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Ich lebe aus dem Mond, du aus der Sonne: Hundert Gedichte über die Liebe
 
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Ich lebe aus dem Mond, du aus der Sonne: Hundert Gedichte über die Liebe [Gebundene Ausgabe]

Anna Achmatowa , Olaf Irlenkäuser , Alexander Nitzberg

Preis: EUR 16,80 kostenlose Lieferung. Siehe Details.
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Produktbeschreibungen

Perlentaucher.de

Pressenotiz zu : Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.06.2000
Diesen Band mit frühen Gedichten bespricht Ulla Hahn. Sie stammen, schreibt sie, aus der Feder einer Zwanzigjährigen, die erst Jahrzehnte später zu "der Achmatowa" gereift sei. Die Übertragung der Gedichte ins Deutsche hat die rezensierende Dichterin gar nicht überzeugt. Es liege wohl an der Entscheidung, den Reim beizubehalten, dass die Verse "altbacken" und häufig sogar "lächerlich" klingen. Man liest ein paar allgemeine Betrachtungen zum Problem der Lyrikübersetzung und Kostproben aus dem aktuellen Fall. Überraschend die Wendung am Schluss, die Übersetzung habe dennoch den Gedichten "einen Raum geschaffen" und sie "aus der Fixierung in Ort und Zeit ihres Erscheinens" gelöst.

© Perlentaucher Medien GmbH

Kurzbeschreibung

Klappentext Was ist die Liebe? Hundert Gedichte, hundert Variationen des einen Themas, aufgefächert von der größten russischen Dichterin unseres Jahrhunderts: Anna Achmatowa. »Die Wahl ihres Pseudonyms war bereits die erste gelungene Zeile«, schreibt der russische Nobelpreisträger Joseph Brodsky. »Die fünf offenen 'A' in Anna Achmatowa hatten eine hypnotische Wirkung und verankerten die Trägerin dieses Namens im Alphabet der russischen Lyrik ganz obenan.« Weitere gelungene Zeilen folgten schon in jungen Jahren, die hier den Schwerpunkt des einfühlsam übersetzten Lyrikbandes bilden. Liebe, Trennung, Eifersucht - das sind die Themen dieser Gedichte, die wie beiläufig gefallene Sätze daherkommen und doch von großer Aufmerksamkeit gegenüber den winzigen Details des Alltags zeugen. Mit ihrer Gabe, leicht und ruhig zu formulieren, entfaltet die Dichterin in wenigen Zeilen einen ganzen Reigen von Geschichten und Bildern. Anna Achmatowas Liebesgedichte zählen zu dem Schönsten, was Lyrik überhaupt leisten kann.

Umschlagtext

Wir müssen den Abschied üben. Schlendern zu zweit herum. Es dämmert. Wir gehn im Trüben. Du grübelst. Ich bleibe stumm. Zur Kirche: Da läßt man sich taufen, da wird man bestattet, vermählt. Schweigend herausgelaufen ... Woran hat es uns gefehlt? Am Friedhof vor einem Grabe atmen wir auf befreit. Du kritzelst im Schnee mit dem Stabe den Ort, wo wir nie mehr entzweit.

Über den Autor

Alexander Nitzberg, geboren 1969 in Moskau, lebt als freier Schriftsteller und Übersetzer aus dem Russischen (u. a. Charms, Majakowski und Puschkin) in Wien. Für seine Arbeiten wurde er vielfach ausgezeichnet.

Auszug aus Ich lebe aus dem Mond, du aus der Sonne. Hundert Gedichte über die Liebe. von Anna Achmatowa. Copyright © 2000. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Ich lebe aus dem Mond, du aus der Sonne Den Strahl im Fenster bet ich an - er ist so hell und schlank. Ich schweige, seit der Tag begann, mein Herz jedoch zersprang. Auf meinem Wasserbecken ward das Kupfer grün, doch fällt das Licht darauf in einer Art, die mir den Sinn erhellt. Es leuchtet ohne jede List in meine Ruh hinein, jedoch für diese Klause trist ist das ein goldnes Fest und ist die tiefste Labung mein.

1909

Bei der Lektüre von »Hamlet«

1. Der Platz vor dem Friedhof war staubig und leer, der Fluß dahinter war blau. »Geh nur ins Kloster«, sagte er, »oder sei eines Narren Frau ...« So etwas sagt nur ein Zauberprinz, mögen Jahre vorüberziehn, doch über meine Schultern rinnt's wie ein Mantel von Hermelin.

2. Und als wär es ein Versprecher, sagt ich »Du ...« zu ihm. Und der Hauch von einem Lächeln strahlte auf sublim. Ja, bei solchem Wort verliert sich jeder Blick sogleich ... Meine Liebe ist wie vierzig Schwestern zart und weich.

1909

Zwei Gedichte

1. Das Kissen ist beiderseits schon zu warm. Es sind zwei Kerzen bereits abgebrannt. Und ein Schwarm von Raben da draußen kräht. Ich fand keinen Schlaf, doch sei's drum: Es ist jetzt zu spät ... In unerträglichem Weiß die Gardine am Fenster weht. Grüß dich!

1909

2. Wieder dieses weiche Haar, diese Blicke, diese Stimme. Alles wie vor einem Jahr. Durch die Scheiben strömt ins Zimmer helles Sonnenlicht ... Und klar nehm ich deine Worte wahr und den Lilienduft - wie immer.

1909/1910

1. Sie kamen und sagten: »Dein Bruder ist tot.« Was man wohl damit meinte? Wie lange doch heute das Abendrot über den Fluten weinte.

Den lieben Bruder bringe ich heim, wo ich Vergangenes berge, ich treibe darüber insgeheim so manche magischen Werke.

2. »Bruder! Wo warst du? Ich hab es gewußt: Einst schlägt die glückliche Stunde!« »Schwester, wende dich ab: Diese Brust ist eine einzige Wunde.«

1910

Er liebte ...

Er liebte drei Dinge auf Erden: Bei Gottesdiensten geistliche Lieder, vergilbte Karten und weiße Pfauen. Ihn störten Kinder und ihre Beschwerden, Himbeertee war ihm zuwider, mochte auch keine hysterischen Frauen. ... Dabei war ich sein Eheweib.

1910

Ein altes Portrait

Blickst aus dem Rahmen, vergoldet und edel; hinter dir fächert der zahme Mohr mit dem blauen und buschigen Wedel, weiße und zierliche Dame.

Schultern - der Grazie zartes Exempel, Augen blasiert und erbittert. Und wie im düsteren Vorhof zum Tempel schimmernd das Kerzenlicht zittert.

Eine Gitarre am Tischchen daneben, Rosen im schlanken Pokale ... Wer aber malte mit furchtsamem Beben dich in dem festlichen Saale?

Wurde dein Mund, du berückendes Wesen, jenem zum tödlichen Bissen? Hinten, der Mohr im Gewande erlesen lächelt voll Wissen.

1910

Der König mit samtigem Blick

Ehre dem schmerzlichen bösen Geschick! Tot ist der König mit samtigem Blick.

Herbstlicher Abend war flammend und schwül. Heim kam mein Gatte und sagte mir kühl:

»Weißt du, man hat ihn beim Jagen entdeckt: Unter dem Eichenbaum lag er gestreckt.

Ach, seine junge verlassene Frau! In einer Nacht ward die Königin grau.«

Nahm vom Kamin seine Pfeife herab und sich zur nächtlichen Arbeit begab.

Ich aber wecke die Tochter und seh in ihre samtigen Augen voll Weh.

Und vor dem Fenster der Pappeln Geraun: Wirst deinen König auf Erden nicht schaun.

1910

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