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Ich verfluche den Fluss der Zeit
 
 
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Ich verfluche den Fluss der Zeit [Broschiert]

Per Petterson , Ina Kronenberger
4.4 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (10 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Broschiert: 240 Seiten
  • Verlag: Fischer (Tb.), Frankfurt; Auflage: 1 (6. Juli 2011)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3596187699
  • ISBN-13: 978-3596187690
  • Größe und/oder Gewicht: 18,8 x 13 x 1,8 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.4 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (10 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 133.446 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Mehr über den Autor

Per Petterson
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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

November 1989. Die Mauer ist gefallen, eine Ära geht zu Ende. Arvids Mutter erfährt, dass sie an Krebs erkrankt ist. Ohne ihren Mann und ihre erwachsenen Söhne möchte sie noch einmal in ihre Heimat, ins Ferienhaus auf Jütland. Arvid, der selber gerade ein großes Problem hat, er steht unmittelbar vor seiner Scheidung, fährt ihr einfach nach. Das Verhältnis zwischen Mutter und Sohn war nie gut, Arvid war das Sorgenkind, ungeschickt und querköpfig. Nur in einer Sache fühlen sie sich verbunden, durch die Leidenschaft für Filme und Bücher. In raffinierten Rückblenden erzählt Per Petterson diese Geschichte von Mutter und Sohn, Alter und Jugend, Kränkungen und nachgetragener Liebe. Per Petterson evoziert mit wenigen Worten ganze Welten.

Über den Autor

Per Petterson, geb. 1952 in Oslo, ist ausgebildeter Bibliothekar und arbeitete als Buchhändler und Übersetzer, bevor er sich als Schriftsteller etablierte.Ina Kronenberger, geboren 1965 in der Pfalz, übersetzt aus dem Norwegischen und Französischen, u.a. Per Petterson, Linn Ullmann, Ketil Björnstad, Anna Gavalda, Amin Maalouf und Thomas Gunzig.

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Kundenrezensionen

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24 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Die Zeit ist ein Maler 3. September 2009
Format:Gebundene Ausgabe
Der 37jährige Arvid Jansen hat in seinem bisherigen Leben noch niemals wirklich Fuß fassen können. Seit seiner Kindheit fühlt er sich nirgendwo richtig zugehörig. In seiner Familie war er stets der Außenseiter und so war es nur eine Frage der Zeit bis, er in den 70er und 80er Jahren der kommunistischen Partei beitrat. Als er im November1989, einer Zeit der Umbrüche in Europa, von der schweren Krebserkrankung seiner Mutter erfährt, reist er ihr in das dänische Sommerhaus nach. Es bleibt zwar zwischen Mutter und Sohn weiterhin vieles unausgesprochen, doch ihre gemeinsame Leidenschaft für Bücher und Filme führt zu einer zarten, wenn auch verspäteten Annäherung.

Per Petterson erzählt in kunstvollen Rückblenden und Zeitsprüngen vom Leben der Familie. Es sind die kleinen Erlebnisse", die durch diesen schweren Schicksalsschlag wieder zum Leben erweckt werden. Und so erinnert sich Arvid beispielsweise an eine Gedichtzeile von Mao Tsetung, einen Splitter seiner kämpferischen Vergangenheit: Ich verfluche den Fluss der Zeit." Gerade diese schlichten Vorgänge, die Mutter und Sohn gemeinsam im Domizil in Dänemark erleben, machen das Buch so ergreifend. Petterson schreibt in einer stillen und poetischen Sprache von der Vergänglichkeit, dem Fluss der Zeit, der Melancholie und der tiefen Einsicht zweier wortkarger Menschen. Souverän, assoziativ und detailliert erzählt er von den wahren magischen Momenten des Lebens, den kurzen luziden Augenblicken des Glücks und den schweren, bewegenden Zeiten und Geheimnissen der menschlichen Existenz. Bereits nach den ersten Zeilen kann man sich diesem Buch nicht mehr entziehen und spürt sofort, dass hier ein Autor wirklich etwas zu sagen hat und die Tiefen des Lebens auslotet. Hier herrscht kein popkultureller Plapperzwang, keine chronische Infantilität und keine oberflächlichen Verblendungen. Hier wird ein Bild des menschlichen Lebens entworfen, denn die Zeit ist ein Maler und auch die Bilder des Lebens verblassen im Fluss der Zeit.
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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Winfried Stanzick HALL OF FAME REZENSENT TOP 10 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
Sein leider bislang fast unbekannt gebliebener und in Deutschland nicht mehr erhältlicher Debütroman "Sehnsucht nach Sibirien" zeigte schon 1999 den norwegischen Schriftsteller Per Petterson als ein Autorentalent, von dem man in Zukunft viel erwarten konnte. Es dauerte dann bis 2006, bis sein nächster Roman bei Hanser erschien und unter dem Titel "Pferde stehlen" von der Kritik und auch vom Rezensenten begeistert aufgenommen wurde. Mit einem Schlag war der Nordländer, der vor seiner Schriftstellerkarriere in vielen verschiedenen Berufen und Tätigkeiten die Erfahrungen sammelte, die er zum Teil in seinen Romanen verarbeitet, in aller Munde.
Zurecht. Denn die Melodie seiner Sprache, der Rhythmus seiner Poesie und der Pulsschlag des Lebens in all seinen Schattierungen, der seine Bücher durchzog, war neu und zog viele Kritiker und Leser in seinen unwiderstehlichen Bann.
Als 2007 "Im Kielwasser" folgte, konnte man als Kritiker und Leser das alles nur noch einmal bestätigen. Entsprechend groß waren deshalb verständlicherweise die Erwartungen, die sich seit dem Datum der ersten Vorankündigung an das Erscheinen von Per Pettersons Roman knüpften.
Auch der Klappentext schürt noch diese Erwartung, doch schon nach einigen Seiten beginnt man zu warten auf jene Sprache, ihren Reichtum und ihren Glanz, ihre poetische Kraft, die man aus den anderen Büchern so gut in Erinnerung hatte.

