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Ich habe sie geliebt
 
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Ich habe sie geliebt [Taschenbuch]

Anna Gavalda
4.3 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (64 Kundenrezensionen)
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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Früher haben sich Cloé und ihr Mann so vorsichtig wie möglich geliebt. Denn das Bettgestell hatte entsetzlich geknarrt, und morgens am Frühstückstisch wusste jeder Bescheid. Danach legte das Paar die Matratze vom Bett auf den Boden. "Wir hatten unsere Lektion gelernt", heißt es im ebenso schmalen wie gelungenen Roman der französischen Autorin Anna Gavalda: "Und liebten uns so diskret wie möglich."

Etwas zu diskret vielleicht, denn nachdem die zwei Töchter Lucie und Marion geboren wurden, kommt die Liebe der beiden plötzlich abhanden. Eines Tages steht Cloé allein da mit den Kindern, und ausgerechnet der mürrische Schwiegervater Pierre nimmt sich der verlassenen Gruppe an. Gemeinsam fahren die vier in ein Landhaus, und hier offenbart der schweigsame Pierre, unter dessen Tyrannei sein Sohn Zeit seines Lebens litt und der der Icherzählerin Cloé immer wie ein einsiedlerischer "Marsmensch" erschienen war, der jungen Frau die Geschichte seiner großen Liebe, die mit Schuld, Versagen und verpasstem Glück zu tun hat: "Mein Leben ist wie eine geschlossene Faust", gesteht ihr Pierre. Und in ihrem Beisein gelingt es ihm, diese Faust -- wenn auch nur für einen kleinen Augenblick, erzählend -- zu öffnen.

Leise und fast in der Form knapper Prosagedichte entfaltet Gavalda ihre unspektakuläre Geschichte -- wie ein kleines Kammerspiel, in dem die Liebe immer wieder auch als eine existenzielle Krankheit erscheint. Ich habe sie geliebt ist ein präzises, lakonisches, überzeugendes und anrührendes schmales Bändchen geworden, dem man möglichst viele Leser wünscht. ---Stefan Kellerer -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .

Audiobook-Rezensionen

Verlassen oder Verlassenwerden ist ein alltägliches Thema. Der intensive Dialog von zwei Betroffenen – eine Frau und ein Mann aus unterschiedlichen Generationen – zeigt, dass Liebe kein Geschenk ist. Ohne Larmoyanz, mit echtem Humor, wird hier von den Wendepunkten im Leben erzählt. Zärtlich und im richtigen Ton.

Adrien hat Chloé und die beiden Töchter verlassen. Pierre, der nicht sehr geliebte Schwiegervater – Chloé siezt ihn noch immer – schafft es, die Schwiegertochter mit den Kindern auf sein Landhaus zu bringen. Aufgelöst in Enttäuschung, Wut, Verzweiflung und Angst, wie es weitergehen soll, richten sich Chloés Gefühle zuerst gegen den verhassten Kotzbrocken Pierre. Er dominierte seinen Sohn, er kennt keine Gefühle und ist immer beherrscht. Doch dann hört sie etwas, was sie aus ihrem Schmerz hervorholt. Etwas so Unglaubliches, dass sie die Geschichte unbedingt zu Ende hören will: Pierre hatte mit Anfang 40 die Liebe seines Lebens kennen gelernt, es damals aber nicht gewagt, Suzanne, seine Frau, zu verlassen. Pierre, der Rationalist, hatte die für seine Begriffe wahnsinnigsten Dinge getan. Dinge, die man jedem anderen, aber nicht ihm zutrauen kann. Allerdings ist er den Weg seiner Liebe nicht zu Ende gegangen, ist bei seinem pubertierenden Sohn und seiner Frau geblieben. Nobel, aber teuer: Pierre hat das Glück, das da war, vorbeiziehen lassen, weil ihm der Mut fehlte. Und weil das Abfinden so bequem ist. Hier schließt sich die Frage an: Ist es besser dem anderen weh zu tun oder sich selbst? Dem anderen natürlich, aber dazu braucht man etwas mehr Mut.  

Seit ihrem Überraschungserfolg „Ich wünsche mir, dass irgendwo jemand auf mich wartet“ von 1999 gilt Anna Gavalda als vielversprechende Autorin. Die ausgebildete Lehrerin und Mutter von zwei Kindern leistet sich trotzdem die Unabhängigkeit und zieht es vor, einzig in dem kleinen, aber feinen Verlag „Le Dilettante“ zu veröffentlichen.

Das minimalistisch inszenierte Hörspiel lebt von dem verdichteten und intensiven Aufeinanderprallen der beiden Protagonisten Chloé und Pierre. Die traurig-intime Atmosphäre wird durch das Akkordeon noch verstärkt. Dabei treffen die messerscharfen Dialoge mit einfachen Worten und ohne Schnörkel ins Schwarze. Aber Chloé und Pierre tragen das Ganze trotz aller Härte mit einem gewissen Humor. Jele Brückner vermittelt die Stimmungslage Chloés sehr glaubwürdig, vor allem in ihren Inneren Monologen. Ihr Gegenspieler, der Schwiegervater Pierre, überrascht mit seinen Bekenntnissen. Friedhelm Ptok meistert die Gratwanderung seiner Rolle perfekt. Nie gleitet er in Sentimentalität oder Koketterie ab. Schlicht, aber beeindruckend ist sein Plädoyer für den täglichen Kampf um die Liebe. Eine Produktion des WDR. Hörspiel, Spieldauer: ca. 65 Minuten, 1 MC. Mit Booklet. Auch als CD erhältlich. -- culture.text -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Kurzbeschreibung

Pierre und Chloé haben nichts gemeinsam. Chloé ist Anfang dreißig, hat zwei kleine Töchter und wurde gerade von ihrem Mann verlassen. Pierre ist Mitte sechzig, ihr Schwiegervater und ein unsensibler, arroganter Bourgeois. So dachte sie zumindest - bis er sie und die Kinder ins Ferienhaus der Familie mitnimmt.

