"Ich trete an!" ist eine eher unter österreichischen Erfahrungen geschriebene Handreichung für angehende Kandidatinnen und Kanditaten um Funktionen und Ämter in Parteien, Verbänden und im Gemeinwesen.
Wer hofft, hier einen kompletten Instrumentenkoffer (Untertitel: "10 Erfolgsfaktoren für alle, die gewählt werden wollen") an die Hand zu bekommen, wird enttäuscht, denn die paßt auch gar nicht alles in so ein Taschenbuch hinein. Gleichwohl hilft es dem "Kandidaten in spe", sich zu sortieren und Fallstricke auf dem Weg zur einer Wahl aufzuzeigen. Am Ende ist klar: In Ämter und Funktionen zu gelangen bedarf vor allem Disziplin, Charakter und authentischer Ziele, da nützt auch kein Sammelsurium von organisatorischen und rhetorischen Hilfsmitteln. Wenn dieses Buch dazu dient, manchem Einäugigen, Blauäugigen oder manchem Idealisten ein wenig mehr Verständnis für Funktionärs- und Politikereigenschaften beizubringen, dann hat es seine Funktion erfüllt. Blindwütige Karrieristen wird es nicht abschrecken noch heilen.
Das Buch ist eine gute Einsteigerlektüre, vertiefende Bücher zur Rhetorik, zum Umgang mit Presse und Wählern wird es nicht ersetzen. Pädagogisch wertvoll mag es den interessierten Laien, Seiteneinsteiger und Politikneuling auf die Gesetzmäßigkeiten des menschlichen Miteinanders in Parteien vorbereiten, um späteren Schockerlebnisse - hier im Buch in homöopathischen Dosen verabreicht - vorzubeugen.
Peinlich im Nachgang auf Seite 140 der Erstausgabe aus 2005: Dort wird doch glatt die parteipolitisch neutrale "Bundeszentrale für politische Bildung" der CDU zugeordnet (dafür dann im Anschluss daran die Konrad-Adenauer-Stiftung als einzige parteinahe Stiftung einfach vergessen). Solche handwerklichen Fehler dürfen einer Lektüre aus dem Verlag Ueberreuther eigentlich nicht passieren.