Gerade vor dem Hintergrund, dass in letzer Zeit wieder vermehrt Amokläufe und andere Vorfälle in Schulen aufkamen, ist dieses Buch auf traurige Weise aktueller geworden als es ohnehin schon immer war.
Erzählt wird die Geschichte von zwei Jungen, die Außenseiter sind, schinaniert werden von Mitschülern und keiner sieht hin und unternimmt etwas. Die dadurch gestaute Wut lässt sie schließlich Geiseln nehmen.
An den Erzählstil muss man sich möglicherweise erst gewöhnen, denn er ist nicht linear, sondern immer wieder aus verschiedenen Blickwinkeln mit Aussagen der beteiligten Personen. Das kann möglicherweise am Anfang verwirren. Gegen Mitte/Ende des Buches sind die einzelnen Erzählungen auch länger und nicht so "abgehackt". Wegen dieser anfangs kurzen und verwirrenden Sichtwechsel/Sprünge auch der Stern Abzug.
Ich muss von mir sagen, dass ich als Behinderte auf eine weiterführende Schule ging, wo Nichtbehinderte und Behinderte zusammen unterrichtet wurden. Im Unterricht mochte die Integration ja funktionieren. In den Pausen waren die aller meisten Behinderten jedoch entweder ganz alleine oder in kleinen Grüppchen mit anderen Behinderten. Ich sage nicht, dass die Lehrer auch in den Pausen alles kontrollieren müssen. Das würde gar nicht gehen. Aber sie sollten sich Gedanken machen, wie Schüler mit einander (und mit Lehrern) umgehen und aufpassen, dass es weniger radikal Außenseiter gibt. Es kann nicht sein, dass einige nicht nur Außenseiter sind, sondern als solche auch gnadenlos und unbemerkt unterdrückt werden können von anderen Schülern. Irgendwann muss da die gestaute Wut raus, ob die Gesellschaft/Lehrer/Eltern wollen oder nicht.
Da finde ich eine Szene aus "Die Wutprobe" bezeichnend. Es gibt zwei Wuttypen: die einen, die den Kassierer an machen, weil sie keine zweite Tüte bekommen. Die anderen sind die Kassierer, die jeden Tag still all die Wut aufnehmen und in sich hinein fressen, bis sie eines Tages raus kommt und der Kassierer mit einer Pistole oder Gewehr in den Laden kommt und um sich schießt.
Es sind bei weitem nicht immer die lauten, offen-aggressiven, auf die wir achten müssen und um die wir uns mehr kümmern sollten. Viele der Amokläufer sind sogar eher ruhigere Typen gewesen. Achtet auf sie, passt auf sie auf, helft denen.