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Ich habe einen Traum: Neue Interventionen
 
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Ich habe einen Traum: Neue Interventionen [Gebundene Ausgabe]

Michel Houellebecq , Hella Faust
2.4 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (5 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 110 Seiten
  • Verlag: Dumont Buchverlag; Auflage: 1 (1. Oktober 2010)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3832195920
  • ISBN-13: 978-3832195922
  • Originaltitel: Interventions 2. Traces
  • Größe und/oder Gewicht: 21,2 x 13,8 x 1,6 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 2.4 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (5 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 105.065 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Pressestimmen

Mit flotten, mitunter derben Strichen wirft Houellebecq ein Panorama der Kunst- und Medienszene des frühen 21. Jahrhunderts hin. BUCHKULTUR

Kurzbeschreibung

Als im Jahr 2000 Die Welt als Supermarkt erschien, stellte der Tages-Anzeiger fest: "Den wahren Houellebecq trifft man in seinem Essayband. Der vermeintliche Nihilist und Zyniker analysiert darin die halbe Gegenwart." Nun folgt endlich ein neuer Band mit Aufsätzen und Interviews. Vielen seiner Bewunderer gelten die Essays als sein eigentliches Hauptwerk: Houellebecq pur, die Essenz seines Schaffens. Hier offenbart er erneut die Qualitäten eines großen Erzählers, der Subjektivität und Allgemeingültigkeit auf fesselnde Weise vermengt. Uns tritt ein Autor entgegen, der auf der Höhe seiner Fähigkeiten das tut, was er wie wenige beherrscht: Er formt Expeditionen ins Herz der Gesellschaft zu messerscharfen Analysen des Zeitgeists, die mal lakonisch, mal mit unerwarteter Wärme, aber immer aufrichtig und unbestechlich geschrieben sind. Die skurrile Tragikomödie, die wir alle miteinander auf der Bühne des absurden Menschheitstheaters aufführen, hat einen schonungslosen Rezensenten gefunden. Denn was Michel Houellebecq hier betreibt, ist keine Sozial- oder Kulturkritik es ist nicht weniger als Weltkritik.

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Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen
14 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Was für ein Traum? 19. Oktober 2010
Von M. Zuore
Wer Denken als ernste und moralische Angelegenheit auffasst, der wird Houellebecq verständnislos, sogar verärgert zur Seite legen; wer ihm hingegen völlig zustimmt, ist entweder hochgradig depressiv oder/und von demselben Hass auf die eigene Zeit beseelt wie der Autor des vorliegenden Essaybandes. Die einzig vernünftige Haltung, die man als Leser Houellebecq gegenüber überhaupt noch einnehmen kann, ist die des ironischen Widerstands; nur so können wir uns zum Komplizen seines heimlichen Kicherns machen.
Immer wieder findet Houellebecq Personen des literarischen wie außerliterarischen Lebens, mit und durch die er sich gegen den konformistischen Zeitgeist stellen kann: Dieses Mal ist es die radikale Feministin Valerie Solanas, die "Neuen Reaktionäre" (Alain Finkielkraut, Pierre-André Taguieff, Maurice Dantec u.a.), ein Gedicht von Lamartine und - zum wiederholten Mal - der in Vergessenheit geratene Philosoph Auguste Comte, um nur einige Beispiele zu nennen. Die Beiträge in dem Essayband sind äußerst unterschiedlich und stammen aus einer Zeitspanne von 1997 bis 2008. Sie reichen von kurzen Stellungnahmen zur Pädophilie, Vor- oder Nachworten zu Monographien (Valerie Solanas, Auguste Comte), Einträgen im "Dictionnaire du rock" (Neil Young), Interviews über die Veröffentlichung von "Plattform" und die aktuelle Lage der jüngeren französischen Literatur bis hin zu Publikationen aus dem Internet, die hier erstmalig übersetzt wurden. Auch sind drei kurze Texte in den Band hineingerutscht, die man unter gewöhnlichen Umständen aufgrund ihrer Irrelevanz (wie im Falle von "Auf dem Wege zur Teilrehabilitierung des Banausen...") sowie ihres Arbeits- oder Fragmentcharakters ("Himmel, Erde, Sonne" und "Technischer Trost") wohl besser noch auf der Festplatte des Autor hätte ruhen lassen. Als deutscher Leser bekommt man jedoch nachträglich eine vage Ahnung von der eigentümlichen Stimmung, die das literarische Frankreich mit der Entdeckung einer neuen Generation von Autoren um das Jahr 1994 (zu denen auch Houellebecq zählt) ergriffen hat. Man spürt den Größenwahn, in den Houellebecq dann (nach der Veröffentlichung von "Plattform" als er als Prophet gefeiert wurde) allem Anschein nach verfallen ist, wenn er in einem etwas peinlichen Zeitungsartikel im Le Figaro stolz seine Zugehörigkeit zu dem Club der neuen Reaktionären ("nouveaux réactionaires") verkündet. Unter dem Deckmantel eines Freidenkertums à la Nietzsche scheint sich in Frankreich wie auch in Deutschland schon seit längerer Zeit eine neue Bürgerlichkeit zu formieren, deren rechtskonservatives Gedankengut jüngst auch bei uns rund um Sarrazins Thesen einer drohenden Selbstabschaffung Deutschlands offen zutage getreten ist. - Was wären solche Leute nur ohne die "linken Tabumächte" (Norbert Bolz)? Verursachte vor einem Jahrhundert noch jede ein wenig lärmmachende Negation einen Skandal, wie das "Unsichtbare Komitee" feststellt, so liegt er heute in jeder Affirmation, die nicht zittert. Doch sehen sich dabei Provokation und Affirmation zum Verwechseln ähnlich, mit anderen Worten: Der Reiz der Reaktion verfliegt rasch. Houellebecqs Seitenhiebe gegen das politisch Korrekte oder, mit seinen Worten, das "Einheitsdenken" der Linken stellen nur einen schwachen Abglanz jener maßlosen Übertreibungen eines Joseph de Maistre dar. Zwar schmunzelt man über die wahnwitzige Geste, mit einem Satz Theoretiker wie Sartre, Beauvoir, Bourdieu oder Baudrillard abzuservieren. Doch weiß man sofort, dass solche Gesten weniger mit Wahrheit als mit Rhetorik zu tun haben, mit der Lust am Formulieren und vor allem mit vielen Vorurteilen, die der Autor nie überprüft hat. Nach dem Abgang der klassischen Intellektuellen, bleibt den heutigen französischen Medienstars eben nur noch das Jonglieren mit leeren Worthülsen. So fragt man sich denn auch, was die Titelgebung des Bandes wohl motiviert haben mochte: Was für ein Traum? Etwa die genetische Verankerung einer "Universalherrschaft der Liebe", wie es in dem Vorwort zu Valerie Solanas heißt? Aber das kennen wir ja schon aus "Elementarteilchen".

