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Ich habe den englischen König bedient: Roman (suhrkamp taschenbuch)
 
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Ich habe den englischen König bedient: Roman (suhrkamp taschenbuch) [Taschenbuch]

Bohumil Hrabal , Karl-Heinz Jähn
4.1 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (9 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 300 Seiten
  • Verlag: Suhrkamp Verlag; Auflage: 12 (26. Juni 1990)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3518382543
  • ISBN-13: 978-3518382547
  • Originaltitel: Obsluhoval jsem anglického krále
  • Größe und/oder Gewicht: 17,7 x 10,9 x 2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.1 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (9 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 21.271 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Buch der 1000 Bücher

Copyright: Aus Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag)

Ich habe den englischen König bedient
OT Obsluhoval jsem anglického králeOA 1971 DE 1988 Form Roman Epoche Moderne
Bohumil Hrabals Schelmenroman um das Leben eines tschechischen Kellners zählt zu den großen europäischen Romanen unserer Zeit.
Entstehung: 1971 fertig gestellt, konnte das Buch in der Tschechoslowakei zunächst nur als Samisdat-Druck kursieren und wurde 1978 von einem Kölner Exilverlag herausgegeben. In den 1980er Jahren erschien es als Beilage einer Jazz-Zeitschrift. Erst nach der politischen Wende von 1989 konnte eine unzensierte Ausgabe auf normalem Weg publiziert werden.
Inhalt: In einer böhmischen Kleinstadt der 1930er Jahre lernt der Ich-Erzähler DitŠe das Servieren als Hilfskellner im Hotel »Goldenes Prag«. Er begreift schnell, dass sich im Leben alles ums Geld dreht. Durch kleine Betrügereien ergaunert er sich ein Einkommen, das er mit Vorliebe in Bordells trägt. Auf seinem Weg nach oben, der ihn durch immer größere Hotels führt, begegnet er dem Oberkellner Skrivanek, einer Instanz der Kellnerzunft und einem unfehlbaren Vorbild schon allein deswegen, weil er einmal den englischen König bedient hat. DitŠe begreift die Mechanismen des Groß- und Reichwerdens und die Regeln der Zeit. Als die Deutschen 1938 das Land besetzen, wird er zum Kollaborateur, heiratet eine sudentendeutsche Turnlehrerin und plappert völkische Parolen nach. Ihr deutsch-tschechisches Kind gerät zur Missgeburt und DitŠes Frau verliert im Bombenhagel den Kopf, doch der Kellner wird durch eine glückliche Fügung vermögend und baut sich nach dem Krieg ein wunderbares Hotel.
Als er endlich erreicht hat, wonach er sein Leben lang strebte, verlässt ihn das Glück. Er wird als Emporkömmling verachtet, ehemalige Chefs und Hotelier-Kollegen versagen ihm die Anerkennung. Durch den Putsch der Kommunisten von 1948 verliert er seinen Besitz, ist gezwungen, in einem Haftlager zu kellnern und erkennt, dass sein Streben nach Reichtum ins Nichts geführt hat. Schließlich verschlägt es ihn als Zwangsarbeiter in den Westen des Landes, aus dem die Deutschen nach dem Krieg vertrieben worden sind. Als Straßenwärter an einer gottverlassenen Bergstraße lebt er das Dasein eines Eremiten und beginnt zu schreiben, um sich Klarheit über sich selbst und sein Leben zu verschaffen.
Struktur: Hrabals Roman über die Irrungen und Wirrungen in Mitteleuropa zwischen 1930 und 1950 gliedert sich in fünf große Kapitel, die die wesentlichen Etappen im Leben des Kellners schildern. In umgangssprachlichem Erzählton wird eine Fülle von Episoden und Anekdoten aneinander gereiht, in denen sich Wirklichkeit und Fantasie überlagern. Der Duktus des mündlichen Erzählens bestimmt Sprache und Form des Romans. Atemlos, in langen nebengeordneten Satzreihen treibt der Autor seinen Helden durch ein Leben von absurder Dramaturgie, in dem Glück und Unglück so nah beieinander liegen wie im Text derber Klamauk und sensible Poesie, Lächerliches und Erhabenes, amüsante Komödie und ergreifende Tragödie. Dabei geht es Hrabal nicht nur um das Erzählte; das Erzählen selbst wird zum wichtigen Teil menschlicher Existenz und zum Ausdruck nicht zu unterdrückender Lebensfreude.
Wirkung: Mit dem Roman Ich habe den englischen König bedient gelang Hrabal auch international der literarische Durchbruch.

Pressestimmen

"Einer der ganz großen Romane unserer Zeit. Ein Buch, das von der ersten bis zur letzten Seite Vergnügen bereitet." (Brigitte)

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Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen
15 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ossiwan
Format:Taschenbuch
Wie Siddharta, der brave Soldat Schwejk oder ein eichendorffscher Taugenichts beschreibt der namenlose Ich - Erzähler sein Leben.

Dieses beginnt als Pikkolo in dem Hotel „Zum goldenen Prag", wo der junge, doch im Verlaufe des Romans alterslos bleibende Erzähler von den durchreisenden Händlern lernt, dass man für Geld alles haben kann und danach trachten sollte soviel wie möglich davon zu besitzen. Diesen Vorsatz im Herzen unternimmt er von nun an alles, um wie ein Gentleman zu leben und Reichtümer anzuhäufen. Dabei wird er in oft seltsame und surreale Situationen versetzt, wenn er in seiner beruflichen Laufbahn bis zum Oberkellner aufsteigt, die dem Leser oft staunen, lachen oder traurig werden lassen.

