Unterhaltsame Gegenwartskomödie der 20er Jahre mit offener Kritik am materiellen und gesellschaftlichen Anspruchsdenken der modernen Großstadtfrau. Eine frisch geschiedene und materiell gut ausstaffierte Pariserin verliebt sich in einen Adeligen, wohl auch seines Titels wegen. Er sieht auch besser aus als ihre übrigen Verehrer. Was sie jedoch nicht ahnt: er ist verarmt und arbeitet als Kellner in einem der führenden Restaurants. Als sie schließlich die Wahrheit erfährt, demütigt sie ihn dort in Gegenwart der Gäste auf schäbige und erniedrigende Weise. Regisseur Robert Land schnitt Handlung und Charaktere so zurecht, dass der Zuschauer stets für den Kellner Partei ergreifen muss. Die Fehler im Handeln begeht hier ausschließlich die Frau mit ihren hochgesteckten Erwartungen an den aufrichtigen und nachsichtigen Liebhaber. So dürften 1929 nicht nur die Kinogängerinnen ihr Männerbild vom Traumprinzen revidiert haben. Auch Männer sahen sich in ihrem Frauenbild bestätigt und fanden in dem Kellner dankbar einen Leidensgenossen. Stimmungsvolle und opulente Bilder aus Tanzlokalen, Restaurants und dem nächtlichen Paris begleiten die sich langsam entflammende und glaubhaft gespielte Leidenschaft der beiden Hauptfiguren füreinander. Ulkig dagegen: die zu sehr nach Pappwand aussehenden Kulissen. In zahlreichen Großaufnahmen setzte Robert Land elegant und umwerfend Marlene Dietrich in Szene, die in Mimik, Gestik und ihrem ironisch spöttelnden Blick hier schon genauso ausgereift scheint wie in ihren späteren Welterfolgen. Nach ,,Die Frau nach der man sich sehnt'' der beste Stummfilm mit Marlene Dietrich.