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Ich kann jeder sagen: Erzählungen vom Ende der Nachkriegsordnung
 
 
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Ich kann jeder sagen: Erzählungen vom Ende der Nachkriegsordnung [Gebundene Ausgabe]

Robert Menasse
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 185 Seiten
  • Verlag: Suhrkamp Verlag; Auflage: 2 (17. August 2009)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 351842114X
  • ISBN-13: 978-3518421147
  • Größe und/oder Gewicht: 20,2 x 12,8 x 2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.2 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 498.042 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)
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Robert Menasse
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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

»Diese dem Umfang nach kleinen Erzählungen des Robert Menasse ergeben ein großes Buch, was vor allem daran liegt, dass sie ausgesprochen sorgfältig komponiert sind, aber wirken, als seien sie einfach frisch von der Leber weg erzählt. ... Wohl kann »Ich« jeder sagen, aber keiner vermag es so vielschichtig wie Menasse.« 

(Rüdiger Görner Die Presse )

»Der österreichische Schriftsteller Robert Menasse, Ex-Boxer, Hegelianer und Antihegelianer, hat das Buch für dieses Erinnerungsjahr geschrieben. Es heißt »Ich kann jeder sagen«, und im Untertitel »Erzählungen vom Ende der Nachkriegsordnung«, und es pendelt genau zwischen diesen beiden Gewichtsklassen, zwischen dem lockeren »kann jeder« und dem schwergewichtigen »Nachkrieg, Ende, Ordnung« hin und her. Die Geschichte bricht ein in das Leben jedes Helden in den dreizehn Erzählungen des Bandes. ... Menasse verbindet ... Lebenspoesie und Geschichtswirklichkeit traumwandlerisch sicher und unaufdringlich miteinander.«

(Volker Weidermann Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung )

»Erzählungen, in denen die berühmten zwei Seiten der Medaille umspielt werden. Über den unvorhersehbaren Moment, der über Sieg und Niederlage entscheidet, über den Punkt, der alles verändert, egal in welche Richtung. ... Originelle Kurzprosa eines großen Wiener Autors, der unprätentiös seine in der Tradition stehende Erzählerrolle lebt und mit diesem Band Appetit auf einen neuen Roman aus seiner Feder (hofft man) geweckt hat.«

(Roland Freisitzer sandammeer.at )

»Jeder kann solche Geschichten [des Mauerfalls] erzählen, denn jeder weiß, was er getan hat an diesem Abend vor nunmehr 20 Jahren. Aber nicht jeder kann die Situationen, in denen Geschichte sich im eigenen Leben einen Erinnerungsort sucht, so ausweglos als zerronnene Hoffnungen und erodiertes Leben erzählen, wie Robert Menasse dies zustande bringt.«

(Thorsten Jantschek radio bremen, Literaturzeit )

»Wenige können so unterhaltsam philosophische Geschichten schreiben wie Robert Menasse.«

(Christoph Schröder Zeit online )

»Österreich hat jetzt ein neues Antikorruptionsgesetz. Statt mit so Langweiligem wie Geld sollte es sich mit so Kurzweiligem wie Menasses Erzählungen bestechen lassen. Nur gescheiter kann es davon werden.«

(Andreas Dorschel Süddeutsche Zeitung )

»Ein durchgehendes Motiv aller Erzählungen ist die Frage nach der autobiografischen Wahrheit. Für Menasse ist die Antwort klar: Die Lüge (oder sagen wir: die Übertreibung) ist meist die bessere Wahrheit. So ist dem Autor, wenn er von sich, seinem Büro in einem ehemaligen Bordell, der amerikanischen Brille seiner Mutter (auf dem Cover des Buches zu sehen) oder davon erzählt, dass der Palmers-Entführer Rainhard Pitsch ihm seine Tat am Vorabend angekündigt hat, nicht über den Weg zu trauen. Genau das aber macht diese Erzählungen so unterhaltsam, ich wette: manche von ihnen sind wirklich am Wirtshaustisch erprobt.«

(Klaus Kastberger Die Furche, Wien )

