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Ich grase meine Gehirnwiese ab: Paul Valéry und seine verborgenen Cahiers
 
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Ich grase meine Gehirnwiese ab: Paul Valéry und seine verborgenen Cahiers [Gebundene Ausgabe]

Paul Valéry , Thomas Stölzel
5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 344 Seiten
  • Verlag: Ab - die Andere Bibliothek (26. April 2011)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3821862424
  • ISBN-13: 978-3821862422
  • Größe und/oder Gewicht: 22 x 12,8 x 2,8 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 22.795 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Pressestimmen

"Eine Expedition in die Schluchten des menschlichen Bewusstseins. So persönlich, wie Paul Valérys akribische Selbstbeobachtung ausfallen musste - und so universal, wie sie nur einem Dichter und Denker seines Formats gelingen konnte. Thomas Stölzel hat eine überzeugende Auswahl getroffen - und leitet sie hervorragend ein." (Gregor Dotzauer, Der Tagesspiegel, 26. Juni 2011)

"Eine Freude, eine Lust, ein Abenteuer sind die Notizhefte von Paul Valéry. [...] Eine kraftvolle Ermutigung zum Denken." (Meike Feßmann, Der Tagesspiegel, 26. Juni 2011)

"Dieser Band ist eine ausgezeichnete Einführung in die cahiers. [...] Wer genau hinschaut, findet Gedanken, die später durch die Kybernetik, die Neurowissenschaften oder die Systemtheorie intellektueller Mainstream wurden. Damit ist dieser liebevoll gestaltete Band aus der Reihe Die Andere Bibliothek" ein atemberaubender Beweis dafür, wieviel auch im 20. Jahrhundert noch erdacht werden konnte." (Pascal Fischer, NDR Kultur, 24. Juni 2011)

"Das Buch Ich grase meine Gehirnwiese ab mit ausgewählten Texten aus den Cahiers ist eine großartige Einladung zum eigenen Nach-Denken über das, was Paul Valéry im unglaublichen Gedankenfluss schuf. [...] Wieder einmal eine schöne Ausgrabung und Wiederentdeckung der Anderen Bibliothek aus der Welt des Geistes." (Waltraut Worthmann-von Rode, HR2 Mikado, 30. Mai 2011)

"Herausgeber Thomas Stölzel hat sich mit seiner Auswahl das Verdienst erworben, eines der herausragenden Denklabore des 20. Jahrhunderts in einem Band vorzustellen." (jl, Journal Frankfurt, 10. Juni 2011)

Kurzbeschreibung

Was kann ich über mich herausfinden, um mein Leben bewusster führen zu können? Die Cahiers von Paul Valéry: ein Paradebeispiel lebensphilosophischer Selbsttherapie. Die Protokolle der inneren Bildungsgeschichte des modernen Bewusstseins. Erst nach dem Tod von Paul Valéry im Jahr 1945 wurden die 263 Schulhefte, seine "Denkhefte" - die berühmten Cahiers - herausgegeben. Er füllte sie über ein halbes Jahrhundert nahezu täglich mit Notizen, die später in 31 Rubriken (wie etwa: Ego, Sprache, Gedächtnis, Zeit, Eros) unterteilt wurden; ein Protokoll der Reflexionstätigkeit seines Geistes. Ein Denklaboratorium. Von den Empfindungen, Wahrnehmungen, Wünschen und Träumen über die Bildung des Willens und die Handlungs- vorbereitung bis zum sprachlichen Ausdruck ergründete Paul Valéry minutiös alltägliche Bewusstseinsprozesse - in Beantwortung der vermeintlich einfachen Ausgangsfrage: "Was kann ein Mensch?" Als vor beinahe zwanzig Jahren die Cahiers erstmals ins Deutsche übertragen vorlagen, wurden sie als "Schlüssel zum Verständnis der literarischen und intellektuellen Abenteuer unserer Epoche" (Die Zeit) gerühmt - inzwischen ist die Wiederentdeckung in Vergessenheit geraten. Dabei findet sich in diesem Werk eines anregenden europäischen Selbstdenkers eine Fülle von Ideen und kritischen Vorwegnahmen vieler als ganz modern geltender Erkenntnisformen - der Kybernetik, Semiotik, Wahrnehmungspsychologie bis hin zu den sogenannten Kognitions- und Neurowissenschaften sowie der Hirnforschung. Thomas Stölzel zeichnet in seinem Essay die intellektuelle Biographie dieser öffentlich ungemein einflussreichen literarisch-philosophischen Person nach, gibt eine Vorstellung von den geistigen Konturen dieses Hommes de Lettres, beleuchtet die Hintergründe des "verborgenen" Hauptwerks von Paul Valéry und setzt es in Bezug zu verwandten intellektuellen Anstrengungen.