In dem schmalen Essayband finden Houellebecq-Kenner wenig neues; Nicht-Kenner noch weniger, weil der einstige Hype um das "Phänomen Houellebecq" anhand der paar Texte nicht verständlich wird. Gegenüber der "Welt als Supermarkt" bleiben die zweiten Interventionen deutlich zurück. Sie wirken ein wenig lieblos zusammengestellt und können auch inhaltlich nicht überzeugen. Einzig der kurze, herzzerreißende Eintrag über Neil Young bildet eine Ausnahme: Hier legt Houellebecq seine ganze Seele hinein, entsagt allen bloß äußerlich bleibenden Zynismen, um anhand Youngs Musik ein utopisches Moment in der Kunst aufzuzeigen, ein naives Träumen und inniges Sehnen, das uns immer weiter machen und hoffen lässt. Ansonsten hat wohl niemand, der die paar Thesen und Einfälle nicht zur Kenntnis genommen hat, auch nur irgend etwas verpasst. Dem Rest, also den eingefleischten Hulle-Fans, ist sowieso nicht mehr zu helfen. Sie freuen sich einzig darüber, dass sie nicht allein sind: dass Neil Young weiterhin singt und Houellebecq immer noch schreibt. Der neue Roman soll ja sehr witzig sein ...
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5 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
"Ich habe einen Traum - Neue Interventionen" stellt zweifelsohne eine interessante Zusammenstellung Houellebecqscher Texte und Aussagen dar. Wer mehr über den wissenschaftlichen und philosophischen Hintergrund des Autors wissen will, wird sicher viel Interessantes finden. Da der Autor selbst Theorie und Wissenschaft als Basis seiner Romane und Geschichten nutzt, hat er natürlich auch viel in Form von Sachtexten zu sagen.

Dabei kommt ein oft verstörendes, aber doch originelles Weltbild an den Tag. Houellebecq ist Positivist, sozialkritisch und dennoch konservativ. Sein Bild der Zukunft ist sowohl utopisch als auch pessimistisch. Es verwundert vor diesem Hintergrund nicht, dass er in den letzten Jahren seinen Weg zu einer Science-Fiction-Literatur gefunden hat, in der die Menschheit schließlich ihr Heil unter anderem im Klonen findet und damit ein Maß an Zufriedenheit erreicht, welches sie weder übertreffen kann noch es versuchen sollte. Einer Realität, der er ein Zuviel an Begierden unterstellt, stellt er eine Utopie mit einem Minimum an Begierden entgegen.

