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Zu ihrem siebten Geburtstag bekommt Marie ein Indianerkostüm geschenkt, um die Rolle der Nscho-tschi aus Karl Mays 'Winnetou I' spielen zu können. Welch schöne Ironie des Schicksals, dass diese Rolle 16 Jahre später die Rolle ihres Lebens wird!
Dabei lässt sich Marie keineswegs auf Karl May reduzieren, obgleich sie in fünf seiner Filme tragende Rollen gespielt hat: In 'Winnetou I' und in 'Winnetou und sein Freund Old Firehand' die Nscho-tschi, in 'Der Schut' die Tschita, in 'Durchs wilde Kurdistan' und im 'Im Reiche des silbernen Löwen' die Ingdscha. Marie war ein Hansdampf in allen Gassen: Neben zahlreichen Filmrollen hat sie auch noch in Paris Theater gespielt, und zwar an der Comédie Francaise (deren jüngstes Mitglied sie war) und oftmals beides parallel.
Viele großen Schauspieler dieser Welt wurden zusammen mit ihr abgelichtet:
Ihr 'Filmbruder' und Landsmann Pierre Brice (Winnetou), ihre 'Filmliebe' Lex Barker (Old Shatterhand), Jean-Louis Trintignant, Dirk Bogarde, Eddi Constantine, Thomas Fritsch, Paul Newman, Christopher Lee, Jean-Paul Belmondo, Peter van Eyck, Curd Jürgens und Klausjürgen Wussow, um nur einige zu nennen.
Viele Regisseure haben Marie zum Ruhm verholfen: Harald Reinl, Robert Siodmak, Alfred Vohrer, Umberto Lenzi, Rolf Thiele, Roger Corman, etc.
Doch bei aller Filmvielfalt war die Rolle des Indianermädchens Nscho-tschi (was laut Karl May so viel wie 'Schöner Tag' heißt) die Rolle ihres Lebens und etwas von ihr wird immer Nscho-tschi sein.
Denn: Marie spielt ihre Rollen nicht nur, sie lebt sie. Anders ist es nicht zu erklären, dass es im Kino still wurde, wenn sie in Old Shatterhands Armen mit den Worten stirbt: „Weißt du, ich liebe dich!" Millionen Menschen hat das die Kehle zugeschnürt und zu Tränen gerührt. Man nahm ihr die Identität der Nscho-tschi ab. Zahllose Titelbilder auf der Bravo und die fünfmalige Verleihung des Goldenen bzw. silbernen Otto sowie des Silbernen Bambi zeugen noch heute davon.
Immer wieder wird Marie mit dem Tod konfrontiert:
Sie selbst muss ihn in etlichen Filmen erleiden, sie verliert lieb gewordene Kollegen und Freunde an ihn, muss mit ansehen, wie Kollegen bei Drehunfällen tödlich verunglücken und springt ihm bei einem Selbstmordversuch noch einmal knapp von der Schippe.
Marie erzählt von ihrer großen Bewunderung für den Schauspieler Gérard Philipe und wie sich die Wege beider kreuzen sowie davon, wie sie die Liebe ihres Lebens, Pierre Viallet kennen lernt. Von ihm sind auch einige Absätze im Buch zu finden, die Maries Erlebnisse aus seiner Sicht beschreiben.
Und heute?
Was ist eigentlich los mit Deutschland, dass es heute (Anfang 2005) Karl May Filme nur noch auf dem 'Schwarzmarkt' gibt?
Marie sieht aber noch immer toll aus (wie machen sie das nur, diese kleinen Französinnen?) und bei Internet Auktionen wechseln schon mal alte s/w Karten von ihr als Nscho-tschi für 30,- Euro den Besitzer.
Ich war damals noch zu jung, um etwas über die Dreharbeiten der Karl May Filme lesen zu können, konnte bestenfalls das Endprodukt im Kino sehen.
Deshalb möchte ich dir, liebe Marie, für dieses Buch danken und zwar mit Nscho-tschis letzten Worten: „Anika ti matan!" - „Weißt du, ich liebe dich!"
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