Erst mit Mitte des Buches erfährt man mehr über den Erzähler selbst, sein Aussehen, seine Ansichten. Zuvor beschreibt er nur was um ihn geschieht, getreu seinem Kellnergrundsatz „Du sollst nichts sehen und alles gesehen haben". Auch die Zeit, in welcher dieses Leben abläuft wird ab der Mitte konkreter, mit der Besetzung Böhmens durch die Nazis, der Vertreibung der Sudetendeutschen und dem letztlich erfolgten sowjetischen Regime.

Hrabal erzählt in einer einfachen Sprache starke Bilder, lässt seinen Helden dabei zwar gutgläubig, aber immer berechnend durchs Leben gehen. Egal ob er wie Dagobert Duck sich an den Geldscheinen erfreut und in ihnen badet oder wie ein Teil der Bremer Stadtmusikanten sch am Ende in die Einöde zurückzieht, er bleibt ein Schelm, dem man nichts übel nehmen kann. Mit der etwas gerissenen Naivität, mit welcher sich der Protagonist durch die Handlung schlängelt, bleibt man stets im Ungewissen, ob man nicht einen Bären aufgebunden bekommt.

Das macht dieses Buch zu einer vergnüglichen Lektüre, die einem aber nachhaltig zum Nachdenken bringt, wenn sie nach der letzten Seite und ein paar überschlafenen Nächten endgültig eingesickert ist.

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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Taschenbuch
Ein wunderbarer, surrealistisch angehauchter Erziehungs- und Schelmenroman, eine politische Satire mit zahlreichen Elementen eines Märchens, vor dem Hintergrund monumentaler geschichtlicher Ereignisse (Besetzung der Tschechoslowakei durch die Nazis, Nachkriegszeit, kommunistische Herrschaft).
Der Erzählstil fordert geradezu zum Vorlesen auf ("Passen Sie auf, was ich Ihnen jetzt erzählen werde" - so oder ähnlich beginnt jedes der Kapitel). Der Held ist ein kleinwüchsiger aus ärmsten Verhältnissen stammender Pikkolo, der früh lernt, dass Anerkennung im Leben nur mit Geld zu erkaufen ist. Um seine Ambition, zum Hotelbesitzer und Millionär aufzusteigen, zu verwirklichen, sind ihm alle Mittel recht. Als Würstchenverkäufer am Bahnhof prellt er seine Kunden um ihr Rückgeld, indem er so lange nach Scheinen in seiner Jacke sucht, bis der Zug abfährt; um eine reiche Frau zu heiraten, nimmt er die entwürdigende Untersuchung seines Ariertums durch einen deutschen Arzt auf sich ... Seine Frau fällt einem Fliegerangriff zum Opfer, der gemeinsame Sohn wird in ein Heim für schwachsinnige Kinder gesteckt, aus der kostbaren (Juden vor dem Transport abgenommenen) Briefmarkensammlung, die er im Koffer seiner toten Frau findet, kauft er sich schließlich sein Hotel. Als arrivierter Millionär besteht er darauf, von den Kommunisten zusammen mit den anderen Millionären interniert zu werden, wird von den lang etablierten Reichen jedoch als Kriegsgewinnler mit Verachtung gestraft. Schließlich begreift er, dass er sein Leben lang einem falschen Ziel hinterhergejagt ist.
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10 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
großer Schelmenroman 17. April 2006
Von helmut seeger TOP 1000 REZENSENT
Format:Taschenbuch
Hrabal hat - neben Haseks Schwejk - einen zweiten großen tschechischen Schelmenroman des 20. Jahrhunderts abgeliefert und sich mit diesem Werk auch in die Reihe großer europäischer Erzähler dieses Jahrhunderts integriert.
Die Geschichte des "Piccolo", beginnend als Hilfskeller in einem kleinen Hotel, lässt zunächst das goldene Prag der 20er vor der Hitlerinvasion in unvergleichlichen Bildern aufleben. Unvergessliche Personen, Poesie bis zu erstaunlich drastischen Sexszenen bilden das humoristische Zentrum des Romans - vielleicht der stärksten der 4 Kapitel des Buches.
Schon ab dem zweiten Kapitel gleitet die Geschichte zunächst unmerklich ins melancholische hinüber. Der Erzähler wechselt das Hotel und erhält noch Gelegenheit, den Kaiser Haile Selassie (eines blutrünstigen Tyrannen übrigens) persönlich zu bedienen, während sein von ihm bewunderter und titelgebender Kollege nur den englischen König bedient hat.
Die Invasion der Deutschen macht den Erzähler zum SS-Versuchsobjekt, der - von der SS argwöhnisch beäugt - mit einer stramm deutschen Turnlehrerin einen "arischen" debilen Sohn zeugt, dessen (und das vielleicht die schönste Pointe des Buches) einzige Fähigkeit als darin besteht, mit einem Hammer Nägel in den Boden zu schlagen.
Nach dem Krieg bringt der ehemalige Piccolo dank von seiner Frau aus jüdischem Vermögen "konfiszierten" wertvollen Briefmarken es doch noch zum eigenen Hotel und zum Millionär, verliert später aber alles an die Kommunisten und zieht sich im letzten Kapitel, welches den Leser in eine grenzenlose Melancholie entlässt, in die Einsamkeit zurück.
Große humoristische Werke erkennt man immer daran, dass sie zwischen Komödie und Tragödie pendeln. Hrabal zeigt dies hier exemplarisch auf. Auch den humoristischsten Episoden ist immer ein Hauch Melancholie begegeben und die tragischsten Momente sind humoristisch durchwirkt.
Insbesondere der erste Teil hat dabei eine Schönheit und Faszination, wie man sie wohl zuletzt als Kind beim Vorlesen klassischer Märchen oder Sagen verspürte.
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