Aus der Amazon.de-Redaktion
Als Joschka Fischer 1998 Außenminister der Bundesrepublik Deutschland wurde, brach für manchen eine heile Welt zusammen. An ehemalige Spontis im Bundestag, ja sogar als Minister auf den Regierungsbänken von Landtagen hatte man sich gewöhnt. Aber so einen als Repräsentanten und Unterhändler deutscher Interessen in der Welt? Doch schneller als man es sich hat vorstellen können, wurde Fischer zu einem angesehenen Ensemble-Mitglied der weltpolitischen Bühne. Auch manch anderer Neulinke der frühen siebziger Jahre hat es bis in das politische Establishment gebracht überall in Europa. Paul Berman zeichnet in seinem Buch die Wege Fischers und anderer dieser "Idealisten" an die Macht nach und analysiert deren früheres und heutiges Selbst- und Politikverständnis aus seiner eigenen "amerikanischen 68er"-Perspektive.
Ausgangspunkt dieser Mentalitätsgeschichte der europäischen Linken ist ein Essay Bermans über "die Passion des Joschka Fischer", den er bereits Ende August 2001 in der Zeitschrift New Republic veröffentlicht hatte. Ein paar Monate zuvor waren, wie der Autor uns in Erinnerung ruft, in einem deutschen Magazin Fotografien veröffentlicht worden, die den jungen Fischer als Frankfurter Straßenkämpfer zeigen. Diese Anfang der siebziger Jahre entstandenen Aufnahmen hat Berman dem Buch vorangestellt. Sie machen die Faszination sinnfällig, die für ihn wohl der Anlass war danach zu fragen, was eigentlich aus den Protagonisten der europäischen 68-er Bewegung geworden ist und wo sie politisch heute stehen. Sie, die Cohn-Bendits, Kouchners und Glucksmanns stehen zwar durch die Bank nicht ganz dort, wo der überzeugte, humanitär argumentierende Interventionist Berman steht. Aber er bewundert sie, so wie er überhaupt überraschend große Hoffnungen in die europäische Linke setzt.
Eine interessante Lektüre, die auf dem Umweg über Bermans Perspektive auf Europa dem europäischen Leser auch einen Blick auf die innere Verfassung der amerikanischen Linken freigibt. -- Hasso Greb
Pressestimmen
„Es ist ein Buch über Fischer. Es ist ein Buch über den Weg radikaler Achtundsechziger an die Macht. Es ist ein Buch über den langen Marsch von den Illusionen zum Pragmatismus. Und es ist ein Pamphlet für einen kämpferischen Liberalismus, für einen Menschenrechtsbellizismus, für einen militärischen Humanismus." (
taz )
"Nur ein amerikanischer Intellektueller konnte diesen Essay aus solcher Vogelperspektive, mit ebenso großen Augen wie mit großem Respekt schreiben. Ja, und zuerst - von solchen Kreuzfahrten zwischen Amerika und Europa gibt es eher zu wenige als zu viele." (
Die Zeit )