Ich glaube, ich fahre in die Highlands von Margaret Forster erzählt vom Umgang einer Familie mit ihrer zunehmend der Altersdemenz anheim fallenden Mutter bzw. Großmutter, von allen liebevoll Grandma genannt. Erzählt wird wechselweise aus der Sicht einer 17jährigen Enkelin, Hannah, und der Schwiegertochter Jenny. Mit viel Eigeninitiative, dem Engagement mehrerer Betreuerinnen und unter erheblichem finanziellen und persönlichem Aufwand gelingt es der Familie, Grandma über Jahre in ihrer gewohnten Umgebung rund um die Uhr zu betreuen, denn die alte Dame bedarf der Aufsicht und muss beschäftigt werden. Das klappt mehr oder weniger gut, je nachdem, wie ihr Befinden ist. Kommunikation mit Grandma ist möglich, wenn man mit ihr umzugehen und auf sie einzugehen weiß. Grandma wirkt glücklich, und das überträgt sich auf ihre Familie. Doch dann wird immer offensichtlicher, dass ihr Zustand sich zunehmend verschlimmert, so dass man immer schlechter mit ihr zurechtkommen kann. Dadurch wird die stets wie ein Damoklesschwert über der Familie schwebende Frage nach ihrem weiteren Verbleib immer drängender, und die latent vorhandene Front in der Familie zwischen den Pflegeheim-Befürwortern und dessen strikten Gegnern tritt offen zutage. Als dann alles gleichzeitig außer Kontrolle gerät, bleibt nur noch ihre zunächst vorläufige Unterbringung in einem Heim. Durch die gewählte Erzählperspektive werden die Gewissenskonflikte, in denen sich vor allem die weiblichen Mitglieder der Familie befinden, besonders deutlich. Hannah, die Enkelin, wagt den Blick in die eigene Zukunft und philosophiert darüber, was sie für sich wünschen würde und wie lange sie Herrin ihrer Entscheidungen sein könnte. Obwohl das Buch stellenweise einer gewissen Situationskomik nicht entbehrt, macht es sehr betroffen. Man kann der kritischen Betrachtung dessen, wie wir mit unseren alten Menschen umgehen, bzw. wie unsere Kinder einmal mit uns umgehen werden, nicht ausweichen. Die Würde des Menschen ist unantastbar. Gilt das für alle? Die hier beschriebenen Lebensumstände im Heim kommen mir sehr entpersönlicht und entseelt vor. Dadurch kommt es zu noch schnellerem geistigen und körperlichen Verfall bei den betroffenen Personen. Auf der anderen Seite steht man der absoluten Selbstaufgabe Bridgets, der Tochter Grandmas, gegenüber, die alleine lebend, ihre Stelle kündigen will, um ihre Mutter rundum die Uhr betreuen zu können. Wie ist mit der Gewichtung von Egoismus und Selbstaufgabe umzugehen? Es besteht auch eine Verantwortung gegenüber der eigenen Person. Mit der Lösung dieser Fragen hat die Gesellschaft noch viel zu tun. Dieses Buch macht betroffen, es regt zum Nachdenken an. Man fühlt sich als Leser mitten im Geschehen. Sehr lesenswert!