Die Musik, der Sound, die Beats von Paul Kalkbrenner sind etwas ganz besonderes. Der Mann versteht es, seine Gefühle, seine Seele gar, einzig mit dem Mittel von instrumentalen, geradlinigen Elektro-Beats auszudrücken.
In dem äußerst empfehlenswerten Film "Berlin Calling", wo Kalkbrenner die Hauptrolle spielt und für den Soundtrack verantwortlich zeichnet, wird das für jedermann ganz deutlich. Besonders wenn man den Protagonisten in der "Klapse" sieht, wie er beim Produzieren der Tracks sein Innerstes nach Außen krempelt. Von daher war der große Erfolg des "Berlin Calling" Soundtracks nicht wirklich eine Bürde, sondern der Beleg dafür, dass Musik, die landläufig oft einfach als "kalt" bezeichnet und in die große Schublade "Techno" gesteckt wird, eben auch sehr gefühlvoll sein kann.
Das nun vorliegende neue Album des 34jährigen DJs und Produzenten mit dem sympathischen Titel "icke wieder" zeigt dies wieder par excellence. Positive Vibes voller Melancholie zum Tanzen und Entschleunigen, zum Autofahren und Meditieren, zum Arbeiten und Chillen, zum Durchdrehen und zur Ruhe kommen. Paul Kalkbrenners Musik ist das vertonte Paradoxon.
Die einzelnen Tracks sind mal zurückhaltend, gebremst wie "böxig leise", dass ein wenig an das geniale "Aaron" erinnert, oder sie gehen einfach locker flockig nach vorne, wie "gutes nitzwerk" und "sagte der bär". Dann gibt es groovende, filmische Tracks mit etwas Drama, wie z.B. "jestrüpp" oder "kleines bubu". Es fließt bei " kruppzeug" und treibt mit "schmökelung". Auch zwei, nennen wir sie mal "Psycho-Tracks", gibt es mit dem schrägen "schnakeln" und dem marschierenden "des stabes reuse". Der Schlusssong "der breuzen" wird (wie einige der anderen natürlich auch) bestimmt seinen Weg in die Clubs finden und erinnert mit seinen Trompeten-Sprengslern ein wenig an Marek Hemmann. Alle Tracks sind zum Glück völlig frei von Vocals und halt typisch und unverwechselbar Paul Kalkbrenner.
Und hört man sie gar via Kopfhörer, so öffnet sich Track für Track eine neue Welt. Entweder in der Phantasie, die man einfach fließen lassen kann, oder im eigenen Innenleben. So kann man an Gedanken, Erinnerungen und Gefühle in sich selber gelangen, die einen wirklich überraschen. Das mag jetzt vielleicht schon ein wenig esoterisch versponnen oder so klingen. Soll es aber gar nicht. Letztendlich kann und wird jeder diese Platte, die auf den ersten "Blick" so einfach wirkt, erleben, wie er es will. Alles scheint möglich.
Ich für meinen Teil möchte eigentlich nur sagen: Ich bin begeistert und kann mich an dem Stoff einfach nicht satt hören.