Warum entschließen sich Menschen jedweder Couleur dazu, ihrem Leben ein Ende zu setzen?
Einige Antworten darauf, versucht der Historiker und freie Journalist, Udo Grashoff, mit seiner Zusammenstellung von 50 "Abschiedsbriefen" zu geben.
Das 160 Seiten schmale Büchlein soll, nach der Aussage des Autoren, keine plakative Darstellung dieses, immer noch gesellschaftlichen Tabu-Themas sein, sondern vielmehr ein ausgeprägteres Interesse am Zuhören erwecken, um potentielle Selbstmörder, vor ihrem "einzigem" Ausweg, womöglich bewahren zu können.
Auf den ersten 30 Seiten trägt der Autor die enorme Bandbreite an Gründen für eine Selbsttötung zusammen. Im restlichen und größeren Teil stehen die 50 anonymen Abschiedsbriefe im Vordergrund, die mal sehr kurz aber auch sehr ausführlich ausfallen. Bei denen, die für den Leser wenig bis gar keinen Sinn ergeben, stellt Grashoff weitere Informationen zur Verfügung, um sich eine Meinung bilden zu können.
Viele Schicksale bewegen schlicht und einfach, andere ließt man vollkommen verständnislos. Aber ohne nur ein kleines bisschen darüber nachzudenken, warum die meist nicht mal schlecht situierten Menschen Suizid als letztes Mittel sehen/sahen, kommt man bei diesem Buch nicht vorbei.
Auffällig ist, das ein großer Teil der Briefe aus der DDR-Zeit stammt, was sich aber sehr einfach damit erklären lässt, das in jener Zeit jeder Mordfall sehr genau unter die Lupe genommen wurde und die Unterlagen, zumindest für den Autoren, noch einsehbar sind/waren.
Und am Ende komme ich zu der Erkenntnis, das Selbstmord eine individuelle Handlung ist und bleibt und ich mir fast ganz sicher bin, das ich noch nie an diesem Punkt angelangt bin, oder womöglich einen "letzten Brief" begonnen habe.
Ein genauso faszinierender, wie auch schockierender Einblick in 50 deutsche Schicksale.