Bei der Fülle an Informationen, die es zum Reaktorunglück von Tschernobyl gibt, kann ich nur sagen: man kann sich das Geld für dieses Buch getrost sparen. Ich bin froh, dass ich es nur aus der Leihbücherei geliehen habe.
Im Mittelpunkt des Berichts steht der KGB-Offizier Andrey Ivanovic - eine Art Pseudonym des Verfassers - gewählt, um Distanz zu den schrecklichen Erlebnissen zu schaffen.
Zweifelsohne gehört mehr als Mut dazu ein halbes Jahr nach der Katastrophe den Sarkophag zu betreten.
Allerdings beschäftigt sich eigentlich nur ein kleiner Teil des Buchs mit Tschernobyl und den dazugehörigen Fakten. Der Rest ist eine Mischung aus Geheimdienstgeplänkel, jede Menge Pathos und Patriotismus.
Die ersten 90 Seiten (d.h. ein Drittel des Buchs) beschäftigen sich mit Geheimdienst und Wettrüsten zur Zeit des kalten Krieges. Für mich ist damit der Titel des Buchs schon komplett irreführend.
Als Andrey Ivanovic dann 1986 nach Tschernobyl kommt, ist er natürlich entsetzt über die Ausmaße der Katastrophe. Er beschreibt den Alltag in der Sperrzone und die verzweifelten Versuche, der Lage Herr zu werden; die Radioaktivität in den Griff zu bekommen: "Alles Beste, alles Wichtigste wurde in den Abgrund des Reaktors geworfen. Niemand wurde geschont, weder die menschlichen noch die materiellen Kosten wurden gezählt, das sowjetische Volk schützte den Rest der Welt vor der nuklearen Katastrophe."
Regelrecht abenteuerlich wird es, wenn Andrey sich Gedanken über den Hergang des Unglücks macht. Nicht etwa die Technik des maroden Reaktors oder menschliches Versagen sind seiner Meinung nach die Auslöser - nein: kurz vor der Explosion des Reaktors gab es ein Erdbeben genau darunter und das wurde durch eine ultramoderne Waffe ausgelöst!?
Oder: menschliches Versagen nach Einsatz einer psychotropen Geheimwaffe durch den Klassenfeind!
Ich habe das Buch dennoch zu Ende gelesen; einfach um das Bild abzurunden.
Interessierten, die noch nicht viel zu diesem Thema gelesen haben, kann ich vom Kauf dieses Buches nur abraten.