Schon im Frühjahr 2006, einige Zeit nachdem der SPD-Politiker Hans-Jochen Vogel zusammen mit seiner Frau Lieselotte seinen Wohnsitz in ein Altersstift verlegt hatte, wurden die beiden in einer große deutschen Wochenzeitung zu diesem Thema interviewt. Ich erinnere mich, wie mich damals der Mut und die Entschlossenheit beeindruckt hatten, wie dieses Ehepaar auch die letzte wichtige Lebensentscheidung gemeinsam plante und trug.
Schon damals haben die beiden überhaupt nicht dem gängigen Klischee eines Altenheimbewohners entsprochen, denn nach wie vor sind beide sehr aktiv, engagiert und häufig unterwegs.
Doch so wie sie es ihr ganzes Leben gemacht haben, selbstbestimmt zu leben, wollten sie die Entscheidung, wie sie ihren letzten Lebensabschnitt verbringen, nicht anderen überlassen.
Nun legt Lieselote Vogel die Geschichte dieser Entscheidung als Buch vor und berichtet auch vom Leben im Altersstift Augustinum. In einer Zeit und einer Gesellschaft, die das Alter, mindestens dann, wenn es mühsam wird, und erst recht Krankheiten und Tod ausgrenzt, ausblendet und verdrängt, in einer Welt, in der alles immer nur super und toll ist und in der 70- jährige Frauen so aussehen und so viel wiegen wollen wie 40- jährige, ist dieses Buch eine Ermutigung. Es ist ein kraftvolles Zeugnis, wie es gehen kann, sich dem Alter, dem Leben im Alter mit all seinen Unsicherheiten beizeiten und mutig zu stellen.
Natürlich haben nicht alle Menschen die ökonomischen Möglichkeiten, die dem Ehepaar Vogel zur Verfügung standen. Doch wer sagt denn, dass das Vermögen der Alten unbedingt vererbt werden muss? Warum das selbst Erarbeitete nicht, vielleicht auch teilweise, in ein selbstbestimmtes Leben im Alter investieren ?
Ein ausführlicher Ratgeber nimmt das letzte Drittel des Buches ein und gibt hilfreiche Hinweise für Betroffene und spart auch das leidige Thema der Kosten nicht aus.
Fazit: Wenn man frühzeitig beginnt, über ein selbstbestimmtes Leben im Alter nachzudenken, ist mehr möglich, als man gemeinhin denkt. Ein Buch, das hoffentlich vielen älteren Menschen Mut macht.