Nathan Milstein , auf dem Cover einem Cary Grant ebenbürtig, war ein Geiger, der durch sein Instrument sprach.
Ein Meister der Untertreibung, wie dies kleine Zitat zeigt:"Die Mutter ließ mich Geige lernen, damit ich nicht die Nachbarskinder verprügelte"
Reines Spiel, wenn man die einleitenden Sechs Suiten für Violine von Bach hört, die Milstein seit früher Jugend beschäftigt und zu denen die Kritik meint:"Keine aufgesetzten Akzente, kein übertriebenes Vibrato, dafür aber die ausgefeilte Terrassendynamik, die heute leider nicht mehr gespielt wird. "und "Die Tongebung der Geiger aus der Schule von Leopold Auer zeichnet sich durch eine Ebenmäßigkeit aus, praktisch unhörbare Bogenwechsel, sparsamer Einsatz des Vibratos und große Klangfülle."
Milstein-typisch:"Gerade bei romantischen Werken bleibt die Noblesse des Spiels immer gewahrt, Milstein hat nie übertreiben müssen; die Werk-Interpretation entsteht aus dem Werk heraus und wird nicht "aufpoliert"."
Sein Spiel ist ebenmässig. Für Freunde des reinen Geigenspiels ein Genuss. Sein " "silbriger" Ton war berühmt ( man höre die Triller bei sog. Teufelstriller-Sonate).
Die hier versammelten Aufnahmen sind technisch noch gut anhörbar.
Bemerkenswert die Musiker, die mit Milstein zusammenspielte. Erstens erstaunlich, dass es nicht Horowitz, mit dem er so befreundet war, der Begleiter, sondern deutlich weniger bekannte Pianisten, wie Arthur Balsam. Aber gerade der Klavierpart ist oft hochkarätig, etwa bei den Mozart-Violinsonaten.
Das Pittsburg-Orchester unter William Steinberg ist zuverlässiger Begleiter bei den grossen Violinkonzerten, Beethoven, Brahms usw. Die Aufnahmen gehören nicht zu den Spitzenaufnahmen. Aber das Geigenspiel von Milstein ist -wie immer- untadelig.
Eine Box, die die Kunst dieses grossen Geigers in seinen Facetten ausgezeichnet dokumentiert. Für Freunde des "reinen"Geigenspiels ein Genuss.