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11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Ein Buch fürs Leben, 30. Juli 2011
Von 
Peter Steiner - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 100 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Ich grase meine Gehirnwiese ab: Paul Valéry und seine verborgenen Cahiers (Gebundene Ausgabe)
Was für ein herrliches und wunderbar gemachtes Buch. Welch schöne Anregungen sind darin zu finden. Mehr als 300 Seiten an inspirierenden Gedanken von Paul Valèry - zusammengetragen aus 263 Cahiers (Denkheften), die Valèry über beinahe ein halbes Jahrhundert nahezu täglich mit Notizen füllte und zu einem eigenen Universum an Weisheit und Poesie machte. Man kann Thomas Stölzel und dem Eichborn Verlag für ihre Arbeit und den Mut, dieses besondere Buch herauszugeben, nur danken. Heute, da die meisten Verlage nur noch mit sicherem Kalkül agieren, glaubt man kaum, dass so ein Buch noch möglich ist.

Paul Valèry ist ein Lebensphilosoph von ganz besonderer Qualität. Er untersucht seinen eigenen Geist mit der Geduld eines Zen-Buddhisten, einfach mit dem Mittel seiner eigenen Gedanken. Aber gleichzeitig weiss er auch um die Grenzen seines eigenen Denkens, denn auf Seite 189 schreibt er: "Wie hat man nur denken können, dass das Denken durch Denken auf etwas anderes stossen würde als auf sich selbst?" Er weiss also um diese Limiten und ringt auch mit ihnen. Und das ist gerade das Aussergewöhnliche an diesem Buch, dass man ihm dabei folgen kann, wie er versucht, die strenge Logik der Sprache auszuweiten, um dem näher zu kommen, was man mit Worten nicht ausdrücken kann: Worum geht es in unserem Leben eigentlich?

z.B.
"Ich bin das nicht - oder wenig -
Ich bin eher eine Reaktion - auf mich - und nicht auf andere.
Ich setze mein Ich meiner Person entgegen."

Oder dann sagt er Dinge wie:
"Politik ist die Kunst, die Leute daran zu hindern, sich um das zu kümmern, was sie angeht."

Oder:
"Der Mensch ist ein System von Begierden, das durch ein System von Ängsten temperiert wird."

In dieses Gedanken-Universum einzutauchen macht Mal für Mal Freude.
Freuen Sie sich auf einen regnerischen Tag, an dem Sie nichts zu tun haben und sich die Zeit nehmen können, mit Hilfe dieses Buches wieder ein bisschen das Staunen über sich selbst zu lernen.

Peter Steiner, Autor von "Das Wesentliche so nah", "Weisheit für Minimalisten" u.a.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen "Das Erinnerungsvermögen ist die Zukunft des Vergangenen.", 29. Januar 2012
Von 
kpoac - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Ich grase meine Gehirnwiese ab: Paul Valéry und seine verborgenen Cahiers (Gebundene Ausgabe)
"Das Ich zwingt mich dazu, es zu erfinden - dieses Ich, das ich nie sehe - und ich erfinde
es, um ihm den Ursprung aller dieser wunderbar entsprechenden Wandlungen zuzuweisen ..."
(Paul Valéry)