Sie will und will sich nicht einstellen. Stattdessen formuliert der Ich-Erzähler Sätze von nüchterner Schlaffheit und einer irgendwann langweilenden, weil nicht wirklich stilbildenden Redundanz. Jede einzelne Bewegung, jede einzelne banale Tätigkeit oder Handlung ist ihm einen Satz, eine Erwähnung wert, und er reiht sie in langen und ermüdenden Aufzählungen aneinander. Einige Zeit hält man es noch für einen neuen Sprachstil, bewusst vielleicht eingesetzt um dem Erzählten, der Romanhandlung die entsprechende Tönung und Melodie zu leihen, doch da will nichts Symphonisches aufkommen. Es klingt, es passt, es reimt nicht.

Dabei wäre die Handlung, der Plot des Buches eine Schatzgrube gewesen, in der man sprachlich hätte reichlich fündig werden können:
Wir schreiben den November 1989. Mit dem Fall der Berliner Mauer bricht für den 37- jährigen Arvid sein ganzes bisheriges Weltbild zusammen. Seit vielen Jahren Mitglied in der maoistisch orientierten kommunistischen Partei, hat er seine Ausbildung aufgegeben und ist sozusagen im Auftrag der Partei als Arbeiter in die Fabrik gegangen, wo er mehr schlecht als recht seine Kollegen versucht zu agitieren.

Vielleicht hängt diese Abhängigkeit damit zusammen, dass er auch in seinen anderen Lebenszusammenhängen unselbständig geblieben ist und wenig erwachsene Reife zeigt. Dementsprechend scheitert auch seine Ehe. Deren Ende fällt zusammen mit dem bald bevorstehenden Tod seiner Mutter. Die hat Ende 1989 erfahren, dass sie unheilbar an Krebs erkrankt ist und fährt für ein paar Tage noch ein letztes Mal in ihre dänische Heimat in ihr Ferienhaus auf der Insel Jütland.

Damit beginnt die Handlung des Buches, die Arvid erzählt. Er, der sein Leben lang das Sorgenkind seiner Mutter war, beschließt ihr nachzureisen und erinnert sich dabei an unzählige Stationen und Begebenheiten seines Lebens. In den Augen seiner Mutter hat Arvid noch nie etwas Richtiges zustande gebracht. Als sein jüngerer Bruder starb, lief er davon, zu echter handwerklicher Arbeit, z. Bsp. einen Baum zu fällen, ist er nicht in der Lage und sogar seine Rede zum 50. Geburtstag der Mutter verpatzt er - total betrunken. Dabei hatte er doch hier ein Bild, eine Metapher gefunden, mit der er den Graben zwischen sich und seiner Mutter, und dem er leidet, schließen wollte. Doch sie hat das schöne Sprachbild von der Brücke über den ausgetrockneten großen Fluss nie gehört.

Es ist eine sehr schwierige Geschichte von Mutter und Sohn, eigenartig sprachlos ohne mitgeteilte Gefühle, die aber dennoch offenbar tief drinnen brodeln.
Warum fährt Arvid seiner Mutter sonst nach ?
Bist du blank?", sagt sie trocken, wie schon so oft, als er in Jütland ankommt. Nein", antwortet er, ich werde geschieden", und da ist es wieder, das Sorgenkind.

