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4.0 von 5 Sternen
PsyOpus - Ideas of Reference, 16. Januar 2006
Wenn es darum geht heraus zu filtern, wer denn nun die anstrengendste, grenzwertig, ja völlig kaaaränkste Band dieser, unserer Mutter Erde ist, dürfte der Name PsyOpus (neben zb. Daughters) mit ziemlicher Sicherheit im oberen drittel zu finden sein. Hier wird über 30 minuten eine furchtbar intensive Math/Death-Core-Jazz Grind Orgie gefeiert, die den Zusatzmerkel "CHAOS" mit Recht trägt.Viele dürften sich verloren fühlen, keinen festen Stand finden, in diesem scheinbar nicht enden wollenden Mischmasch aus dissonant brachialem Lärm, verqueren Rhythmen, hektischem Drumming, unzähligen Breakdowns nebst berauschenden High-Speed Passagen. Ohne einprägsame Melodie, geschweige Refrains oder überhaupt irgend einem roten Faden, der Songs normalerweise zusammen hält bzw. dem Hörer als Orientierungshilfe dient. PsyOpus pfeifen auf typische Konventionen, sie werfen den Zuhörer von der ersten Sekunde an ins kalte Wasser. "Mork and Mindy (Daydream Lover)" beginnt mit verschwommenden Psycho/Sample Geriffe und braucht nicht lange um seine für dieses Genre überhaupt typsche Geschwindigkeit zu erreichen. Vornehmlich High-Speed, immer mal wieder kurz durch Breakdowns für wenige Sekunden auf mid gedrosselt und dann wieder die Handbremse gelöst. Man bekommt abgefahrene Gitarrenläufe und Riffs um die Ohren geklatscht, die im Wechsel ballern aber auch hektisch (und für manche Ohren sicherlich ensetzlich nervig) frickeln, dass die Schwarte nur so kracht. Und um nochmal das Sprichwort mit dem kalten Wasser zu bemühen. Wer in diesem Durcheinander nicht die Ruhe bewahrt, versucht zu verstehen, was hier eigentlich genau passiert, wird in diesem, von PsyOpus entfesseltem Taifun jämmerlich ertrinken ... Wenn es denn mal ruhig wird, und das ist wahrlich selten der Fall ... ist man natürlich trotzdem noch meilenweit von wirklicher Entspannung im Sinne Simon & Garfunkel entfernt. Man bleibt sich eben treu. Das jazzige Gegniedel, welches das großartige "Death, I..." einleitet und auch im chaotischen Verlauf noch 1-2 mal zum Zuge kommt, ist trotzdem eine willkommende Abwechslung und bietet dem Song neue Nuancen. Genauso schön ballert "The Long Road to the 4th Demen", der mit einem sehr abwechslungsreichen und interessantem Alblauf punktet. Ein wenig Heavy Metal Gegniedel hier, slow-down und high speed Passagen im gemütlichen 1 sekunden Wechsel dort, ein paar Fantomas ähnliche Atmo-Samples und einem fast schon "moshigen" Mittelteil. Das die Musiker unglaublich versiert sind, soll hier nur nochmal am Rande erwähnt werden. Eine Ausnahme, der Sänger ist nicht gerade spektakulär, solide eben. Mag aber auch daran liegen, dass ich einfach schon zuviel Gekreische dieser Art gehört habe. Die Lyrics indess, sind kaum erwähnenswert. Drehen sie sich doch um die typischen Metal Themen "Unzufriedenheit, Gewalt, Hass und Tod". Aber insbesondere Gitarrist und Drummer spielen ihre Parts dermassen präzise und grandios, dass es schon fast ein wenig beängstigend wirkt. Wobei ich ein sehr großer Verehrer dieses Genres bin, ist dies dann auch mein einziges Problem. Wie im Prog-Rock/Metal vermisse ich auch hier manches mal, vor lauter perfekt arrangiert technischem Handwerk, das wahre Gefühl für die Musik. Dies und natürlich auch die Genre-typisch grenzenlos chaotischen Strukturen sind Gründe, weswegen ich mir diese ultimativen Lehrstunden in Sachen Mord und Totschlag auch längst nicht jeden Tag geben kann. Zudem fällt jedem, der sich ein wenig mit der Szene beschäftigt auf, dass sich langsam ein ähnlich unangenehmer Trend, wie im MetalCore Sektor abzeichnet. Ein großer Name kam und alle folgten. Ja, dieser Tage gilt auch leider hier, mehr Quantität, weniger Qualität. Das hilft dem Genre natürlich absolut nicht und als Nebenwirkung lässt es solche schönen Alben, wie eben dieses hier von PsyOpus, ein wenig im Dschungel der unzähligen Veröffentlichungen untergehen. Langsam aber sicher, ist auch mit diesem Stil kein Blumentopf mehr zu gewinnen. Seis drum ... "Ideas of Reference" ist eine wirklich sehr schöne Platte geworden. Anhänger von Dillinger, Into the Mout, Converge, The End, Ion Dissonance, Off Minor, Burnt by the Sun und Co. sollten unbedingt mal reinhören.
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