Martin Kamphuis beschreibt in dieser Autobiographie seine Erfahrungen sowohl mit dem Buddhismus tibetischer Prägung als auch mit New-age Praktiken und seinem Drogenkonsum. Eine wichtige Rolle spielt hierbei auch seine psychisch labile Freundin Iris, zu der er eine Beziehung gegenseitiger Abhängigkeit und Umklammerung mit dem Ziel der gegenseitigen "Therapie" führt.
Jedoch zeigt sich im Verlauf des Buches, dass in Kamphuis Erleben diese vier Komponenten, tibetischer Buddhismus, New-age Philosophie, Drogen und die Beziehung zu Iris zu einer gefährlichen Mischung verschmelzen.
So gibt zum Beispiel Iris vor, telepathisch mit dem Dalai Lama und anderen Lehrern in Kontakt zu stehen, und Kamphuis folgt unreflektiert ihren Anweisungen in der Annahme, diese stammen wirklich von buddhistischen Lehrern.
Kamphuis kann diesem psychologischen Teufelskreis der Umklammerung von Iris, der eigenen Schuldgefühle und des Erleuchtungsdrucks, den er sich selbst auferlegt, nur dadurch entfliehen, indem er sich von Iris trennt und seine spätere Frau Elke kennenlernt. Da zu diesem Zeitpunkt in den Vorstellungen Kamphuis der Buddhismus bereits mit den New-age Elementen sowie mit der Person der obszessiven Iris verknüpft ist, hilft Kamphuis nur ein radikaler Schnitt und Neuanfang, den er im christlichen Glauben evangelikaler Prägung findet.
Viele Rezensenten gaben dem Buch entweder 1 oder 5 Sterne. Beide Seiten haben Recht.
5 Sterne bekommt das Buch für die packende und dicht erzählte persönliche Geschichte der psychologischen Abgründe, in denen Kamphuis und seine Freundin driften. Sein negativen Erfahrungen mit dem Buddhimus sind insofern "wahr", als sie ihn in seiner damaligen psychischen Verfassung dazu führten, ein unrealistisches und unnatürliches Erleuchtungsstreben zu entwickeln ("Erleuchtung in drei Monaten"), das zum Scheitern verurteilt war, zumal Iris ihn zu ihrer eigenen "Therapie" missbrauchte und ihm bewusst Schuldgefühle einimpfte, wodurch er mehr und mehr gefangen wurde.
1 Stern bekommt das Buch jedoch für die Annahme, dass Kamphuis persönliche Lebensgeschichte irgendetwas über den Buddhismus aussagen würde, wie der Titel "Ich war Buddhist" suggeriert. Vielmehr zeigen sich riesige Diskrepanzen zwischen Kamphuis Verhalten und Einstellungen zu den Lehren des Buddhismus.
Gleich wie ein Patient, der ein verschriebenes Zäpfchen lutscht und sich über den seltsamen Geschmack und die ausbleibende Wirkung wundert, so wendet Kamphuis den Buddhismus gerade so an, dass er sich quält und in einen übertriebenen Leistungsdruck verfällt, anstelle sich von inneren Zwängen zu befreien.
Zwei Beispiele machen die Diskrepanz zwischen buddhistischer Lehre und Kamphuis Praxis deutlich:
Während der Buddhismus lehrt, man solle keine bewusstseinstrübenden Rauschmittel zu sich nehmen, konsumiert Kamphuis regelmäßig Marihuana, XTC und andere Drogen. Anstatt der versprochenen Klarheit erreicht Kamphuis daher nur Verwirrung, da ihm die Halluzinationen allerlei widersprüchliches suggerieren.
Während der Buddhismus Eigenverantwortung lehrt ("Seid selbst eure Insel, selbst eure Zuflucht"), begibt Kamphuis sich in die ungesunde Abhängigkeit von Iris sowie von irgendwelchen Lamas, die er während Meditationswochen kennenlernt. So wird er in seinen Entscheidungen und Einstellungen immer gefangener anstatt freier.
Insgesamt also 3 Sterne für ein spanndendes Buch, das jedoch eher ein persönliches Psychodrama schildert als allgemein über den Buddhismus zu berichten.