Wer sich dem (je nach "Medienaktualität") hochbrisantem Thema ADHS nähern möchte weil er sich Informationen und Hilfen erhofft - dem sei nach der Lektüre dieses Buches dringend empfohlen, sich an unvoreingenommenen, neutralen und vor allem mehr wissenschaftlich und medizinisch orientierten Autoren zu wenden.
Der Autor hält ein Plädoyer und versucht - ähnlich eines guten Strafverteidigers - seine Thesen mit zahlreichen Belegen, Zitaten und Beispielen zu untermauern, welche alle eines gemeinsam haben : Sie besitzen keinerlei Beweiskraft! Sie sind aus dem Zusammenhang gerissen, falsch zitiert, unvollständig und teilweise schlicht und ergreifend unwahr und frei erfunden.
Anders als ein Staatsanwalt muss Herr Schmidt in seinem Plädoyer jedoch auch nicht die Richtigkeit seiner Ausführungen belegen oder seine Thesen beweisen - das ist eben der Vorteil, den ein Verteidiger gegenüber einem Ankläger genießt. Herr Schmidt kann und darf völlig frei seine "Agitation" gegen ADHS und die davon betroffenen Menschen in die Welt setzen, ohne sich auch nur im Mindesten dafür rechfertigen zu müssen. (Ähnlich wie er es auch auf seiner Internetseite schon seit einigen Jahren tut).
Gleichwohl fordert der Autor für sich und einer eher klein aber durchaus einflußreich zu nennende Clique Gleichgesinnter, einen Respekt und Anerkennung ein, welches er selbst jedoch seinen Gegenspielern aus der - wie er sie zu nennen pflegt - "ADHS-Szene" verweigert. So verwundert es auch nicht, dass Herr Schmidt in seinem Werk kaum eine Gelegenheit versäumt, die Meinungen und Ansichten einiger namhafter Experten auf dem Gebiet der ADHS-Forschung, welche nicht seiner Sichtweise entsprechen, ins Lächerliche zu ziehen und sie zu verunglimpfen.
In ähnliche Weise berichtet - eher urteilt - er in Fallbeispielen über Eltern, die eben eine andere Einstellung, Meinung und Erfahrung zu bzw. mit ADHS und / oder einer entsprechenden Therapie haben.
Mit einer kritischen Betrachtungsweise oder dem Hinterfragen von ADHS und den diversen - auch medikamentösen - Therapieansätzen, hat das Buch nichts mehr zu tun. Es dient aus meiner Sicht wohl nur einem einigen Zweck : Stimmungsmache. Gegen die "böse" Pharmaindustrie die Krankheiten erfindet, um mehr Medikamente zu verkaufen. Gegen Selbsthilfeverbände, weil diese ja durch die Pharmaindustrie gesponsert und finanziert werden. Gegen Ärzte und Mediziner, da diese ja ach so gut an jedem verordnetem Medikament verdienen. Gegen Eltern, die ihren Kindern Medikamente geben, um "pflegeleichte" Kinder zu erhalten.
Das Schlimme daran ist, dass Herr Schmidt mit diesen Behauptungen zumindest bei einer sich im Bruchteil eines Prozentes befindlichen Anzahl der Fälle sogar recht hat. Leider !
Diese wirklichen Einzelfälle (von denen jeder Einzelne einer zuviel ist !) dann jedoch zu einem "Massenphänomen" hochzustufen und nach Art eines "Verschörungstheoretikers" zu beschreiben, ist kontraproduktiv und dürfte kaum dazu beitragen, die eigentliche Intention des Autors und seines Buches positiv zu bewerten. Wie heiß es doch so treffend ? "Schlimmer als gut gemacht ist gut gemeint."
Fazit :
Das Buch bietet keine wirkliche Hilfestellungen bei der Entscheidung, ob man z.B. als Eltern deren Kind vielleicht an ADHS leidet, nun eine Diagnose und / oder eine Therapie beginnen sollte oder nicht. Der reißerische Titel deutet schon an, was die eigentliche Intention des Autors sein dürfte und auch der Untertitel spricht genau das an. Es ist ein Plädoyer (meiner Meinung nach eher ein Pamphlet) gegen ADHS und gegen alle, die sich dieser Thematik in einer offeneren, neutraleren oder auch nur anderen Weise widmen, als es der Autor tut.