Toll, daß es endlich Menschen wie Sally Morgan gibt, die nicht lockerlassen und ihre Familiengeschichte gegen alle Widerstände aufdecken wollen. Nachdem sie jahrelang bei ihrer Mutter und Großmutter „gegen die Wand läuft", was Erzählungen aus der Vergangenheit betrifft, beginnt sie irgendwann bei anderen Leuten, die ebenfalls etwas über die Zeit, als Mutter und Großmutter noch Kinder bzw. Jugendliche waren, mit ihren Nachforschungen. Je mehr sie erfährt, desto mehr öffnet sich auch ihre Mutter. Bis ziemlich zuletzt bleibt ihre Großmutter jedoch schweigsam. Zu sehr ist sie früher verletzt worden, zu sehr schmerzen die alten Narben, zu sehr sind Stolz und Selbstachtung mit Füßen getreten worden. Sallys Reise in den Norden Westaustraliens, um Verwandte zu finden oder Menschen, die ihr von diesen erzählen können und auch, um Antworten zu ihrer eigenen Herkunft zu erhalten, hat mich tief bewegt. Die Aborigines mussten unter der weißen Besiedlung viel zu viel aushalten, sie wurden gedemütigt, verachtet, verstoßen, verschleppt und versklavt. Kein Wunder, daß viele dem Alkohol verfielen. Man ist entsetzt über die jahrzehntelange Methode, hellhäutige Kinder ihren Müttern wegzunehmen und in sogenannten „Missionsschulen" zu „erziehen". Für diese entwurzelten Generationen spricht Sally Morgan, ohne anzuklagen. Aber ihr Buch macht deutlich, was alles an Mißständen da war und was aus den Köpfen ausgemerzt werden muß, um Aborigines als vollwertige Menschen anzuerkennen. Ich ziehe den Hut vor dieser Frau, die durch ihre Nachforschungen und ihr Buch eine Lanze für ihre schwarzen Vorfahren und ein Tabu gebrochen hat.