Dorst, so heißt der Held in Annette Pehnts Roman "Ich muß los", ist ein rastloser Einzelgänger. Kaum an einem Ort angekommen, ist er auch schon wieder auf dem Sprung. Die Zeitspanne der Handlung reicht von Dorsts achtem Lebensjahr, als der Vater stirbt, über eine kurze Episode aus Dorsts Jugend, bis zum glänzend bestandenen Abitur. Doch eine Entwicklung findet in Dorsts Leben nicht wirklich statt, weitestgehend grenzt er sich von seiner Umwelt ab. Und dennoch schafft es die Autorin, dem Leser Ihren Helden näher zu bringen. Denn Dorst bringt sein eigenbrötlerisches Verhalten auch Vorteile, zeigt er Anderen mit seiner sich abgrenzenden Art doch demonstrativ seine Unabhängigkeit von der Meinung anderer. Leider scheut er aber auch jede Verantwortung für sich selbst und für auch für andere.
Die Erzählerin sieht denn auch im weiteren Verlauf der Geschichte keine allzu rosigen Zukunftsaussichten für Ihren Protagonisten. Schade eigentlich, doch eben aufgrund des Vergangenen auch konsequent. Zum Schluss läuft Dorst abermals die Freundin, eine Pädagogin, davon, sie hat genug von Dorsts Unzuverlässigkeit und seinem Einzelgängertum. Pehnt schaftt es hier vortrefflich, dem Leser beide Sichtweisen so darzulegen, dass man sowohl Dorst erneute Flucht, als auch die entnervte Lehrerin zu verstehen. Zwei Menschen, die einfach nicht zusammenpassen wollen. Pehnt gelingt es bis zum Schluss, die Spannung aufrechtzuerhalten, obwohl eigentlich längst klar ist, dass es für Dorst wohl keinen Ausweg mehr aus seinem Einzelgängertum mehr geben wird, offensichtlich werden hier wohl nicht zuletzt auch die Themen Determination und Willensfreiheit angesprochen. Mir wäre ein versöhnlicherer Schluss zwar lieber gewesen, vielleicht ein Stern Abzug in der B-Note, doch ändert das für mich letztendlich dann doch nichts am großen Vergnügen, den ich beim Lesen hatte. Und so gibt es dann auch fünf Sterne für dieses Buch.