»Der Österreicher Robert Menasse entwickelt seine dreizehn Geschichten, die den erratischen Untertitel «Erzählungen vom Ende der Nachkriegsordnung» haben, an der Schnittstelle von historischem Ereignis und persönlicher Erinnerung; und er fragt, welche Legenden eine Generation so sehr prägen, dass die Individuen sie ihren privaten Lebensgeschichten einzuschreiben pflegen. Wer heute um die sechzig ist, glaubt ja längst, ein sogenannter 68er zu sein, wie wenig er mit dem, was damals geschah, auch aus eigenem Antrieb zu tun haben mochte.«

(Karl-Markus Gauss Neue Zürcher Zeitung )

»Wir lesen, wir freuen uns, wir lassen uns packen. Erstklassige Lektüre!«

(Stuttgarter Nachrichten )

»Der Österreicher erzählt souverän, hintergründig und zum großen Vergnügen.«

(Leipziger Volkszeitung )

»Robert Menasse dreht am Rad der Geschichte(n), er tut dies ironisch, nostalgisch und mit gewohnter Skepsis. Ein subtiles Buch im Jahr der Bedenk- und Gedenkinflation.«

(Kleine Zeitung )

»Das Geheimnis dieser Art von Literatur: Sie erzählt nebenbei Philosophisches, und das Philosophische be- und erleuchtet das Erzählen, das unaufdringlich zum Aphorismus, zur Sentenz führt.«

(Ulrich Weinzierl Die Welt )

»Eine Seltenheit: Dass jemand so gut zu erzählen vermag wie er essayistisch schreibt. Der Österreicher Robert Menasse gehört zu diesen Doppelbegabungen: als Romancier und Literat von Graden. Der Erzähler Robert Menasse ... hat die Gabe, mit knappen Hinweisen und Signalbegriffen jeweils eine bestimmte Epoche, ein – meist intellektuelles – Milieu heraufzubeschwören. Man spürt, man schmeckt beim Lesen geradezu die Zeit, fühlt sich heute in ein Gestern, ein Vorgestern zurückversetzt. ... Sorgfältige Komposition steigert den Lektüregenuss: Es handelt sich eben um ein Ganzes, um keine Sammelhalde übrig gebliebener Texte. Das Thema der Erinnerung spukt durch sämtliche Seiten, die im kühlen Licht der Ironie und des dialektischen Denkens schimmern: Wir entdecken uns allmählich als die Veteranen unserer selbst. Das Geheimnis dieser Art von Literatur: Sie erzählt nebenbei Philosophisches, und das Philosophische be- und erleuchtet das Erzählen.«

(Ulrich Weinzierl Die Welt )

»Ironisch, melancholisch, sarkastisch und intelligent ... Prädikat: einfach lesenswert.«

(Die Bühne, Wien )

»Wie es keinen planvollen Gang der Geschichte gibt, so erzählt Menasse auch nicht stramm chronologisch, sondern in assoziierenden, scheinbar stets abschweifenden Bewegungen. ... Es ist eine Art Dekamerone der Neuzeit, das hintersinnig-abgründig zeigt, dass Schicksalswenden und Lebensbrüche nicht unbedingt ein Scheitern bedeuten müssen.«

(Edelgard Abenstein Deutschlandradio Kultur )

»Zeitgeschichte und Geschichten aus der Zeit erscheinen bei Robert Menasse in ebenso bedrückender wie beeindruckender Prosa, in ebenso genüsslich lesbarer wie kunstvoller Literatur, die zudem eine Dialektik der Erzählung nicht nur reflektiert, sondern auch vorführt.«

(Klaus Zeyringer Volltext )

