"Guter Wein ist ein gutes geselliges Ding, wenn man mit ihm umzugehen weiß."
(Shakespeare: Othello, II/3)
Roger Scruton (1944-), Wein-Liebhaber und Philosoph in Washington und Oxford, startet eine Reise in die Weingegenden Frankreichs und gleichzeitig eine Reise, die den Leser mit der immer währenden und schon seit Jahrtausenden gültigen Haltung zum Wein bekannt macht. Vielleicht muss man Wein mögen und durchaus die Liebe zu weisen Männern vertreten, denn dieser Autor ist zugleich beides: ein "Philo-sophos" und ein "Philo-oinos". Was der Reise erster Teil angeht, lernt man als Leser Frankreich und die Weingegenden kennen, natürlich bis zum Acker, wenn es um die besten Empfehlungen geht. Also könnte man meinen, Scruton lädt ein in die frankophile, vinophile Lebensweise Europas und letztendlich spürt man, dass er es getan hat. All die schönen Landschaften und die daraus erlesenen Reben geben Irgendetwas ein Gewicht, was in Wirklichkeit der biologische Wein ist, aber in der Geschichte des Genusses die Wahrheit offenbart. Wenn in der alten griechischen Lehre es gilt: "Oinos hai aletheia", dann erinnert man sich an einen der ersten wunderbaren Romane der europäischen Geschichte, der mehr ist, als die Tragödien der griechischen Dichter. In Platons Symposion wird diese Liebe zur Rebe besonders deutlich und in der Übersetzung vom griechischen zum lateinischen ins deutsche, weiß man, dass im Wein die Wahrheit liegt.
Hat man nun diese erste Reise zum Wissen der Önologie bestanden, dann tritt man an, ein wenig hofiert und geöffnet, die Fragen nach dem "Warum" (also), dem "Sein" (bin) und der eigenen "Identität" (ich) zu stellen und sich dem Selbst zuzuwenden. In Anlehnung an Descartes: "Cogito ergo sum" wird nur der Buchitel persifliert in ein "Bibo ergo sum". Das Trinken des Weines als Offenbarung des Geistes und des Selbst anzunehmen, könnte vorschnell zur Meinung führen, es handle sich um eine Laudatio des Trinkens. Doch Scruton weist vielmehr auf die Bedeutung des Weines, in Maßen genossen, hin, die nicht dem Geist den Garaus macht, sondern ihn, Wein eben maßvoll getrunken, anregt. Die wunderbare, aber doch gemäßigte Haltung Paulus in den Briefen an die Epheser zeigt dieses. Er sagt: "... und betrinkt euch nicht mit Wein ..., sondern werdet voll Geistes".
Dieser aus der Antike hervorgehobene Gedanke, wie Wein zu genießen ist, zeigt einmal mehr den Genuss, aber vielmehr offenbart der Autor zusätzlich eine Haltung, die zum Maß halten anregt im dem Sinne, dass es gilt, Wein zu trinken, bis man ihn spürt, aber weniger, als dass er einen übermannt.
In diesem Sinne eine wunderbare Geschichte des Weins, nicht nur in der Frage der Anbaugebiete, vielmehr in der Frage der Verköstigung und in der Frage der Anregung. Nämlich immer dort, wo der Geist im Gespräch sich anregen lässt vom Fließen des Weines zum Fließen der Worte, eben zum dia-logos (Dialog). Oder wie in den Gedichten von Hafis zu lesen ist: "Saghi, schenk ein den Wein / und laß den Becher kreisen! ... Färb den Gebetsteppich mit Wein, wie der Weise sagt, / dann wirst du, Pilger, auch vom Sinn des Weges / dein Teil erfahren."
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