Offenbar scheint der Autor in uns etwas anzusprechen, das in uns auf Resonanz zu stossen scheint. Gemeint ist jener Teil, der sich in uns schon längst von etwas verabschieden, trennen, verändern, befreien, loslassen, gehen will...doch ob Olaf Jacobsen mit seiner allzeit interpretierbaren, auslegbaren und sehr allgemein gehaltenen Formulierung "Ich stehe nicht mehr zur Verfügung" dieser Resonanz beim Leser gerecht wird und auf fruchtbaren Boden fällt, stelle ich eher in Frage...Ein Autor, dessen Hintergrund das Familienstellen eines Bert Hellinger ist und nun seine eigene selbst zusammengebastelte Variante namens "freie Aufstellung" ist..
Der Schreibstil ist verwirrend, unklar, diffus, unverständlich, theoretisch, manipulativ, komisch, eigentlich bekommen wir keine Antworten, sondern noch mehr Fragen, die der Autor in uns auslöst. Er kennt sich aus in der Spiritualität. Nennt Autoren und andere Therapie-Modelle, etwa wie the work, voice dialog, Reiki, NLP, Quantenpsychologie nach Steven Wolinsky, Eva-Maria Zurhorst, Ken Wilber, u.a. zitiert seitenlang, wahllos, geistvolle Sprüche, und bezieht sich darauf. Einzig die zitierten Textstellen, etwa eines Klaus Mücke
Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch: Psychoaktive Sinnsprüche für alle Lebenslagen. Ein systemisches Geschenkbuch sind eine Bereicherung, beim Lesen. Man frägt sich beim Lesen, was der Autor eigentlich zu sagen hat, wenn er seitenlang andere namhafte und renommierte Autoren zitiert...ausserdem denkt man, dann kann ich ja gleich die genannten Autoren lesen...
Es kommt einem so vor, das zwar das Thema an sich interessant wäre, doch die abgelieferte Arbeit eines Olaf Jacobsen, dann doch eher zu enttäuschen scheint...ein Autor der sich im Kreis dreht, ob er sich wirklich verständlich machen kann, bezweifle ich ...
Worum geht's? Es geht darum, das wir in Resonanz im zwischenmenschlichen Kontext gehen, woraus ein Ungleichgewicht und Veränderungswunsch entsteht. "..wenn wir nicht mehr in Resonanz sind, müssen wir auch nicht mehr die Ungleichgewichte darin fühlen. Stattdessen fühlen wir uns entlastet und frei.." Offenbar geht es auch darum, sich diesen Kontexten eben "nicht mehr zu Verfügung zu stellen", was in manchen Fällen, den Eindruck "des sich Entziehens" macht. Eine Formel, um sich von unangenehmen Gefühlen zu befreien...Beim Lesen jener "Zauberformel" bin ich auf unterschiedliche Auslegungen gestossen etwa wie...
also "ich stehe nicht mehr zur Verfügung bedeutet..:"
..aus dem Weg gehen..
..sich aus der Verantwortung nehmen..
..kann jemand über mich verfügen...?
..hat der andere Macht über mich..?
..wessen Angelegenheit und Entscheidung ist das..?
..vermeide ich Verantwortung..?
..stehe ich schon zur Verfügung, wenn ich nur fühle..?
..gebe ich meine Verantwortung ab wenn ich zur Verfügung stelle..?
..geht es um die Fähigkeit, im Beziehungskontext, NEIN sagen zu können? ..und wenn ja, was hat das mit "Verfügung" zu tun..
..geht es um das Thema Abgrenzung...? und wenn ja, warum benutzen wir dann das Wort Verfügung?
..geht es um das Erlernen von Unverbindlichkeit? Ist es das? Oder wo steht die Qualität von Verbindlichkeit, im Kontext von Beziehung?
..geht es darum, zu lernen für mich zu sorgen?
..geht es um das Erlernen von dienen, wenn wir uns zur Verfügung stellen wollen?
..geht es um die Lenkung unserer Aufmerksamkeit? (ich stand zur Verfügung..)
....heisst Verfügung ich trage die Verantwortung für andere..?
..geht es um das Entziehen von Gefühlen..?
..geht es darum sich nicht mehr zu identifizieren, oder zu projizieren?
..geht es darum zu lernen in den eigenen Angelegenheiten zu bleiben?
Olaf Jacobsen kann diese Fragen nicht beantworten, verfängt sich in seinem "Verfügungs-Schlamassel..".
Verfügung ist ein schwammiger Begriff...und lässt sich im Jacobsen-Jargon beliebig anwenden und dehnen, gefügig machen, ganz so wie es der Autor braucht...um einen kleinen Eindruck wiederzugeben, zitiere ich hier also gerne den Autor: (196)
"Die unangenehmen Gefühle, die wir nicht mit Hilfe unserer Zauberformel loswerden können, egal wohin wir uns wenden und niemandem mehr zur Verfügung stellen wollen, beeinflussen uns und unsere Umgebung und dienen auf diese Weise unserem eigenen Veränderungs- und Entwicklungsprozess. Wenn wir uns nicht mehr gegen sie wehren, sondern mit ihnen umzugehen verstehen, verlieren sie ihre unangehme Macht. Wir erkennen, dass alles einen Sinn und Zusammenhang hat. Unsere Ungleichgewichte sind immer eine Botschaft an uns selbst. Hier kannst Du etwas in deinem Leben integrieren. Entweder du lernst gerade etwas Neues, oder du kannst noch einen Veränderungswunsch erlösen."
Fazit: Ein Autor, der nicht wirklich etwas Neues bringt, andere benutzt, Gedanken anderer klaut, um die eigene Theorie, die Theorie bleibt zu stützen, oder die eigene nichtssagende Idee damit untermauern will. Eine Verarbeitung, Reflektion und Darstellung anderer Autoren. Ein Buch das von der Provokation lebt und eher Fragen und Widerstand beim Leser auslöst, was den eigentlichen Erfolg des Buches ausmachen könnte. Qualitäten wie Freude beim Lesen, oder gar Tiefe, oder gar Liebe konnte ich in meiner Leseerfahrung nicht orten. Was für Auswirkungen diese Theorie auf unsere Beziehungskultur haben könnte, werden wir ja im Folgeband
Ich stehe nicht mehr zur Verfügung - Die Folgen. Mit Kritik ausgeglichen und liebevoll umgehen dann sehen...Eine Theorie, die weder verständlich ist, noch in irgendeiner Weise zu übernehmen, oder gar zu praktizieren wäre..Etwas billig, von anderen kopiert, vereinsamt im eigenen Egoismus ertrinkend, aber nicht wirklich etwas Neues, wo man sagen könnte, dass es wirklich eine Bereicherung für den Leser darstellen würde...selbst nach 2, 3maligem Lesen habe ich vieles nicht verstanden, vergessen wir also was uns ein Olaf Jacobsen "vertheoretisieren" will und geniessen wir wenigsten die Zitate namhafter Autoren, die wirklich etwas zu sagen haben...
Ken Wilber, Byron Katie, Eva Maria Zurhorst, Steven Wolinsky, Clemens Kuby, Richard Bandler, Klaus Mücke, Thorwald Detlefsen, Michael Ende, Bert Hellinger, Ariel + Shya Kane, Konfuzius, Eckart Tolle um nur einige zu nennen, die im Buch als Quelle aufgeführt und vom Autor zitiert wurden..
Ein Buch wie das Vorliegende, könnte ich nie weiterempfehlen, im Gegenteil, ich rate davon eher ab.