Wir kennen Hennig Mankell als den Mann, der die vielen Wallander Romane geschrieben hat, neben seinen Afrika Romanen aber auch Theaterstücke. Der gebürtige Schwede verbringt die Hälfte des Jahres in seiner zweiten Heimat in Mosambik. Und dort erlebt er hautnah das brutale Schicksal der Millionen an Aids erkrankten Menschen. Er sieht die Kinder, die unbehütet als Vollweisen aufwachsen. Und das sind mehr als dreißig Millionen solcher Kinder, die ein Leben unter verkehrten Vorzeichen beginnen. Ihnen fehlen die Wurzeln ihrer Familie, sie wachsen auf und wissen von ihren Eltern nichts, denn die können ihnen nichts mehr erzählen. Kinder die füreinander sorgen, Kinder die einander die toten Eltern ersetzten.
Und Mankell hat auf seinen Reisen immer wieder mit diesen an Aids erkrankten und vom Tode gezeichneten Menschen gesprochen. Er hat erkannt, dass es sich hier nicht nur um ein medizinisches, humanitäres sondern auch um ein kulturelles Problem handelt. Um hier endlich helfen zu können, hat der Autor mit der Organisation Plan International e. V. ein Projekt ins Leben gerufen, die „Memory Books". In diesen Büchern schreiben sterbende Eltern, für ihre Kinder, die Familiengeschichte auf, fügen Bilder und Fotos bei, geben ihnen so einen Einblick. Die Fotos erlauben es den Kindern, später Augenkontakt mit ihren verstorbenen Eltern zu halten. Das trifft alles herzzerreißend tief.
In seinem Buch „Ich sterbe, aber die Erinnerung lebt", hat der Autor in einem umfangreichen Essay, eindrucksvoll, frei von jeglichem Pathos, von der erschütternden Wirklichkeit in Afrika berichtetet, von seiner Enttäuschung über das Verhalten der westlichen Welt, und von der sich aufdrängenden Frage, was man selbst tun kann. „Diese Menschen sind auf die Solidarität von uns allen angewiesen", das sagt Mankell u. a. in seinem Schlusswort.
Und dann kommt in diesem Buch, eines dieser Erinnerungsbücher, das von der todkranken Mutter Christine Aguga. Sie schreibt es für ihre Tochter Everlyn Akoth. Als Lehrerin kann sie sich gut ausdrücken. Sie erzählt ihrer Tochter die Familiengeschichte, sie erzählt von ihrer eigenen Kindheit, von ihrer Ausbildung zur Lehrerin, von der Liebe zu ihrem auch an Aids erkrankten Mann und Vater Everlyns. Sie schreibt von der Entdeckung der Krankheit und deren schrecklichem Verlauf. Sie erzählt von ihrem Monatslohn, mit dem sie eine vielköpfige( 16 Personen) Großfamilie ernähren konnte, der aber nicht reichte, um die vorhandenen Medikamente zur Lebensverlängerung und Linderung ihrer Leiden zu bezahlen. „Das Geld reichte nicht um mich vor dem Tod zu schützen". Sie starb mit 35 Jahren. Das einzige was Everlyn von ihren Eltern geblieben ist, ist dieses Erinnerungsbuch, ein „autobiographisches „Überbleibsel".
Und wenn man diesen Bericht einer Betroffenen liest, dann kann man sich die ganze Tragödie der von Mankell beschriebenen Welt erst richtig vorstellen. Diese Schriften im „Angesicht des Todes", werden einst als die wichtigsten Dokumente unserer Zeit gelten, und sie werden späteren Generationen von der großen Plage unserer Tage berichten.
Dann sollten wir uns fragen, wie wir helfen können, - darüber sollten wir unbedingt nachdenken-, und Mankell fordert auch all seine Leser dazu auf. Es ist sicherlich wenig, was wir tun können, um diesen Kindern zu helfen, aber wenn wir dieses Buch kaufen und lesen, dann leisten wir einen kleinen Beitrag, denn der Nettogewinn aus dem Verkauf des Buches geht an die Aidshilfe von Plan International e. V..
Und das eigentliche Ziele dieser Erinnerungsbücher muss es einfach sein, dass sie eines Tages nicht mehr gebraucht werden.
In einem Nachwort fordert auch die Bundesministerin für Gesundheit und Soziale Sicherheit, Ulla Schmidt, unser Engagement.
Also, unbedingt kaufen und lesen!!!!!!!!!!!!!!!