Ich habe das Buch gekauft, weil ich mich an die Zeitungsberichte 1999 erinnerte. Damals wusste ich, so bald ein Buch über diese Ärztin erscheint, werde ich es besorgen. Mich interessierten die Gründe für freiwillige 8 Monate am Südpol, ich wollte mehr wissen über das Leben in Eis & Kälte - und ich wollte erfahren, wie Jerri Nielsen überlebt hat.
Auf den ersten 100 Seiten schildert Nielsen, die das Buch mit Hilfe von Maryanne Vollers geschrieben hat, sehr berührend die Gründe, wieso sie sich zur 'Flucht ins Eis' entschlossen hat. Dieser Teil des Buch ist fünf Sterne wert.
Dann folgen weitere 100 Seiten über die Eingewöhnung am Pol und über diverse Streiche und Abenteuer, die mit zunehmender Länge zu nerven beginnen: dass sich (auch) Erwachsene wie auf einem Schulschikurs verhalten können, ist bekannt.
Auf Seite 200 entdeckt Nielsen ihren Krebs, ab 250 fasst sie den Entschluss 'leben zu wollen' und der Rest sind Mails an Freunde und Familie, Streiche, die Beschreibung der Chemo und die Rettung nach 400 Seiten.
Für eine Ärztin ungewöhnlich: nie fragt sich Nielsen, wieso sie Krebs bekommen hat. Kenner von Ryke Geerd Hamers 'Neuer Medizin' werden unschwer einen Zusammenhang mit dem Verlust ihrer Kinder herstellen. Aber will man als Leser das Buch eines unreflektierten Menschen lesen? Die Gedanken und Erlebnisse einer Frau, die immer wieder davon schreibt, wie toll das Leben am Pol ist und wie lieb die Kollegen dort sind und wie wunderbare Streiche man erlebt? Bitte, die Frau ist knapp 50 Jahre alt!
Schnee-Freaks erfahren zwischendurch Interessantes: die Antarktis ist 1,5x so groß wie die USA, die Station liegt in 3000m Höhe und Flugzeug-Treibstoff gefriert bei Temperaturen unter -60°C zu Gel.
Aber kein Wort davon, wie viel Grad es IN der Station hat, wie groß die Wohnräume dort sind, womit man sich die Zeit vertreibt usw. Die paar s/w-Fotos sind nicht wirklich aufschlußreich.
Krebskranke werden durch dieses Buch kaum Hoffnung schöpfen können. Am ehesten kommen Pol-Fans auf ihre Kosten.