Die Autorin tritt selbstbewusst auf. Das muss man ihr lassen. Und mit diesem Selbstbewusstsein listet sie eine Behauptung nach der anderen auf, die zum Großteil buchstäblich "willkürlich erfunden" sind. Dieses Hörbuch kann mMn nur jemanden beeindrucken, der sich noch nie selber mit Sprache und Rhetorik befasst hat und auch keinerlei eigene Erfahrungen auf diesem Gebiet hat um die von der Autorin aufgestellten Behauptungen aufgrund eigener Erfahrungen überprüfen zu können.
Aber die Autorin macht auch ganz handfeste und haarsträubende Fehler. Die sie mit derselben Selbstverständlichkeit verkauft.
Ein leicht nachvollziehbares konkretes Beispiel meiner Kritik:
Im Kapitel "Kein Blackout mehr" geht es um die Atmung. Ein sehr wichtiges Thema beim Sprechen, keine Frage. Aber das Niveau, auf welchem sich Isabel Garcia mit diesem Thema auseinandersetzt, ist bezeichnend für die "Wissenschaftlichkeit" dieses gesamten Hörbuches. In dem genannten Kapitel heißt es:
"Für das Kämpfen und das Weglaufen brauchen wir ganz viel Sauerstoff in den Muskeln. Deswegen haut der Kopf auch in Bruchteilen von Sekunden den meisten Sauerstoff in die Muskeln."
Das muss man sich bis hierhin mal auf der Zunge zergehen lassen. "Der Kopf haut Sauerstoff in die Muskeln"? Wie bitte? Was soll das bedeuten? Und WIE umverteilt der Kopf den Sauerstoffgehalt des Blutes oder die Blutmenge im Körper in "Bruchteilen von Sekunden"? Will die Autorin nach solchen Aussagen ernsthaft behaupten, sich jemals mit der Arbeitsweise des Sympathikus und den Regulationsautomatismen des menschlichen Körpers befasst zu haben?
Natürlich hat Stress eine Umverteilung der Blutmenge in bestimten Körperregionen zur Folge. Aus den Extremitäten und im Verdauungstrakt wird duch Gefäßverengung Blut verdrängt (daher gibts unter Stress "kalte Hände" und "Magendrücken") und in Rumpf und Kopf geleitet. Aber erstens geschieht das nicht in "Sekundenbruchteilen" und zweitens wird - wie ich gerade sagte - ein Teil des Blutes GERADE "in den Kopf gepumpt". Deshalb haben Menschen die sich aufregen auch den buchstäblichen "hochroten Kopf". Das ist eine ganz simple Logik. Und das passiert, damit das Gehirn GERADE unter Stress gut mit Sauerstoff versorgt ist und gut funktionieren kann. Dass unter Stress stehende Menschen mit einem "hochroten Kopf" i.d.R. nicht sonderlich klar denken können, hat ganz andere Ursachen. Dazu gleich... Drittens ist die Sauerstoffkonzentration im arteriellen Blut zumindest in den Schlagadern überall mehr oder weniger konstant. Es ist schließlich ein Blut-KREISLAUF. Alle Gefäße werden aus derselben Quelle versorgt.
Weiter heißt es:
"Sie sind also stärker als sonst und können auch schneller laufen. ... Das Dumme daran ist, dass für das Gehirn nur sehr wenig Sauerstoff übrig bleibt. Das Gehirn wird 'am Leben gehalten'. Aber 'denken' ist nicht mehr möglich. Der Kopf läuft praktisch auf 'Notstrom'. ... In solchen Momenten können wir nicht denken. Wir handeln einfach."
Herabgesetzte Denkfähigkeit aufgrund von Sauerstoffmangel im Gehirn aufgrund von Stress? Erzählen Sie das mal einem Mediziner und lassen Sie sich herzlich auslachen. So einen Unsinn habe ich noch nie gelesen! Zurück zum "hochroten Kopf"... Wenn das Gehirn nicht genug Sauerstoff bekommt, spielt zuerst mal der Kreislauf verrückt und da ist nichts mehr mit "Kraft" oder "schnell rennen". Und dann wird der Betreffende auch blass! (Im Gegensatz zum gut versorgten "hochroten Kopf" in Kampfbereitschaft.) Und wenn Ihnen schwindlig ist können Sie immer noch im Großen und Ganzen klar rational denken. Sie können Andere um Hilfe bitten, mit dem Handy den Notruf anwählen, sich hinlegen und die Beine hochlagern usw. Die Denkfähigkeit endet erst, wenn Bewusstlosigkeit einsetzt.
Die Herabsetzung intellektueller Fähigkeiten in Stressituationen ist auf die Ausschüttung von Stresshormonen, also Neurotransmittern, zurückzuführen. Aber keinesfalls auf "Sauerstoffmangel".
Wer so mißerabel recherchiert, sollte sich nicht anmaßen, anderen Menschen "gute Ratschläge" geben zu wollen. Und diese Art der "Halbrecherchen" durchzieht das ganze Hörbuch. Es wird nirgendwo etwas sachlich nachvollziehbar begründet, sondern die Autorin "behauptet" einfach ständig irgendwas und baut ihre Schlussfolgerungen auf ihren eigenen Behauptungen auf.
Bei der Besprechung von Atemtechniken behauptet sie zum Beispiel, Marathonläufer würden "tief in den Bauch oder sogar IN DEN RÜCKEN atmen". In den Rücken atmen! Kein Witz!! Einen Satz später deklariert sie "Yoga" als "Sportart" und stellt es mit Aikido auf eine Stufe.
Von mir gibt es einen Stern. Mehr ist diese Peinlichkeit von Isabel Garcia nicht wert.