Schwarzer Hirsch wird auch als der letzte große Seher der Sioux bezeichnet. Seine Geburt fällt in eine Zeit, als der weiße Mann bereits in die Prärie eingedrungen ist. Noch stehen einige unbeschwerte Jahre des schönen, harmonischen, freien Lebens in den Great Plains an. Doch die kommenden Ereignisse werfen bereits ihre Schatten voraus. Im recht jungen Jahren hat Black Elk bereits sehr intensive reale Visionen. Die Beschreibung dieser Vision mutet zunächst etwas langatmig an, relativiert sich jedoch durch die weiteren Ereignisse im Leben des Schamen auf eine undbedingt notwendige Schilderung. Die Kraft, die ihm seine seherischen Fahigkeiten verleihen, trägt ein wenig dazu bei, das drohende Unheil von seinem Stamm abzuhalten. Doch der verhängnisvolle Lauf der Geschichte hat bereits begonnen und ist durch ihn nicht mehr aufzuhalten. Das Leben von Schwarzer Hirsch erweist sich als Spiegel der Geschehnisse auf den Great Plains. Alle bekannten Schlachten, Massaker, Vertragsverhandlungen werden von ihm aus seiner Sicht beschrieben und die Art der Schilderung macht ihn zu einem absolut glaubwürdigen Zeitzeugen. Egal ob Fetterman-Fight, Wagon-Box-Fight, Little Big Horn, die Ereignisse um die Black Hills und Crazy Horse und schließlich das entgültige und so traurige Ende der Hoffnungen und freien Existenz eines ganzen Volkes. Mit dem Massaker am Wounded Knee endet der Freiheitskampf der Indianer und Black Elk wird im Reservat zu einem verbitterten, von Versagensvorstellungen geplagten, bemitleidenswerten Mann. Sein Leben und Wirken, seine Schilderungen und Überlieferungen der Ereignisse und der Visionen machen ihn jedoch zu einem bemerkenswerten Mann, der in der Geschichte seines Gleichen sucht. Dieses Buch legt Zeugnis ab vom verlöschenden Leben der freien Plains-Indianer und der untergehenden Kultur der Büffeljäger, aber auch vom vielfach ungebrochenen Glauben und vom Festhalten an traditionellen Werten und es beschreibt die Macht der indianischen Religion. Ein sehr lesenswertes Buch.