Die Erzählung dieser Milizsoldatin steht für Millionen ihrer Schwestern und auch Brüder. Sie erzählt akribisch die Zustände in ihrem Heimatland und ihre Flucht in das Paradies Europa.
Als Leser fragt man sich, wie bei so vielen anderen Afrikanern auch: weshalb kämpfen diese Menschen nicht in ihrem Heimatkontinent für ein besseres Leben? Frau Tekle hätte das Zeug dazu Ministerin zu werden oder einer humanitären Organisation anzugehören. Ist es die Nachrichtensperre über Afrika oder die internationale Gleichgültigkeit, die uns nichts von dem gewaltigen und permanenten Genozid in Afrika erahnen lässt? Ist das Leben eines Schwarzen weniger wert, als das eines Weißen? Denn man macht um die Millionen von Toten nun wirklich kein Aufhebens, vergißt sie innerhalb von Monaten oder Jahren, so wie in Ruanda oder in Uganda oder in Zaire oder anderen Ländern, wo überall auch heute täglich gefoltert und gemordet wird.
Frau Tekle beschreibt sehr plastisch den Wahnsinn der afrikanischen Regierungen, die nur durch die Zuwendungen des Westens an der Macht bleiben können und ihre unmenschlichen Methoden ausleben, so wie es ihnen gefällt. Ein interessantes Plädoyer gegen die schrankenlose Autonomie dieser Gewaltherrscher, die sich aus niedrigen Beweggründen gegen die Menschlichkeit stellen. Doch wie schon gesagt, wird auch diese mutige Frau ihre Integration in Europa erleben und nach und nach ihre Verbindung mit ihrem Kontinent verlieren. Gerade diese Menschen sollten jedoch nicht in ein Flüchtlingsboot steigen, sondern in Afrika für Afrika Dinge in Bewegung bringen!
Wir Leser fühlen uns dabei mitschuldig, denn wer stellt sich schon auf die Hinterbeine, um diesem verlorenen Kontinent zu helfen? Der sinnlose jährliche gewaltsame Tod von Millionen von Menschen wird im Westen hingenommen... warum?