In diesem Buch stellt der Autor die Entwicklung der wichtigsten Ideen dar (vom Feuer bis zu Freud). Die Darstellung beginnt mit den Erfindungen der Urmenschen (Feuer, Faustkeil, Religion) und endet bei der "Entdeckung" des Unterbewusstseins durch Freud. Das zwanzigste Jahrhundert wird in einem anderen Buch behandelt.
Einige der Ideen sind:
- Kapitalismus, Liberalismus, Fabriken, Armut / Reichtum, Adel / Bürgertum / Arbeiter
- Marx, Sozialismus, Gewerkschaften
- Religionen und Atheismus
- Entstehung der Geisteswissenschaften (Soziologie, Wirtschaftswissenschaften)
- Nationalismus, Imperialismus
- Verhältnis von Staat und Kirche bzw. Kaiser und Papst
- Darwins Evolutionstheorie und deren Verbindungen zu Soziologie, Wirtschaftswissenschaften, Rassismus
- Philosophie von der Antike (Plato, Aristoteles) über Leibniz, Spinoza und Kant bis zum amerikanischen Pragmatismus (Dewey)
- politische Theorien wie Demokratie und Gewaltenteilung von der Antike über Machiavelli, Locke und Hobbes zur Moderne (vor allem Mill und Marx)
- Entwicklung der Naturwissenschaften (vor allem Kopernikus, Newton und Galilei) und deren Probleme mit der Inquisition
Daraus ergeben sich eine Reihe von Fragen, die im Buch auch beantwortet werden:
- Welche Verbindung besteht zwischen Reformation und Kapitalismus?
- Warum entstand die führende Zivilisation in Europa?
- Weshalb waren China, Indien und Islam früher Europa voraus und warum kehrte sich dieses Verhältnis um?
Das Buch ist auf dem neuesten Stand; so werden z. B. auch schon die Zwergurmenschen auf der Insel Flores (von manchen "Hobbits" genannt) beschrieben. Die Darstellung ist i. d. R. ausgewogen. Nach Ansicht des Autors ist der rote Faden der Ideengeschichte die Suche nach der Seele bzw. dem menschlichen Bewusstsein. Diese Frage habe von den Naturwissenschaften und der Vernunft abgelenkt und zu übernatürlichen Spekulationen geführt; eine allgemein akzeptierte Antwort gibt es bis heute nicht. Deshalb sei die Philosophie des rationalen Aristoteles insgesamt hilfreicher gewesen als die des idealistischen Plato.
Natürlich wird jeder etwas finden, was seiner Meinung nach besser oder zusätzlich hätte beschrieben werden können. Mir kam z. B. die Darstellung der Wirtschaftswissenschaften etwas zu kurz. Wenn man die Evolution der Wirtschaftswissenschaften von Smith über Ricardo zu Marx beschreibt, hätte man auch die größte Revolution der Wirtschaftswissenschaften erwähnen sollen (nämlich die "subjektive Wertlehre" von Menger, Walras, Jevons um 1870; durch diese wird u. a. Marx' Lohntheorie widerlegt). Die von Menger gegründete "österreichische Schule" stellt die Folgen der Industriellen Revolution nicht so negativ dar wie der Autor: Es stimmt demnach zwar, dass durch die Industrialisierung viele Arme in die Fabriken der Städte strömten, wo sie unter unmenschlichen Bedingungen arbeiten mussten; auf dem Land ging es ihnen aber zuvor noch schlechter (wenn sie dort nicht ohnehin verhungerten). Viele Missstände lassen sich auf die Napoleonischen Kriege und staatliche Eingriffe in die Marktwirtschaft (z. B. Steuern auf Fenster, sodass fensterlose Häuser gebaut wurden) zurück führen. Das kann man in "Capitalism and the Historians" von Hayek nachlesen.
Ich kann das Buch jedem empfehlen, der seinen Horizont erweitern möchte. Man lernt auf jeder Seite etwas Neues. (Hinweis: Ich habe die englischsprachige Originalfassung des Buches gelesen.)