Dies ist sicher eine Kontinuität in seinem Werk. Eine weitere ist sein sehr dogmatischer und auch platter Positivismus. Houellebecq glaubt an die empirischen Wissenschaften, stellt ihren Selbstanspruch eine objektive Wahrheit zu produzieren nicht in Frage. Jeglicher Kritik linksgerichteter Intellektueller und Sozialwissenschaftler am Positivismus stellt er als dumm und unberechtigt dar. Hier werden dem Leser erste Breschen ins Lesevergnügen geschlagen. Der Autor begründet insbesondere dann nicht oder wenig, wenn er mit ihm unliebsamen Weltbildern abrechnet, dafür behauptet er um so mehr und bewertet mit harten Worten. Diese Arroganz hat Houellebeqc stets genutzt. Sie steigerte die Polarisierung um seine Person und damit sicher auch seine Verkaufszahlen. Aber ein Leser mit etwas Abstand fragt sich doch, welchen Nutzen hat es, sich mit ihm auseinander zu setzen, wenn er selbst zu häufig reine Polemik mit Argumentieren verwechselt.

Jegliches Verständnis für den Autor verliert der Leser schließlich, wenn er sich die Texte vornimmt, in denen auf die häufig harten Angriffe auf Houellebeqc eingegangen wird. Seine berühmte Aussage, der Islam sei die dümmste aller Religionen, ist dafür das beste Beispiel. Er äußert Unverständnis, dass diese Aussage zu intellektueller Massenentrüstung in Frankreich führte und erklärt, er habe nun mal Recht mit diesem Satz. Oft fragt sich der Leser, ob die Zusammenstellung der Texte vielleicht nur lückenhaft ist und Houellebeqc seine oft anscheinend rein provokativen Aussagen an anderer Stelle auch fundierter begründet hat. In diesem Band finden sich zumindest keine befriedigenden Erklärungen, sondern nur Unverständnis und Auslassungen gegen seine Kritiker.

Allerdings sollte auch darauf Aufmerksam gemacht werden, dass die Texte in ihrer chronologischen Reihenfolge an Schärfe und Spott abnehmen. Die Texte werden sachlicher, weniger anmaßend, in Houellebeqcs Fall müsste man vielleicht sogar sagen, versöhnlich. Der Band verdeutlicht daher auch die Entwicklung des Autors. Es sollte ihm also nicht ohne Weiteres vorgeworfen werden, jede noch so provokative Aussage von vor einigen Jahren auch heute noch so zu meinen. Auch Skandalautoren werden erwachsen.

Der Band zeigt auf, dass Houellebeqc vielleicht intellektuell überbewertet ist. Sein Weltbild mag originell sein, dessen philosophische Basis ist aber recht dünn. Daher sollte der Band weniger als das Werk eines großen Denkers unserer Zeit betrachtet werden, vielmehr als eine Einführung in das Weltbild eines unbestritten guten Romanautors. Wer Houellebeqcs Romane mag, sollte als Hintergrund auch dieses Bändchen interessant finden. Mehr leistet es nicht.
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4 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von V. Bracke
... eine Enttäuschung mehr - was nicht besonders zu beklagen wäre angesichts der Unmenge an "literarischen" Produkten, die den Büchermarkt und das lesende Hirn überschwemmen (wollen).
Wenn einem aber unter dem historisch anspruchsvoll zitierten Titel "Ich habe einen Traum" Texte offeriert werden als "messerscharfe Analysen des Zeitgeistes", als "Expeditionen ins Herz der Gesellschaft" und "nicht weniger als Weltkritik", dann müssen diese gut 100 Seiten Sammelsurium einfach enttäuschen: entweder zu speziell auf verstaubte Nischen der französischen Literatur und Philosophie bezogen, oder einfach irrelevant, zumindest kein neuer oder differenzierender Beitrag zu den anklingenden Diskussionen (Islam etc.).
Allein die klare Stellungnahme zur Pädophilie macht, als Anfangstext, Appetit auf den Rest, der umso enttäuschender ausfällt. Man mag als Leser den Autor und sein kritisches, vielleicht auch unabhängiges Denken in Schutz nehmen, weil man beide mit diesem Buch jedenfalls noch nicht kennenlernt. Als Käufer fühlt man sich von der Aufmachung und Ankündigung im Klappentext glatt betrogen.
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