Immer wieder erinnert sich Arvid in Rückblenden an sein Leben und immer wieder bleibt er seiner Mutter gegenüber sprachlos. Selbst als er den großen Baum vor dem Ferienhaus, den sein Vater, vom nahenden Tod schon geschwächt, nicht mehr fällen konnte, in einer nächtlichen Aktion tatsächlich zu Fall bringt, kommen Mutter und Sohn nicht ins Gespräch. Man fragt sich zunehmend, was er ihr eigentlich sagen will. Der allerletzte Satz des Buches drückt aus, worauf er die ganze Zeit wartet, als sei er ein kleines Kind: "...während ich da saß und darauf wartete, dass meine Mutter aufstand und herüberkam."

Arvids Suche nach einem Kontakt zu seiner Mutter bleibt belanglos, man spürt ihm gar nicht ab, dass er unter der Sprachlosigkeit leidet. Selbst dieses Gefühl ist ihm abhanden gekommen. Und so kann er immer wieder nur mit einer Gedichtzeile von Mao, dessen Poster in seinem Zimmer hängen, sagen: "Ich verfluche des Fluss der Zeit."
Die Furten in diesem Fluss zu suchen, Brücken über ihn zu bauen und es zu wagen, das andere Ufer zu betreten, dazu hat er keine Energie, keine Kraft, keine Liebe, und keinen Hass. Ein bedauernswürdiger Mann.

Der nordische Rat hat in seiner Begründung für den Preis, den er dem vorliegenden Buch verlieh, geschrieben: In seiner stillen poetischen Prosa zeigt Petterson wie schwer es uns fällt, anderen Menschen gerade die Dinge zu sagen, von denen wir spüren, dass sie am dringendsten gesagt werden müssen."

Sicher, darum geht es in diesem Buch, aber die Suche der Hauptperson nach irgendeiner Form von auch nur annähernd gelingender Kommunikation bleibt - auch sprachlich - banal. Ich jedenfalls konnte dieses mal Pettersons "leiser und packender Prosa" ( Politiken ) nichts abgewinnen. Das Buch enttäuscht. Vielleicht kann der nächste Roman wieder die Kraft aufbringen und ausstrahlen, die die drei ersten Bücher so auszeichnete und dominierte.
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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Midlife Crises 11. Februar 2010
Format:Gebundene Ausgabe
Ein überraschendes Leseerlebnis von einem mir bis dato unbekannten Autor. Midlife Crises klingt immer so aufgesetzt, aber hier nimmt sie Gestalt an. Wir begleiten Arvid in den Monaten vor seiner Scheidung, in der zugleich die Krebserkrankung der Mutter erneut wieder auftritt. In Passagen geht es immer wieder in die Vergangenheit, zur Kindheit, in die Familienurlaube, den ersten Kuss, die erste Liebe, das abgebrochene Studium, den ersten Job, sein Eintreten für die vierte Klasse, den Arbeiterstand, als Marxist. Schöne Momente sind vor allem mit Dänemark, dem Herkunftsland seiner Mutter verbunden, die Mühen des Alltags und der Versuch eines selbstbestimmten Lebens mit Oslo. Es ist aber kein systematisches Zurückgehen aus dem für ihn verwirrenden Jetzt. Es geht hin und her, in großen wie kleinen Zeitsprüngen, genauso wie in seinem heutigen Leben.

Letztlich ist er ein großes Kind, trauert bisweilen den Fehlern hinterher, um dann im Alltag doch wieder in dieselben Verhaltensweisen zurückzufallen. Man mag ihn eigentlich nicht so richtig, eher fühlt man sich mit seiner Mutter verbunden, der er immer wieder auf die Nerven geht mit seinem kindischen Verhalten. Er will angenommen werden, verhält sich aber wirklich wie ein großes Kind und wie ein solches interessiert er sich zuallererst für seine eigene Situation.

Würde das Ganze in der Großstadt spielen, Arvid geräte vollends auf die Verliererseite. Aber so, wie er seiner krebskranken Mutter nach Dänemark nachflüchtet, so flüchtet er in den Gedanken auch oft zurück an das Meer, zu den flachen Feldern. Diese ruhige Natur lässt ihn seinen Erinnerungen nachhängen, während die Gedanken in Oslo abrupter und härter sind.

Pettersen schafft es wunderbar diese Ruhe einzufangen. Es stört nichts beim Lesen, man ist nur in den Gedanken und Erinnerungen von Arvid, und man erkennt: Das ist das Leben von Arvid, es ist nicht viel übrig geblieben. Irgendwann ist er stehen geblieben, eigentlich hat er abgebaut, sich zurückgezogen. Und er "verflucht den Fluss der Zeit", diese Zeit, die so ungerecht zu ihm war. Dabei schafft er es heute noch sich jede Chance zu verbauen.

Schön erzählend, gut reflektiert. Ein Buch für den Urlaub, aber nur an einem stillen Platz, vielleicht auf der Terrasse eines Ferienhauses in Jütland.
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