Über den Autor

Anna Gavalda, 1970 geboren, ist auf dem Land aufgewachsen, hat in Paris Literatur studiert und wurde mit ihrem ersten Erzählband auf einen Schlag berühmt. Sie lebt mit ihren zwei Kindern bei Paris.

Auszug aus Ich habe sie geliebt. von Anna Gavalda. Copyright © 2003. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

"Als ich dich das erste Mal gesehen habe, warst du ganz blau. Ich weiß noch, wie beeindruckt ich war. Ich sehe dich vor mir in diesem Türrahmen hier. Adrien stützte dich, und du hast mir eine Hand hingestreckt, die vor Kälte gekrümmt war. Du konntest mich nicht begrüßen, du brachtest kein Wort heraus, ich habe dir als Willkommensgruß den Arm gedrückt, und ich sehe noch heute die weißen Flecken, die meine Finger auf deinem Handgelenk hinterlassen haben. Zu Suzanne, die schon ganz aufgelöst war, hatte Adrien lachend gesagt: ›Ich habe euch eine Schlümpfin mitgebracht!‹ Dann hat er dich nach oben getragen und in ein heißes Bad versenkt. Wie lange du darin geblieben bist? Ich weiß es nicht mehr, ich weiß nur noch, daß Adrien ständig zu seiner Mutter sagte: ›Ganz ruhig, Mama, ganz ruhig! Sobald sie gar ist, können wir essen.‹ Schließlich hatten wir Hunger, ich jedenfalls. Und du kennst mich ja, du weißt ja, wie so ein alter Kotzbrocken ist, wenn er Hunger hat ... Ich wollte gerade den Befehl geben, ohne euch zu Tisch zu gehen, als du herunter kamst, mit nassen Haaren und schüchternem Lächeln in einem alten Bademantel von Suzanne.

Dieses Mal waren deine Wangen rot, rot, rot.

Beim Essen habt ihr uns dann erzählt, daß ihr euch in der Kinoschlange für Ein Sonntag auf dem Lande getroffen habt und nicht mehr reingekommen seid und daß dir Adrien, der Aufschneider - das liegt in der Familie -, genau das vorgeschlagen hat, einen Sonntag auf dem Lande, dort vor seinem Motorrad. ›Das ist ein einmaliges Angebot‹, hatte er gesagt und du hattest eingewilligt, was deinen fortgeschrittenen Zustand der Erfrierung erklärte, da du in T-Shirt und Regenjacke aus Paris weggefahren warst. Adrien verschlang dich mit den Augen, was nicht ganz einfach für ihn gewesen sein muß, denn du hieltest die ganze Zeit über den Kopf gesenkt. Ein Grübchen war zu sehen, wenn er von dir sprach, wir stellten uns daher vor, daß du uns anlächelst. Ich erinnere mich auch noch, daß du ausgefallene Turnschuhe anhattest ..."

"Gelbe Converse, stimmt!"

"Natürlich stimmt's. Darum - du kannst gerne über die Turnschuhe schimpfen, die ich Lucie gekauft habe. Ach ja, das muß ich ihr noch erzählen. Hör nicht auf sie, mein Schatz, als ich deine Mutter kennengelernt habe, trug sie gelbe Turnschuhe mit roten Schnürsenkeln."

"Du erinnerst dich noch an die Schnürsenkel?"

"Ich erinnere mich an alles, Chloé, an alles, hörst du? Die roten Schnürsenkel, das Buch, das du am nächsten Tag unterm Kirschbaum gelesen hast, während Adrien an seiner Maschine herumschraubte."

"Wie hieß es?"

"Garp und wie er die Welt sah, stimmt's?"

"Genau."

"Ich weiß noch, daß du Suzanne angeboten hast, die Treppe zu dem alten Keller vom Gestrüpp zu befreien. Ich erinnere mich noch an die begeisterten Blicke, die sie dir zuwarf, als sie sah, wie du dich mit den Brombeersträuchern abgerackert hast. Darin stand in blinkender Leuchtschrift ›Schwiegertochter? Schwiegertochter?‹ zu lesen. Ich bin mit euch zum Markt von Saint-Amand gefahren, du hast einen Ziegenkäse gekauft, und wir haben vor Ort einen Martini getrunken. Du hast einen Artikel gelesen, ich glaube über Andy Warhol, während wir uns am Flipper ausgetobt haben, Adrien und ich."

"Nicht zu fassen, wie kommt es, daß du dich an das alles erinnerst?"

"Ähh - ich will mich damit nicht brüsten - es war eins der wenigen Male, daß wir etwas gemeinsam hatten."

"Du meinst, du und Adrien?"

"Ja."

"Ja."

Ich stand auf, um den Käse zu holen.

"Nein, nein, keine neuen Teller, das ist nicht nötig."

"Doch doch, ich weiß, daß du es haßt, den Käse vom gleichen Teller zu essen."

"Daß ich es hasse? Ach ja - so ist es - noch so ein Spleen von diesem alten Kotzbrocken, nicht wahr?"

"Äh, ich glaube schon."

Mit einer Grimasse hielt er mir den Teller hin.

"Biest."

Grübchen. -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .

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