Kurzbeschreibung

Alles kommt wieder. Sogar die Erinnerungen. Wann war sie zu Ende, die Nachkriegsordnung? Als die Mauer fiel? An diesen 9. November 1989 wird sich das junge Paar, das die Hochzeitsnacht vor dem Fernseher verbrachte, ein Leben lang erinnern. Es hat in dieser Nacht deutsche Geschichte erlebt. Zufällig. Denn eigentlich wollten sie nur so schnell wie möglich heiraten. Und der nächste freie Termin beim Standesamt war der 9. November. Der 9. November war für den Vater des Bräutigams bis dahin mit dem Jahrestag der „Reichskristallnacht“ verknüpft. „Pah, Geschichte“, sagt der Nachgeborene. „Ich“ kann jeder sagen. Dreizehn Ich-Erzähler erinnern sich an Erlebnisse und Ereignisse, die prägend wurden für ihr Leben. Erinnerungen an den Tag, als John F. Kennedy erschossen wurde, die RAF in Wien den Industriellen Palmers entführte, Griechenland Fußball-Europameister wurde. Aus Erinnerungen wird Geschichte. Der große Fabulierer Robert Menasse erzählt, was wir erlebt haben, so daß wir uns erinnern, uns erkennen und Spätere uns verstehen. In seinen Geschichten ist die historische Wahrheit – sage „Ich“ - gut aufgehoben.

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Von Heike Geilen HALL OF FAME REZENSENT TOP 50 REZENSENT VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Gebundene Ausgabe
Wer erinnert sich noch an Y2K?
Y2K??? Es handelte sich um den weltweit Panik verbreitenden, so genannten "Millenium-Bug" - ein Computerproblem, das durch die interne Behandlung von Jahreszahlen als zweistellige Angabe entstand und angesichts des Jahreswechsels 1999/2000 einen globalen Ausfall von vielen Computersystemen vermuten ließ, die dann nicht mehr "wissen" konnten, ob sie denn im Jahr 2000 weiterrechnen oder halt ins Nirwana des Jahres 1900 zurückfallen sollten.

Nun hat der österreichische Autor keineswegs ein Buch über kollabierende Computersysteme oder den kollateralen Zusammenbruch unseres mittlerweile weit vernetzten Lebens geschrieben, sondern sein Erzählband vereint 14 Geschichten, die allesamt ein bedeutendes oder aber ein persönliches Erinnerungsmoment implizierten und globale oder individuelle innere Aufruhr verursachten. Menasse schreibt über die Ermordung Kennedys und des chilenischen Präsidenten Salvador Allende. Er berichtet vom völlig unerwarteten Sieg Griechenlands über Portugal bei der Fußballeuropameisterschaft 2004 und der dabei verpassten Chance eines Riesengewinns in der Fußballlotterie. Oder er erinnert an die "Bedeutung" der Zerstörung Dresdens am 13./14. Februar 1945: "Es gab noch nie eine Diktatur, in der die Menschen gefragt wurden, was sie wollen. Die Deutschen wurden gefragt. Das war einmalig. Sie wollten den totalen Krieg. Ohne Dresden hätten sie nie begriffen, was sie sich gewünscht hätten."

Da steht auf der einen Seite die Wiederzusammenführung von Ost- und Westdeutschland, auf der anderen die Trennung aus einer Partnerschaft. Menasse erzählt von der persönlichen "Bedeutung" des 9. November 1977, an dem der österreichische Textilindustrielle Walter Palmer von der "Bewegung 2. Juni" entführt wurde oder dem Abbruch der Berliner Mauer. Genau 10 Jahre später befürchtet man eine andere Zerlegung, eben jene, zu Beginn angeführte: "Mit 'Y2K' hat die westliche Welt die entsprechende Erfahrung digitalisiert und postmodern wiederholt: die hysterische Angst vor dem Zusammenbruch des Systems. (...) Dass im Jahr 1999 Firewalls die Menschen mehr beschäftigten als die längst verschwundene Mauer, ist daher verständlich: Was ist schon der Fall der Mauer gegen den Fall der Börsen?"

Robert Menasse stellt sich in diesem Buch immer wieder die Frage wie bedeutsam ein historisches Datum neben Zukunftsoptionen und Termingeschäften ist? "Was ist die Erinnerung an eine verschwundene Bedrohung im Vergleich, oder zeitgenössisch formuliert: in Konkurrenz mit einer akuten Bedrohung?" Ist der Reichtum eines Autors, den er immer wieder erzählend ausbreitet, eigentlich nichts als eine Lüge? Wie beliebig ist Erlebtes, das Leben überhaupt? Sind Geschichten im Grunde nicht nur "Varianten immer derselben Geschichte"?

