Über-Ich und Unter-Mir, Lehrer und Hausmeister: Zwei Herzen wohnen in Andreas Rebers' Brust. Über den Kampf, den die psychischen Antagonisten untereinander ausfechten, erzählt auf ICH MAG MICH TROTZDEM das "Jahrhunderttalent" (Dieter Hildebrandt) aus dem Weserbergland. Um uns dabei zu versichern: Um Idealismus mache er sich keine Sorgen, eher schon um "diesen Hausmeister da unten" und die heimliche Vorliebe für Marschmusik. Die Botschaft ist angekommen - und die Tagespolitik bleibt hier außen vor. Was Rebers' Programme und Stücke zeitlos macht, ohne sie ihres politischen Gehalts zu berauben.
Während der "innere" Hausmeister - eine Bühnenfigur, die zum festen Repertoire von Rebers Programmen gehört - gegen die Versuchung von rechts ankämpft, kämpft der Hauptschullehrer vor allem ums nackte Überleben. "Mit einem Messer gehe ich noch lange nicht nach Hause" - so rüstet er sich für Pausenaufsicht und den täglichen Kleinkrieg mit Schülern der achten Klasse mit Migrationshintergrund, die der deutschen Sprache zwar nicht mächtig sind, dafür in einem weißen Anzug in einem dunklen BMW mit getönten Scheiben zum Unterricht kommen. Verständlich, dass man da nach getaner Arbeit eine Sehnsucht verspürt nach der Ferne. Moby Dick. Oder eben Bayern. Vor allem, wenn man sich auch im Haushalt aufgrund "schlesischer" Pedanterie keine Verschnaufpause gönnt. Und, begibt man sich endlich in die wohlverdiente Ruhe, auch noch die eigenen Kinder lästige Frage stellen: Mama, was war einmal ein Adidas?
Ob satirischer Spott, halsbrecherisch assoziative Dichtkunst ("Adidas") oder aufrichtiger Ernst und ein wacher Blick für die Paradoxien des Alltags; ob kunstgewerblich auf dem Piano oder "volkstümlich" auf dem Akkordeon: Rebers ist in allen Fächern ein Meister seiner Zunft. Anders als etwa auf LIEBER VOM FACHMANN schlägt das Pendel bei ICH MAG MICH TROTZDEM eher zugunsten des "Textes" aus: Hier wird mehr geredet als gesungen. In jedem Fall: Daumen hoch!