Die Zeit, 18. September 2003
Kurzbeschreibung
Über den Autor
Auszug
Ich lernte, was jedes träumende Kind wissen muß - daß kein Horizont so fern ist, daß man ihn nicht erreichen oder über ihn hinausgelangen könnte ... Beryl Markham, Westwärts mit der Nacht
In meiner frühesten Erinnerung sehe ich meinen Vater als einen schlanken jungen Mann mit gerader Nase und schönem Mund, schwarzem Haar und graugrünen Augen hinter einer Brille; er trägt eine seltsame grünliche Hose und ein Hemd mit goldenen Sternen und Vögeln. Ich weiß noch, wie peinlich es mir war, daß er kein Jackett trug, wie alle anderen Männer in unserem Haus. Daß sie alte- Männer waren und er jung - er war erst Ende Zwanzig -, machte für meine kindliche Vorstellung von Schicklichkeit keinen Unterschied: Damals, auf dem Land, trugen alle Männer Jackett und Krawatte, sogar morgens.
Ich lebte im Landhaus meines Großvaters, das zu seiner Seidenfabrik in einem Dorf in den Hügeln Veneziens gehörte, zusammen mit meiner Mutter und ihrer Familie, die aus alten Männern und Frauen bestand: Alle jungen Männer waren im Krieg. Wir waren hierhergezogen, um den Bombenangriffen auf die Stadt zu entfliehen. Ich war ein verwöhntes kleines Mädchen, neugierig und immer auf der Suche nach Abenteuern und geheimnisvollen Dingen. Als einzigem Kind im Haus schenkte mir die ganze Familie von meinen Babytagen an viel Zeit und Aufmerksamkeit. In diesen Tagen der Angst muß ich für sie die Hoffnung auf die Zukunft verkörpert haben. In einer Welt voller Erwachsener, die von mir begeistert waren, umgeben von ihrer Liebe und Fürsorge, wuchs ich mit einem großen Selbstbewußtsein auf.
In meinen frühesten Erinnerungen an den Krieg werde ich von einem Erwachsenen im Laufschritt durch die Nacht getragen, zum Luftschutzkeller am Ende unseres Gartens; mit uns zusammen laufen Menschen, ... . -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.