Gekonnt verknüpft der Autor dabei Kindheits- und Jugendereignisse mit dem "Schock im weltgeschichtlichen Maßstab". Persönliche Reminiszenzen wie Scheidung, Einsamkeit und Verhöhnt-Werden wechseln mit signifikanten Retrospektiven ab, werden vermischt, verknüpft und neu zusammengestellt. Entstanden ist ein kleiner, aber umso wirkungsvoller Abriss im Zeitlauf der Geschichte. Menasse bringt dem Leser den "Geruch der Zeit" ins Wohnzimmer. Er watet sozusagen durch den persönlichen Lebensmorast und bedient sich verdrängter, vergessener und universaler Begebenheiten. Vielleicht um sein Erwachsenenleben mit seiner Kindheit zu versöhnen, vielleicht auch seine Generation mit der Geschichte. "Wir stapften durch den Schnee von gestern - und waren die Ersten, die darin ihre Eindrücke hinterließen." Aber letztendlich ist das Leben doch nur "ein noch größerer Irrtum als der Tod."
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Winfried Stanzick HALL OF FAME REZENSENT TOP 10 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
Ich seinem neuen Erzählungsband lässt der 1954 geborene österreichische Schriftsteller Robert Menasse vierzehn Ich-Erzähler sich erinnern an Ereignisse aus ihrem Leben. Wie schon in seinen Romanen tut das Menasse, indem er Leben beschreibt als zerronnene Hoffnung, als eine Anhäufung von Selbsttäuschungen einer Generation, für die die Ideale von 1968 die beste aller Nachkriegsordnungen gewesen sind. Er formuliert das so:
"Für Menschen wie mich, oder meine Generation oder meine Epoche, war das doch so, dass wir vollendet am Anfang waren. Wir haben gewusst, die Welt war so, nämlich scheiße. Es gibt eine Rettung, nämlich die durch unsere Befreiung. Wir wissen alles. Dank dem Marxismus. So haben wir begonnen und erst danach hat begonnen, dass wir frustriert wurden. Dass wir schwach wurden, dass wir müde wurden, dass es angefangen hat, dass uns Zipperlein plagen, und dann irgendwann einmal ist man einfach so vertrottelt, dass man nur, weil man so vertrottelt ist, irgendwie seinen Platz in der Gesellschaft findet und funktioniert."

Die Hauptfiguren seiner Erzählungen erinnern sich an irgendein Ereignis der Geschichte und berichten, was sie an diesem Tag erlebt haben. Erlebnisse sind das von wichtiger Prägung für die Individuen, und so verschmilzt Geschichtsschreibung mit persönlichen Glück und Unglück. Meist ist es allerdings ( siehe das Zitat oben) nur ein kurzes, bescheidenes Glück. Immer wieder kommt das Selbstmitleid durch, wenn die Hauptpersonen erkennen, wieder einmal nur ein Zaungast der Weltgeschichte geblieben zu sein.

Die Erzählungen berichten nur von kurzen Siegen, meistens jedoch von Niederlagen und Scheitern. Könnte es ein, dass dies damit zusammenhängt, dass der Autor und auch seine Protagonisten noch immer nicht begriffen haben, dass die Welt anders ist und funktioniert, als man es sich in seiner Jugend erträumt hat ? Könnte es sein, dass ein revolutions- und befreiungsnostalgisches Beharren in der Vergangenheit geradezu verhindert, dass man heute dort beharrlich sich einmischt, wo es angesagt wäre ? Könnte es sein, dass man so seinem eigenen möglichen Glück und einen durchaus erfüllten Leben mitten in einer sicher nicht vollkommenen Welt dauernd im Wege steht ? Könnte es ein, dass man deshalb reifes Erwachsenwerden und das Finden der Mitte mit Vertrotteltsein verwechselt ?
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sittenbild 29. März 2011
Format:Taschenbuch
in einem guten dutzend geschichten berichten unterschiedliche erzähler über historische ereignisse mehr oder weniger weltgeschichtlichen ranges (palmers-entführung, deutscher mauerfall usw.) und ihre ganz persönlichen erlebnisse, die mit diesen ereignissen zusammenhängen. die geschichten stehen einzeln für sich, manche wäre vermutlich stoff für einen ganzen roman, hängen aber unsichtbar verknüpft zusammen als sittenbild des österreichischen anpassungsmenschen.

interessantes büchlein.
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