Ich finde, dass man ein Buch mit zwanzig Geschichten von individuellen, erfolgreichen deutschen Autoren nicht einfach mit ein paar Worten über einen Kamm scheren kann. Zwar haben alle Geschichten in dieser Anthologie mit dem Thema Diäten zu tun - und wenn man das Thema nicht mag kann einem dieses Buch durchaus "überflüssig" erscheinen - aber sind die Geschichten doch alle unterschiedlich. Sie behandeln verschiedene Aspekte der Thematik Abnehmen und Selbstbild und ich finde ein solches Buch eigentlich sehr zeitlich, da diese Thematik im Moment doch auch sonst überall auftaucht.
Die Geschichten als "dumm" zu bezeichnen, wie eine Rezension das hier tut, finde ich ehrlich gesagt ein bisschen unfair. Robert Griesbecks "Wie Männer Frauen lieben" ist meiner Meinung nach alles andere als dumm. Für mich war das eine gefühlvolle und elegant erzählte Geschichte über Männer, Frauen und die Liebe. Tatjana Greiners "Big in Hollywood" fand ich geistreich und auch wichtig, da hier sozusagen die Wurzel des Übels, nämlich die Medienbilder, die wir kreieren und zulassen, unter die Lupe genommen wird.
Edda Minchs "Kalorienbomben", in der die Anwohner eines Kühlschranks miteinander um die Gunst der Hausbesitzerin konkurrieren, fand ich wirklich witzig und raffiniert. Mayonnaise, Buttermamsell und Stangensellerie und all die anderen Leckerein haben einiges miteinander auszutragen. Für mich war das eine phantasievolle, gut gemachte Geschichte mit vielen stimmigen Details und Nuancen.
Auch Ju Honischs "Voll schlank" ist überzeugend. Hat sie doch mit unseren Wünschen und (Ent-) Täuschungen zu tun. Eine sehr schöne Geschichte, in der die Fee doch die ein oder anderen weisen Worte spricht.
Ja, der allgemeine TOn dieser Geschichten ist eher als witzig und manchmal auch als skurill zu bezeichnen. Ich sehe darin aber nichts Schlechtes. Wie Helga Beyersdörfers und viele andere der Beiträge zeigen, ist Dicksein doch nach wie vor ein Thema, das in vielen Menschen Kofpschütteln, Verurteilen und herablassende Haltungen hervorruft. Vielleicht trifft dieses Buch einfach einen gewissen Nerv. Ich jedenfalls halte es, nur weil es provoziert nicht füt totalen mist. Und eine gute Portion Humor hat bisher noch in keiner Lebenslage geschadet.