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4.0 von 5 Sternen
wichtiger Zeitzeuge, 10. Juni 2007
Wenn es so etwas wie deutsche Helden in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts geben würde - Wolfgang Welsch müsste man sicher hinzuzählen als einen Mann, der immer standhaft seine Überzeugung bis hin fast zur Selbstgerechtigkeit vertreten hat und dafür für heutige Verhältnisse kaum Vorstellbares erlitten hat. Bei der Lektüre dieses stets packenden Lebensberichts musste ich an eine Zeile aus einem Leonard Cohen-Song denken: "Men will suffer, men will fight, even die for what is right ...". Stasi-Knast, Eingesperrtsein unter Kriminellen, mörderische Arbeitsbedingungen in Knastjobs, Schweinefraß, Scheinhinrichtungen, Prügel, Folter, Einzelhaft, Psychoterror, Mordanschläge und Vergiftungen. Welsch hat einige Stasi-Knäste inklusive Bautzen hautnah erlebt und überlebt. Dazu verraten von der eigenen Ehefrau und seinem engsten Freund - das ist ziemlich viel für ein einziges Leben. Und alles das, weil Welsch sich den Großteil seines Lebens der SED und Stasi widersetzt hat. Erst in der DDR und danach als Fluchthelfer, der Hunderten von Menschen zum Ausbruch aus dem SED-Experimentiergelände verholfen hat. Was allerdings nie ganz klar wird, ist, was Welsch eigentlich antreibt. Statt einer einfachen Lüge bleibt er auch in den hartnäckigsten Stasi-Verhören und selbst beim letzten Stasi-Kontakt vor der Ausreise seiner unbedingten Überzeugung treu und spuckt der Diktatur seine Verachtung quasi ins Gesicht. Dazu dürften nicht allzu viele an seiner Stelle in der Lage gewesen sein und sicher hat Wolfgang Welsch mehr als einmal sein Leben für diese Überzeugung aufs Spiel gesetzt. Letztlich war sein Überleben mehrmals nur auf unglaubliches Glück zurückzuführen. Konsequent wendet er sich nach seinem Freikauf auch gegen die Bonner Ostpolitik und setzt sich für die Opfer des SED-Regimes ein, was ihm auch im Westen einige Anfeindungen einbringt. Als Richtlinie für vernünftiges Verhalten in Diktaturen kann Welschs Lebenslauf sicher nicht gelten - dafür sind Menschen, die angesichts des Terrors einen widerspenstigen Geist behalten, einfach zu wichtig, als dass sie so leichtfertig ihr Leben aufs Spiel setzen sollten. Auf jeden Fall aber bleibt Welsch ein wichtiger Zeitzeuge.
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22 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Erschütternd!, 11. Juli 2005
Rezension bezieht sich auf: Ich war Staatsfeind Nr. 1: Als Fluchthelfer auf der Todesliste der Stasi (Taschenbuch)
Erschütternde und beklemmende Einsichten in das so genannte DDR-"Rechtssystem". Ein System, das menschenverachtener nicht sein konnte. Menschenleben oder gar nur Menschenrechte zählten gar nichts mehr, sobald man in die Fänge des System geriet. Psychologischer Terror, Scheinhinrichtungen und körperliche Gewalt sind nach diesem Tatsachenbericht der Normalfall im kommunistischen Strafsystem gewesen. Richter, die im Stil von Freisler DDR-Recht sprachen, Verteidiger, denen vom System keine Chancen gegeben wurde, ihre Mandanten wirklich zu verteidigen... Dieser Tatsachenbericht berichtet über einen Menschen, der sich nicht gebeugt hat, der sich gewehrt hat. Der mit jeder Gegenwehr mehr Repressalien auf sich genommen hat, der mit Hilfe seiner Mutter Kassiber an Amnesty International in England schmuggeln konnte, so das ai zum ersten Mal über die unmenschlichen Bedingungen in den DDR-Zuchthäusern berichten konnte. Später, als Welsch endlich freigekauft werden konnte, betrieb er eines der erfolgreichsten Fluchtunternehmen, die es in der Geschichte der DDR je gegeben hat und wie die DDR-Führung versucht hat, Wolfgang Welsch mehrfach auf ausländischem zu ermorden. Der Unterschied zu anderen, vergleichbaren Berichten ist: Wolfgang Welsch nennt Ross und Reiter beim Namen. Einer der Verantwortlichen für seine viehische Behandlung in DDR-Gefängnissen zogen es vor, feige selbst aus dem Leben zu scheiden, ein anderer hat ausführlich gestanden und ist rechtmäßig verurteilt worden. Außerdem sind in diesem Buch viele Original-Dokumente abgedruckt, u.a. ein Brief des Killers, der von der DDR-Führung angeheuert wurde, Welsch aus dem Leben scheiden zu lassen. Jeder, der sich die DDR wieder zurückwünscht, der sollte sich dieses Buch genau durchlesen und nochmal genau nachdenken. Ein Bekannter von mir, aus den neuen Bundesländern kommend, behauptet immer, das wir Wessis von den westdeutschen Medien so beeinflusst sind, das wir nicht genügend über die DDR wissen um darüber Reden zu können. Hier habe ich es aus erster Hand von einem Ossi gelesen, wie das Rechtssystem der DDR wirklich funktionierte...
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17 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Erschütternd realistisch beschrieben, 11. August 2006
Ich bin zwar kein unmittelbar Betroffener der Stasi Methoden. Habe aber viel von meinem Großvater erfahren, der Ähnliches wie der Autor des Buches mitgemacht hat. Daher empfand ich die Schilderungen der Haft des Autors sehr echt. Mein Großvater hat Aufzeichnungen über Foltermethoden gemmacht, die ich im Buch von Herrn Welsch wiederfinde. Erschreckend ist aber auch ein Nebenaspekt des Buches. Das die westdeutschen Behörden die Anzeigen von Herrn Welsch entweder gar nicht oder sehr schleppend bearbeiten. Sicherlich war und ist die bestrafung der Täter der DDR ein schwieriges moralisches und juristisches Unterfangen. Dennoch hat es nichts mit rechtsstaatlichem handeln zu tun, das Opfer so lange hinzuhalten und untätig zu bleiben. Auch die rolle Genschers kommt in ein neues historisches Licht. Nach der Wende war er ja ein Held, indem er den Botschaftsflüchtlingen die Einreise in die BRD gewährte. Die mangelnde Unterstützung der deutschen Botschaft von Frau Welsch+Tochter empfand ich als einen politischen Skandal. Das Buch habe ich an zwei Tagen verschlungen. Wirklich sehr empfehlenswert. Traurig ist, das seine Persönlichkeit wahrscheinlich mehr unter der Gefangenschaft gelitten hat, als er selbst bemerken konnte. Damit ist wohl auch der Zusammenbruch seiner Familie zu erklären. Mein Großvater hatte ähnliche Probleme.
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