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Ich war Staatsfeind Nr. 1: Als Fluchthelfer auf der Todesliste der Stasi
 
 
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Ich war Staatsfeind Nr. 1: Als Fluchthelfer auf der Todesliste der Stasi [Taschenbuch]

Wolfgang Welsch
4.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (45 Kundenrezensionen)

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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Spannung (Geheimdienste, verdeckte Aktionen), Grusel (Folter, unmenschliche Haft), Action (Mordanschläge, Fluchtdramen), Geschichte (DDR, Kalter Krieg, Fall der Mauer): Alles drin! Wer sich auch nur ein bisschen für Zeitgeschichte interessiert, der dürfte den Kauf nicht bereuen.

Wolfgang Welsch hat für seine Überzeugungen sieben Jahre seiner Jugend wortwörtlich hingegeben: Statt nach drei schrecklichen Jahren in Stasi-Knästen auszureisen (er ist bereits vom Westen freigekauft!), bleibt er in der DDR -- um einen entlarvenden Film zu drehen. Als Leser steht einem schier das Herz still: Wer wäre nicht bis ans Ende der Welt gerannt, um aus diesem Folter-Reich zu entkommen?

Er ist nicht lange draußen. Jahre im Zuchthaus Brandenburg folgen bis zur Abschiebung in den Westen 1971 auf Initiative von Willy Brandt. Bei der Schilderung des Haftalltags, der Gerichtspraxis und der Verhörmethoden steht Welschs Buch lediglich in einer Reihe mit Berichten anderer Zeitzeugen. Wesentlich seltener zu lesen sind jedoch Berichte über die linke Atmosphäre der 70er Jahre in der Bundesrepublik. Von Opfern des DDR-Systems will man zu jener Zeit nichts mehr hören. Welsch wird während des Studiums von DKP Professoren schikaniert. Einzigartig aber ist das Buch als authentischer Bericht eines der erfolgreichsten Fluchthelfers (der spannendste Teil). Die Stasi jagt ihn mit Killerkommandos. Nur mit unglaublichem Glück überlebt er und das gleich drei Mal! Die Geschichte selbst hat für die Pointe gesorgt: Nach 1990 setzt Welsch die Strafverfolgung der Mörder durch. Der unmittelbare Täter wird verurteilt, der Führungsoffizier erhängt sich in der Zelle.

Es gibt Stellen im Buch, da wankt der Boden und die seelischen Kosten werden sichtbar, die ein Leben im Dienst einer Moral, eines Gedankens, einer Besessenheit mit sich bringt. Da wird der Text selbstgerecht im Ton und verliert an Glaubwürdigkeit. Die Lebensleistung des Verfassers mindert das nicht und auch nicht die Faszination des Berichtes. --Michael Winteroll -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Pressestimmen

»Sein Leben hat der Schauspieler, Lyriker, Fluchthelfer und Kleinverleger Welsch jetzt so hautnah nacherzählt, daß der Leser eines der finstersten Kapitel des Kalten Krieges in Deutschland nacherleben kann.« Stern

Kurzbeschreibung

Eine deutsch-deutsche Karriere: Vom verurteilten Republikflüchtling zum erfolgreichsten Fluchthelfer und verhaßten Staatsfeind Nummer 1. Die Lebensgeschichte von Wolfgang Welsch ist der authentische, ungemein dicht und packend geschriebebne Bericht eines Mannes, der auf der Todesliste der DDR-Staatssicherheit ganz oben stand - und überlebte

Klappentext

Zwanzig Jahre alt ist Wolfgang Welsch, als er 1964 bei einem Fluchtversuch in den Westen von der Staatssicherheit verhaftet wird. Es folgen Verhöre, Verurteilung wegen Republikflucht, Freikauf durch den Ostberliner Anwalt Wolfgang Vogel, kurz darauf neuerliche Verhaftung und Verurteilung zu mehreren Jahren Zuchthaus wegen staatsgefährdender Hetze. Als Wolfgang Welsch 1971 durch die Regierung Brandt freigekauft, hat er auch Mißhandlungen von Folter über Unterernährung bis zur Scheinhinrichtung hinter sich.

Sein Haß auf das System macht aus dem Schauspieler und Lyriker nach seiner Übersiedlung in den Westen einen der brilliantesten und erfolgreichsten Fluchthelfer. Mehr als 200 Ostdeutsche werden von seiner Organisation in den folgenden Jahren aus der DDR geschleust - und Wolfgang Welsch wird unter dem Decknamen "Operation Skorpion" zum gejagten Staatsfeind Nr. 1.

