Es gibt ja nun eine Unmenge an Büchern über Serienmörder, seien diese nun psychopathisch veranlagt oder nicht. Der Fan ist gesättigt und dadurch auch kaum noch zu beeindrucken. Soll heißen: Wirklich gute Krimis gibt es immer seltener.
"Ich töte" klingt zunächst erst mal wie viele andere auch. Leichen über Leichen, grausam verstümmelt, raffinierter Killer ist immer einen Schritt voraus, angeschlagener Ermittler muss sich wieder zusammenreißen, um diesen Fall knacken zu können und dann ist da noch die berühmte Schnitzeljagd durch Hinweise, die der Täter im Vorfeld der Morde gibt.
Was Faletti aber aus diesen durchaus bekannten Zutaten macht, hebt sich beeindruckend deutlich aus der Masse der Killer-Thriller ab. Man glaubt es zunächst kaum, aber die Geschichte hat tatsächlich einen besonderen Reiz allein dadurch, dass sie im Fürstentum Monaco spielt. Die enge Verknüpfung der Morde mit Musik ist auch endlich mal was Neues, oder zumindest etwas, was es so länger nicht gab. Besonders deutlich hebt sich "Ich töte" aber durch den eigenwilligen Schreibstil ab. Der Autor spricht oder vielmehr schreibt nicht englisch sondern italienisch und das merkt sofort, auch wenn es deutsch übersetzt ist. An manchen Stellen gibt es dann zwar dickes Pathos, aber das wirkt dann auch so echt, dass es nicht negativ auffällt. Die Figuren sind wunderbar ausgearbeitet, obwohl Frank Ottobre dann doch ein oder zwei Klischees zu viel in seiner Person vereinigt.
Der ganz große Pluspunkt dieses Buches liegt aber in der Konstruktion der Geschichte. Viele Krimis und Thriller kranken ja daran, dass sie interessante Rätsel konstruieren, diese dann aber so komplex werden, dass der Autor sie zum Schluss selbst nicht mehr lösen kann und der Schluss des Buches dann enttäuschend ausfällt. Faletti macht dagegen alles richtig. Von der Suche nach Hinweisen auf das nächste Opfer über die Aufdeckung der Identität des Mörders bis hin zum Finale des Buches (welches auch aus dem Rahmen fällt, aber da soll sich jeder selbst überraschen lassen) leistet er sich keine größeren Fehler. Allein Leser mit psychologischen Fachkenntnissen werden manchmal die Stirn runzeln, aber geschenkt! Selbst alte Füchse wie ich, die den Mörder sehr schnell erraten haben, werden zum Schluss dann doch noch überrascht. Und genau das ist es doch, was einen guten Thriller ausmacht.
Fazit: Nicht perfekt, nicht neu, aber doch erfrischend anders, und deswegen auch volle Sternzahl.