Paul Valéry (1871-1945) hat eine Spezialität und das ist sein Geist. Mit ritueller Beharrlichkeit grüßt er den frühen Morgenmond, setzt sich an seinen Schreibtisch, um noch fern von allen möglichen Einmischungen des Tages seinem Geist freien Lauf zu lassen. Nur seine Cahiers sind dabei, diese Schulhefte, deren leere Seiten Valéry (auf-)fordern, alles, was aus Gedanken fließt, zu notieren, alles, was hinein fällt und nichts, woran man für andere denken muss. Valéry umkreist die Mächtigkeit des Nichts. Zwischen Anwesenheit und Abwesenheit von Dingen liegt seine Imagination. Eine Imagination bis zur Raserei, wenn es um die Abwesenheit geht. Denn dort füllt sich der Raum mit der Vorstellung, das Hirn wird der absoluten Leere überlassen. Wir wissen mit G.W. Hegel, dass das Bekannte, weil bekannt, nicht erkannt wird. Aber hier steht ein Valéry, dem selbst dieses ins Nichts fällt, um neu ausgegraben, neu erfahren zu werden.

Und so sind über all die Jahre des Schreibens diese Hefte entstanden, die von beredter und besonderer Art sind, die eine Reichhaltigkeit des Denkens offenbaren, wie sie noch heute ihresgleichen suchen. Seine primäre Hinwendung gilt der eigenen Person, dem eigenen Ich und der Selbstbetrachtung. Was kann ein Mensch? ist dabei eine Frage, die ihn von Anfang an begleitet. Wird der Mensch noch in seiner Studie am fiktionalen Subjekt "Monsieur Teste" exemplifiziert, so bleibt die Frage dennoch erhalten in seinen Cahiers. Dieses in einer Durchgängigkeit, die selbst in den weiteren Rubriken, in den dieses wunderbare Buch das Denken Valerys teilt, enthalten sind.

(1) Die Wissenschaft vom Menschen, (2) Blicke auf die eigene Person, (3) Ich, Selbst und die Individualität, (4) Sprachliches - Allzusprachliches, (5) Nachdenken über das Denken, (6) Leibliches Denken, (7) Wahrnehmen und Aufmerksamkeit, (8) Selbstsorge, (9) Skepsis und letztendlich (10) Was kann ein Mensch? sind diese Überschriften, unter denen der Herausgeber dem Denken Valerys eine Ordnung gibt. Neben der reinen Poesie, die Valéry bis zu einem Nachtereignis in Genua lange betrieb und dann für 25 Jahre aussetzte, führte wiederum ein Erlebnis dieses begabten Mannes ihn zu permanenten Selbstreflexion. Diesen notorischen Eifer der allmorgendlichen Betrachtung von Welt, Ich und Denken führte er fort bis zum Ende seines Lebens. Zu seinen Vorbildern zählte er Leonardo da Vinci, der selbst Notizen einsetzte, um in seinem Leben Formen des Selbst zu entdecken (Dai taccuini Aus den Notizbüchern). Auch und gerade für Valéry gilt dieses Suchen nach der Person, dem Ich, dem Individuum und der Unterscheidung vom inneren wie äußeren Blick auf das Ich oder das Mir. "Ich bin ebenso der Selbe, wie dieser Tisch hier derselbe ist wie gestern, für Mich." Und doch sind der Selbe und das Ich recht verschieden. Während das Ich zeugt, wird der Selbe bezeugt. Anstelle der Fülle der Möglichkeiten einer Identifikation sich an eine zu binden rät Valéry mit einem Zeugnis: "Ich bin es leid, an diese Person gebunden zu sein, die ich bin."

So wie Mallarme Igitur (in: Sämtliche Dichtungen) würfeln lässt, um aus dem Überdruß am Unentschiedenen auszubrechen und in eine Kontingenz einzutauchen, damit überhaupt entschieden wird, so treibt auch sein Schüler Valéry seinen Geist entlang dem Zufälligen. So wie Mallarmes Schicksalsgemeinschaft Elbehnon wie "I'll be non" gehört werden kann, so verstärkt sich der Gedanke des Lesers von Valérys Cahiers, dass hier die Umkehr vom "Ich bin Nichts" in ein Alles im Geiste sich zu vollziehen hat.

