"Bedarf es nun schon wieder eines "Ich schaffs!"-Buches?" Dies könnte man sich bei der Vielzahl der Veröffentlichungen zu diesem Motivationsprogramm fragen. Dabei bringt dieses Buch doch Gott sei Dank weniger die Methode in all ihren Einzelheiten selbst ins Rampenlicht. Dieses Buch ist deshalb hilfreich, weil es die Praxis noch einmal darlegt, ohne sich in methodischen Feinheiten zu verstricken. Ben Furman hat die weit verstreuten Erfahrungen von vielen Praktikern und Praktikerinnen mit "Ich schaffs!" bei Kindern in sehr unterschiedlichen Kontexten gesammelt und in ein ansprechendes "Anekdotenbuch" lesefreundlich arrangiert. Bedenken und Fragen zum Programm werden zu Beginn thematisiert, um dann noch einmal kompakt auf die einzelnen - insgesamt fünfzehn - Schritte von "Ich schaffs!" einzugehen. Nach gut 25 Seiten Lektüre ist man voll und ganz mit den wesentlichen Punkten vertraut und kann sich ein eindrückliches Bild von der Methode machen. Deren Anwendung selbst wird dann vor allem für die Einzelarbeit beschrieben. Hier wird gezeigt, wie man bei Kindern im Alter von 3 bis 14 Jahren das "Ich schaffs!"-Konzept einsetzen kann. Erst danach werden fünf Fallbeispiele gegeben, die sich auf die Umsetzung des Programms in Gruppen beziehen. Diese beiden Kapitel machen den Hauptteil des Buches aus. Und man wird überrascht sein, wo überall das Motivationsprogramm eingesetzt wird. Neben Skandinavien, Deutschland, England und den Niederlanden, kommen die Beispielgeschichten auch aus Österreich, Belgien, Kanada, Iran, Japan und Australien. Die (Beratungs-, Therapie- und Anwendungs-) Kontexte sind derart unterschiedlich, dass man überrascht sein wird. Selbstverständlich werden hier nur zusammengetragene "Erfolgsgeschichten" vorgestellt. Dennoch wird man ermutigt udn bestätigt, selbst die "Ich schaffs!"-Methode einzusetzen. Ben Furman macht aber auch deutlich, dass es sich hier nicht um eine Allheilmethode handelt und stellt auch klar, dass es hier nicht um Manipulation oder Überforderung gehen kann, sondern nur um Respekt und Echtheit. "Ich schaffs!" wird hier als ein segensreiches Geschenk vorgestellt, das man gerne auspacken mag. Wie sorgsam der Autor mit der Methode umgeht, wird auch in dem letzten Kapitel klar. Hier zeigt er, welche besonderen Punkte unbedingt bedacht werden müssen. Er verdeutlicht, dass es sich hier nicht um einen Ersatz für eine notwendige medizinische Therapie handelt.
Das Literatur- und Internetlink-Verzeichnis ist mit vielen aktuellen Titeln versehen. Ben Furman bedauert in seinen einleitenden Ausführungen, dass es noch zu wenig Evaluationsstudien zum Programm gibt. Hier ist die Forschung aufgerufen, die Wirksamkeit empirisch korrekt zu verifizieren. Für alle systemisch, lösungsorientiert arbeitenden Berater/-innen und Therapeuten/-innen werden zudem die Darlegungen, was und wer Ben Furman zu und in seiner Methode inspiriert hat, wertvolle Anregungen geben. Hierzu gehören Milton Erickson, Jay Haley, Insoo Kim Berg, Steven de Shazer,Michael White und David Epston. So erfährt man nebenbei auch noch Details zur Geschichte der systemischen Therapie. Ein wertvoller, inspirierender, längst überfälliger Ergänzungsband zu den anderen "Ich schaffs!"-Publikationen. Hier werden Praxis, Erfahrung und Methode zu einer angenehmen Mischung. Die über zwanzig Fallgeschichten werden gewiss auch viele Personen, die sich in einer systemischen Weiterbildung befinden, ermutigen, ungewohnte Wege zu wagen - zum Wohle der anvertrauten jungen Menschen!