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Ich werde sie jagen bis ans Ende der Welt
 
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Ich werde sie jagen bis ans Ende der Welt [Gebundene Ausgabe]

Agnes Michaux


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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Es ist schwer sich die Empfindungen eines Künstlers vorzustellen, dessen Heimatland sich in eine Diktatur verwandelt und ihn aller intellektueller Freiheiten beraubt. Das ihm vorschreiben möchte, was er zu tun und welche Botschaften er mit seinen Werken zu transportieren hat. "Gehen oder bleiben, aber weiter arbeiten" ist der Zwiespalt, in dem sich ein solcher Mensch befindet -- und den verdeutlicht der Roman von Agnès Michaux auf beeindruckende Weise.

In diesem Roman ist der Filmemacher Fritz Lang, bekannt durch seine Meisterstücke M und Metropolis, in einer solchen Situation: 1933 haben die Nationalsozialisten in Deutschland die Macht übernommen, "Berlin verschloss sich" und "die SA wetzte ihre langen Messer an den Bordsteinkanten". Das Aufführungsverbot für Das Testament des Dr. Mabuse ist für Lang die erste Konfrontation mit den Nationalsozialisten. Dann folgt auch noch eine Einladung zum Propagandaminister Goebbels.

Doch kein Tadel erwartet ihn dort, vielmehr das Angebot, der deutschen Filmindustrie vorzustehen. "Es ist der Wunsch des Führers, dass Sie die Führerschaft des deutschen Films übernehmen", eröffnet ihm Goebbels, denn Lang könne seinem Land "den nationalsozialistischen Film schenken". Höchste Zeit für den Regisseur, seinen Verbleib in Deutschland zu überdenken.

Mit Gespür für die leisen Töne nutzt Agnès Michaux die echte Biografie der letzten Tage Fritz Langs in Deutschland für ihre Erzählung. In ihr spürt Lang bereits den "Hauch des Todes", den die Nationalsozialisten verströmen. Durch Berlin gehend reflektiert er über seine Vergangenheit, die Gegenwart und das, was sich am braunen Horizont abzeichnet. Lang muss erkennen, dass sich seine Heimat und sein persönliches Umfeld verändert haben -- und muss die schmerzlichen Konsequenzen daraus ziehen. --Joachim Hohwieler

Neue Zürcher Zeitung

Halbwahrheiten

Agnès Michaux mystifiziert Fritz Lang

Agnès Michaux kann Gedanken lesen. In ihrem Roman «Sissi, ein wiedergefundenes Leben» versetzt sie sich in die Person der österreichischen Kaiserin; ihr neuer Roman «Ich werde sie jagen bis ans Ende der Welt» erzählt über den angeblich letzten Tag des Filmregisseurs Fritz Lang vor seiner Ausreise aus Deutschland im Jahr 1933, wiederum aus der Innenperspektive: Sie weiss, was Fritz Lang beim Aufstehen dachte und fühlte, beim Erledigen seiner Korrespondenz, beim Beischlaf mit der Geliebten und beim letzten Martini im «Adlon». Auch vom Abschied von seiner Ehefrau Thea von Harbou und von seinem berühmten Gespräch mit Goebbels, der ihm Ämter und Würden angetragen haben soll, hat sie eine präzise Vorstellung.

Dabei bewegt sich die Autorin in bester Kolportagemanier mehr in den Gefilden der Spekulation als der gelungenen oder gar kühnen Fiktion, denn sie hangelt sich an oft zitierten, aber sehr heiklen biographischen Fixpunkten entlang. Durch die zwischen den Kapiteln kommentarlos eingeschobenen Auszüge aus den Akten der Zensoren, die in den zwanziger und dreissiger Jahren Langs Filme begutachteten, wird ein semidokumentarischer Anspruch suggeriert. Doch ob die alle technischen Einzelheiten der Filme auflistenden Zensorenberichte echt oder erfunden sind, bleibt dahingestellt: Kein Nachwort, kein Anhang, kein Klappentext klärt uns auf. Rätseln darf der Leser aber nicht nur über die Quellen, die Michaux zu ihren Schlüssen über Langs Innenleben geführt haben, sondern auch über die, die seine von ihr berichteten Handlungen dokumentierten.

Denn schon die Ausgangssituation des Romans – die innerhalb eines Tages beschlossene und vollzogene Abreise des «Metropolis»-Schöpfers aus Berlin ins Exil – beruht auf einer Lang'schen Selbstmystifikation: Das Gespräch mit Goebbels, bei dem ihm der Propagandaminister eine Leitungsposition im deutschen Film angeboten haben soll, endete keineswegs damit, dass er noch am selben Abend in einen Zug nach Paris gestiegen ist. Seit Jahren ist nachweislich bekannt, dass Lang noch bis zum Sommer 1933 in Berlin war und von einer überstürzten Flucht per Nachtzug an jenem Tag nicht die Rede sein kann: Dramatischer aber wär's gewesen.

Auch hinsichtlich eines anderen markanten Ereignisses im Leben des Regisseurs bewegt sich die Autorin auf der bunten, aber ziemlich abschüssigen Ebene der Lügen und Halbwahrheiten: Über den Tod seiner ersten Frau ist weitaus weniger an gesicherten Fakten bekannt als hier in Sex-and-Crime-lüsterner Gazettenmanier ausgemalt. Und den Mann, dessen Werk ein maximal pessimistisches Menschenbild entfaltet, in ein moralisches Zwielicht als mutmasslichen Frauenmörder zu setzen – eine These die zuletzt noch Patrick McGilligan in «Fritz Lang – The Nature of the Beast» vertrat –, ist ein langweiliger Klassiker unter den Fritz-Lang-Klischees.

Wie phantasieanregend die Figur des Mannes mit dem Monokel schon zu Lebzeiten wirkte, dokumentierte 1963 viel raffinierter Jean-Luc Godard, der ihn in «Le mépris» als unerbittlichen Regisseur eines (dem echten Lang völlig fremden) Odysseus-Films auftreten und darin die Devise ausgeben lässt, dass man auch nach Störungen und Todesfällen am Film weiterzuarbeiten habe.

Marion Löhndorf


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