Und aus dem Fundus aller Cahiers wird hier eine lesenswerte Sammlung bereitgestellt in einem dem Wert angemessenen Layout. Dieses Buch aus "Der anderen Bibliothek" ist für wahre Bibliophile ein Muss, zumindest dann, wenn auch Paul Valéry und seine Gedanken Inspiration zur eigenen Nachdenklichkeit werden sollen.

Beispiele:

"Was bedeutet mir eine Kunst, deren Ausübung mich nicht verwandelt?"

"Das Gedächtnis erwartet die Intervention des Gegenwärtigen."

"Die Sprache ermöglicht uns, nicht hinschauen zu müssen."

"Der Ruhm macht aus dir einen anderen. Er schließt dich von dir selbst aus."

"Ich bewundere nicht den Einfall, sondern was ihn vervielfacht."

~~
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen "Täglich neue Fragen." S.322, 20. Februar 2012
Von 
Rezension bezieht sich auf: Ich grase meine Gehirnwiese ab: Paul Valéry und seine verborgenen Cahiers (Gebundene Ausgabe)
Sapere aude! Wage Dich deines eigenen Verstandes zu bedienen, das war für Paul Valèry sein Leitmotiv und in diesem Buch kann man so einige Kostbarkeiten von seiner "Gehirnwiese" finden. Das aufwendig gebundene Buch ist vollgepackt mit Gedanken und Reflektionen. Ich möchte lediglich einige dieser persönlichen Gedanken zu jedem Kapitel in dem Buch zitieren um so ein wenig seine kluge Art zu denken zu zeigen.

Kapitel: "Die Wissenschaft vom Menschen"

Das Alter des Warum.
Die Kinder fragen warum?-
Also bringt man sie in die Schule, die ihren Instinkt kuriert und Neugier durch Langeweile besiegt. (S.64)

Das Ziel des Menschen ist die Synthese des Menschen-
das Wiederfinden seiner selbst als der äußerste Punkt seiner Suche. (S.79)

Kapitel: "Blicke auf die eigene Person"

Manchmal denke ich;
und manchmal bin ich. (S.84)

Kapitel: "Ich, Selbst und die Individualität"

Meine innere Stimme kann mich überraschen, und ich kann es nicht vorhersehen. Wenn sie spricht, dann nenne ich Ich nicht das was spricht, sondern Hörer. Das ich ist der Hörer der inneren Sprache. (S.173)

"Zum höchsten Punkt seiner selbst gelangt man nur auf dem Umweg über die anderen und mit ihrer Hilfe. (S.140)

Kapitel: "Sprachliches- Allzusprachliches
Die Sprache unterliegt nur einer Bedingung, nämlich das aufzurufen, was genügt, um hindurchzugehen. (S.153)

Kapitel: "Nachdenken über das Denken"
Die metaphysische Frage: Wer bin ich? oder Was für einer bin ich?-
was wird aus mir werden? Wer hat das gemacht?-
läßt sich stets durch die Frage ersetzen: Wer fragt dich das? Was ist die Triebfeder dieser Frage? (S.181)

Kapitel: "Leibliches Denken"
Die Erkenntnis hat den Körper des Menschen zur Grenze. (S.230)

Kapitel: "Wahrnehmen und Aufmerksamkeit"
Die lange Zeit ist spürbar, während sie vergeht.
Die kurze Zeit ist erst nachher spürbar. (S.252)

Kapitel: "Selbstsorge"
Denken bedeutet mit sich selbst zu kommunizieren. Die Möglichkeit des Dialoges. Das eine Ich ist gesichtslos, alterslos, namenlos, und ein anderes Ich hat meinen Namen, mein Gesicht. (S.283)

Kapitel: "Skepsis"
Denken ist unablässiges Durchstreichen.
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