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Versuchspersonen, die in Experimenten zwei Tage und länger künstlich wach gehalten werden, erleben irrationale Ängste, Stimmungsschwankungen und sogar Halluzinationen. Kein Wunder also, dass Schlafentzug schon immer auch als Folter eingesetzt wurde. Besonders gerne deshalb, weil sie keine nachweisbaren körperlichen Spuren hinterlässt und somit zu den Methoden der „Weißen Folter“ zählt. So galt die Tortura Insomniae, die Marter der Schlaflosigkeit, nicht nur im alten Rom als probates Mittel, um Geständnisse zu erzwingen, sie diente im Mittelalter zur Austreibung von Dämonen, im chinesischen Kaiserreich zur Hinrichtung von Schwerverbrechern und im Koreakrieg zur „Gehirnwäsche“. Dies alles lässt erahnen, was es für Betroffene bedeutet, an ihr zu leiden. Schlaflosigkeit zählt neben Kopfschmerzen heute zu den häufigsten psychosomatischen Beschwerden überhaupt.
Während etwa jeder dritte Erwachsene über gelegentliche Ein- oder Durchschlafstörungen klagt, hat jeder zehnte eine chronische Schlafstörung, durch die er sich in seiner Stimmung und Leistungsfähigkeit erheblich beeinträchtigt fühlt. Reichlich Klienten also für einen Mann wie Paul McKenna, der verspricht: Ich helf Dir schlafen. Der in England aus Funk und Fernsehen bekannte „Hypnotherapeut“, der seine Karriere einst als Spaßmacher begann, ehe er umsattelte, will angeblich 20 Jahre gebraucht haben, eine Methode auszutüfteln, deren wohltuende Wirkung er Patienten nun per Fernheilung angedeihen lässt. Was folgt, sind knapp 170 Seiten voller altbekannter Hausmittelchen (Rückwärtszählen, an einen schönen Urlaub denken bis hin zum „Aufstehen und etwas Langweiliges tun“) und guter Ratschläge etwa zur Gestaltung des Schlafplatzes, körperlichen Bewegung, Ernährungs- und Esszeitenumstellung. Das Ganze garniert mit Geschichten über Gehirne von Schlafgestörten, die „falsch programmierten“ Computern glichen, oder Zyklen von Schlafen und Wachen, die es auf ein „höheres Energieniveau“ zu bringen gelte, indem man beispielsweise eine halbe Stunde früher aufsteht, erst ins Bett geht, wenn man wirklich müde ist oder tagsüber auf ein Nickerchen verzichtet.
Dazwischen so drollige Hinweise wie: „Es kann sogar sein, dass Sie allein vom Lesen müde werden (…), weil dieses Buch in einer speziellen hypnotischen Sprache geschrieben ist.“ Oder: „Es gibt nur drei Dinge, die Sie im Bett tun sollten: Schlafen, Liebe machen, dieses Buch lesen oder sich die beiliegende CD anhören.“ Gemeint ist ein mit Warnungen vor seiner schlafübermannenden Wirkung versehener Silberling, in der der (im Selbsttest vergebliche) Versuch unternommen wird, mit Hilfe einer Art von Neurolinguistischen Programmierung Müdigkeit zu erzeugen. Alles in allem immerhin ein Buch ohne Erweckungserlebnis. – Franz Klotz
Über den Autor
Paul McKenna ist einer der renommiertesten Hypnotherapeuten der Welt und hat zahlreichen Topmanagern, Olympiasiegern, Schauspielern und gekrönten Häuptern zu mehr Erfolg und einem besseren Leben verholfen. Durch seine Bücher, Seminare und Fernsehauftritte ist er einem Millionenpublikum bekannt und seine Selbsthilfeprogramme zur Rauchentwöhnung, zur Gewichtsabnahme und zum Aufbau von mehr Selbstvertrauen haben auf Anhieb internationale Bestsellerlisten erobert und sind bereits in Millionenauflage erschienen.