Cecelia Ahern: Ich schreib dir morgen wieder
Schwer find ich ja immer den Anfang einer Rezension. Ein toller erster Satz fällt mir nie ein. Frau Ahern hat da auch kein besonderes Glück. Der erste Satz in "Ich schreib dir morgen wieder" geht z.B. so:
"Von einer Geschichte geht bei jedem Erzählen etwas verloren, sagt man."
Tja, da hab ich wohl jetzt ein Problem... bzw. Frau Ahern. Denn ich habe das Buch erst jetzt gelesen (Ende Oktober/Anfang November 2010) und somit ist es nun schon ein paar Monate auf Deutsch erhältlich und auf Englisch schon ewig. Jedenfalls haben schon hunderttausende, vielleicht Millionen Menschen auf diesem Planeten, diese Geschichte gelesen... und jedes Mal ist ein Stück von der Geschichte verloren gegangen. Ich muss leider sagen: das merkt man.
Im Grunde hat sie eine interessante Idee gehabt, nur leider war sie nicht in der Lage diese auch nur ansatzweise irgendwie fesselnd, gut durchdacht und gut lesbar umzusetzen.
Das erste Problem hatte ich damit, das die Hauptfigur, Tamara, ein zickiges 16jähriges verwöhntes Gör ist. Tut mir leid, aber wenn Ahern jetzt anfängt Jugendbücher zu schreiben, sollte man das auch offen zugeben und zumindest in der Covergestaltung vom Verlag her zeigen. Ich habe jedenfalls etwas ganz anderes von diesem Buch erwartet, als mir der die Werbung und der Klappentext erzählt hat.
Vermutlich wusste sie auch nicht, was sie schreiben sollte: Pubertätsgeschichte (keiner liebt mich, ich weiß alles besser), Mystery (oooooooooh, wie spannend! Tamara findet ein Buch in dem die Zukunft steht. Wow!), Gotic-Novel (uuuuuuuuh, schaurige Schlossruine! *grusel*), Familiendrama bzw. dramen (Selbstmord des Vaters und Irre Tante und unglückliche große Liebe ihrer Mutter).
Die ersten 182 Seiten passiert eigentlich so gut wie nichts. Außer dem philosophischen Geplapper der 16jährigen Zicke und das sie im Bücherbus das Buch findet.
Das Tagebuch... eine ganz nervige Sache. Wo kommt es her? Wo will es hin? Was soll es bewirken? Wie funktioniert es? Es ist einfach da. Tamara liest es. Freut sich. Nimmt es einfach so hin.
Wie immer bei Ahern ist es so, dass dieser phantastische Teil der Geschichte nicht vertieft wird. Man merkt sofort, dass sie sich keine Gedanken darüber gemacht hat, dem ganzen irgendeinen Hintergrund zu verschaffen. Etwas, das das Ganze dem Leser näher bringen würde. Das Buch logisch in die Geschichte einbetten, so dass ich die Existenz von Engeln, selbstschreibenden Tagebüchern oder auch das Land der verschwundenen Socke, einfach akzeptieren kann. Aber vielleicht bin ich ja auch die Einzige, die gerne das Gefühl hätte, das die Autorin sich Gedanken um die Welt gemacht hat, die sie erschaffen hat.
Und während man sich noch wundert, warum so etwas vollkommen außergewöhnliches wie ein zukunftvorhersagendes Tagebuch (hm... erinnert mich irgendwie an das Tagebuch von Tom Riddle in Harry Potter) so rein gar keine Beachtung findet, plätschert die Geschichte so vor sich hin. Irgendwann ist man dann ziemlich am Ende des Buches angelangt und auf die letzten 70 Seiten passieren so viele Dinge, das ich mich Frage, warum das so gequetscht am Ende aufgezählt wird.
Der Schluss des Ganzen ist so unglücklich wie der Anfang:
"Danke, dass ihr meine Geschichte gelesen habt. Ich schreibe morgen weiter".
Aber bitte nur, wenn die Geschichten ordentlich durchdacht sind und einigermaßen flüssig erzählt werden. Danke.
Insgesamt kann ich mich den ganzen äußerst positiven Bewertungen leider nicht anschließen. Ich bin sogar der Meinung, dass dies das mit Abstand schlechteste Buch von Frau Ahern ist. Sie ist meiner Meinung nach mit jedem Buch schlechter geworden. Einzig die beiden ersten Romane ("
P.S. Ich liebe Dich", "
Für immer vielleicht"), wo sie nicht versucht irgendwelche übersinnlichen und fantastischen Elemente unterzubringen, sind meiner Meinung nach empfehlenswert.