmenmodell für die Armutsbekämpfung und um die Bedeutung der BOP-Märkte. Die in diesem Teil und seinen Kapiteln vorgestellten Prinzipien und Leitlinien, die für eine Umsetzung der vorgestellten Vision notwendig sind, zeigen, dass ein radikales Umdenken nötig ist und dass wirtschaftliche Veränderungen und soziale Entwicklungen nur aus einem partnerschaftlichen Miteinander entstehen. Im dritten und vierten Teil kommen Vorstandsvorsitzende und Geschäftsführer unterschiedlicher Industriezweige und Organisationen zu Wort und nehmen Stellung dazu, inwiefern sie die Ideen von Prahalad als Inspirationsquelle für die Entwicklung eigener BOP-Projekte gemacht haben. Außerdem illustrieren Fallbeispiele Möglichkeiten für die praktische Umsetzung von Ideen der BOP-Agenda durch das Engagement an BOP-Märkten.
Meine Bewertung: Insgesamt liegt hier eine Arbeit vor, die das höchst komplexe Thema "Armut" vielfältig beleuchtet und zeigt, wie kreativer Kapitalismus aussehen kann, der Armut bekämpft, indem er Wohlstand für alle fördert. Wie in den Schwellenländern ein aktiver Markt entwickelt werden kann, welche Veränderungen alle Beteiligten zu akzeptieren bereit sein müssen und an welchen Beispielen deutlich wird, dass solche Anstrengungen reife Früchte tragen, zeigt dieses Werk, wie ich finde, auf beeindruckende Weise. Der Autor will nicht missionieren und lässt die 'moralische Keule' im Keller. Mich hat er stattdessen durch fundierte Sachkenntnis, neue Konzepte und eine valide Beweisführung durch eine Menge positiver Praxisbeispiele überzeugt. Als belastbares Beweismaterial dienen eigene Studien des Professors, Feldstudien vieler seiner Studenten und Stimmen von Verantwortlichen aus der Industrie.
Gesamtbeurteilung: Diese "Ideen, die die Welt verändern", könnten tatsächlich einen unglaublich interessanten Innovationsmotor antreiben. Dem "Bottom of the Pyramid" durch kreative Geschäftsmodelle neue Geschäftschancen sowohl für Industrie- als auch für Schwellenländer zu ermöglichen, wirkt auf den ersten Blick unmöglich. Doch schon nach kurzem Lesen leuchtet ein, dass ein Ökonom hier nicht nur enthusiastisch sondern auch auf Basis fundierten theoretischen wie praktischen Wirtschaftswissens neue, vielversprechende Perspektiven zum Wohlstand aufzeigt. In Ansätzen werden diese offensichtlich langsam schon Realität.
Für mich ist dies alles glaubwürdig und überzeugend. Es lässt mich optimistisch vorwärtsblicken und weiterdenken. Weil einmal mehr deutlich wurde, wie aus trockener Wirtschaftstheorie lebendige, weltverändernde Praxis werden kann. Somit steht also ein Korrektiv derzeitiger Fehlentwicklungen zur Verfügung. Man müsste es wohl nur konsequent anwenden.