In einem atmosphärisch dichten, packenden Bericht erzählt er die Geschichte seines Lebens und wirft zugleich ein grelles Licht auf eines der dunkelsten Kapitel deutsch-deutscher Vergangenheit: die Liquidation von Menschen durch den Staat. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Umschlagtext

Eine deutsch-deutsche Karriere: vom verurteilten Republikflüchtling zum erfolgreichsten Fluchthelfer und verhaßten Staatsfeind Nummer 1. Die Lebensgeschichte von Wolfgang Welsch ist der authentische, ungemein dicht und packend geschriebene Bericht eines Mannes, der auf der Todesliste der DDR-Staatssicherheit ganz oben stand -- und überlebte. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Über den Autor

Wolfgang Welsch, 1944 in Berlin geboren, besuchte die Schauspielschule, bis er 1964 vom MfS verhaftet wurde. Nach seinem Freikauf 1971 studierte er in Gießen Soziologie, 1977 promovierte er in England. Weil ihn auch nach dem Mauerfall noch Morddrohungen erreichten, ging Welsch für einige Jahre ins Ausland. Heute lebt er als freier Autor und Publizist in Sinsheim/Baden. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Auszug aus Ich war Staatsfeind Nr. 1. Als Fluchthelfer auf der Todesliste der Stasi. von Wolfgang Welsch. Copyright © 2001. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Der rotweiß markierte Schlagbaum hob sich wie in
Zeitlupe, als ein grau uniformierter Grenzsoldat das kastenähnliche Endstück
nach unten drückte. Seine Maschinenpistole schlug beim Bücken dagegen. Es gab
ein metallisches Geräusch. Ich fuhr in die 500-m-Sperrzone ein, das
kontrollierte Vorfeld zur eigentlichen Grenze. Boizenburg lag unmittelbar vor
mir, nur 50 Kilometer von Hamburg entfernt. Mein kleiner, grauer, westdeutscher
Ausweis hatte mich über das erste Hindernis gebracht. Ich traute ihm magische
Kräfte zu. Würde er auch den zweiten Schlagbaum öffnen, an der eigentlichen
Grenze der DDR?
Vorsichtig gab ich Gas. "Denk dran", meldete sich Charly, "noch bist du in der
Zone." - "Bis hierher ging's jedenfalls gut", antwortete ich und starrte
angestrengt auf die Straße. Er lachte: "Das erinnert mich an den Mann, der aus
dem 14. Stock eines Hochhauses springt. Als er am 7. vorbeifliegt, meint er, bis
hierher ging's gut!" - "Laß deine dämlichen Witze, Charly", zischte ich. Mir war
nicht nach Spaßen zumute. Alles in mir war angespannt. "Was ist mit den Grenzern
hinter uns?" "Niemand zu sehen." "Glaubst du, es klappt?" "Wie ich schon sagte,
bis hierher ging's gut." "Was wirst du tun, wenn ich drüben bin?"
"Ich werde mit dem Wartburg bis zur Brücke fahren, wo wir deine Papiere
versteckt haben, unterwegs Marita aufnehmen und nach Berlin zurückfahren." Ich
beobachtete Charly aus den Augenwinkeln. Er schwitzte. Warum er, dachte ich
noch, ich bin es doch, der hier flüchtet. - "Du mußt konsequent bleiben",
unterbrach er meine Gedanken. "Die werden dich an der Grenze in die Mangel
nehmen." - "Klar, kannst dich auf mich verlassen, deswegen sind wir doch hier."
Charly hatte mich zu diesem Schritt ermutigt. Er muß wieder zurück und wäre doch
gerne mitgekommen, wie auch Marita, der der Abschied schwer wurde. Ich wischte
den Gedanken an sie weg. Jetzt bloß nicht daran denken. Bloß keine Gefühle. Es
gibt kein Zurück mehr, so oder so. Dieser 22. Mai sollte die Entscheidung
bringen.
Der NVA-Soldat an der Vorfeldgrenze hatte nur kurz in meinen westdeutschen
Ausweis geblickt und sich die Erklärung Charlys angehört: "Mein Freund aus dem
Westen war zum Deutschlandtreffen in der DDR. Jetzt fährt er zurück. Ich
begleite ihn nur bis zur Grenze." Warum hatte er nicht gefragt, wieso ich das
DDR-Auto fahre, und auch nicht, wie Charly zu einem westdeutschen Freund kommt?
"Scheiße, Charly! Ich habe ein schlechtes Gefühl bei der Sache!" "Werd jetzt
nicht nervös und fahr langsam. Hinter der Kurve kannst du anhalten, und wir
wechseln die Plätze. Alles geht nach Plan. Hast du den dämlichen Sachsen
gesehen? Der checkt doch nichts."
Es war Mai, die Luft war warm, und auf den Feldern ringsum stand grün das frühe
Korn. Mir wurde zunehmend heißer, je näher wir der eigentlichen Grenze kamen. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
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