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Jean Echenoz , Hinrich Schmidt-Henkel , Hinrich Schmidt- Henkel
4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (7 Kundenrezensionen)

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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 192 Seiten
  • Verlag: Berlin Verlag (1. Januar 2000)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3827003679
  • ISBN-13: 978-3827003676
  • Größe und/oder Gewicht: 21,6 x 14,6 x 2,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (7 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 401.466 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung

Die Kunst des Fernsehkrimis

Jean Echenoz: «Ich gehe jetzt»

Eine leichte Lektüre – ein Buch mit einer Geschichte, die nicht mehr sein will als eben eine Geschichte. Nichts, was dem Leser grössere intellektuelle und emotionale Anstrengungen abfordert. Ab und zu lacht man vielleicht, wundert oder graust sich; am Schluss legt man es beiseite. Man kann es in der Badewanne lesen oder im Zug. Von dieser Art ist der neue Roman von Jean Echenoz. «Ich gehe jetzt» reicht im ICE ungefähr von Frankfurt nach Berlin oder für fünf Vollbäder und enthält: einen Félix Ferrer, seines Zeichens gescheiterter Künstler und Galerist mit wechselndem Erfolg; einen undurchsichtigen Baumgartner, Ferrers Widersacher; an weiblichem Personal Suzanne, Laurence, Victoire, Bérangère, Hélène, die Krankenschwester u. a. m.; ausserdem einen versteckten Schatz, eine abenteuerliche Reise, Kunst, Krankheit und jede Menge Alltäglichkeiten sowie Duft- und Aromastoffe, aber keine Konservierungsmittel. Das soll heissen, dass Echenoz den Anspruch, bleibende Kunst herzustellen, gar nicht stellt. Man darf aber annehmen, dass sich die Mischung sehr lange hält, denn sie ist viel erprobt und hat sich bewährt. Man kann ebenfalls annehmen, dass der erfahrene Romancier Jean Echenoz dieses Musketier- Rezept (schöne Frauen, Geld, Abenteuer) mit Wissen und Ironie angewandt hat. Man braucht aber eigentlich überhaupt nichts anzunehmen, denn schliesslich kommt es darauf an, was uns bei sinkender Badetemperatur weiterlesen lässt. Und das ist ganz gewiss nicht die Ironie. Und auch nicht der Prix Goncourt, den Echenoz für dieses Musterbeispiel gekonnter Leichtigkeit erhielt. Es ist: die gute alte Spannung. Wird der Böse obsiegen? Wer verbirgt sich hinter dem Namen Baumgartner? Wird Ferrer bei seiner Herzschwäche die Reise in die Arktis überstehen? Wird er den Schatz finden? Was führt Hélène im Schilde? Zugegeben, jeder Spannungshöhepunkt in diesem Buch mündet in eine Antiklimax – etwa so wie im wirklichen Leben. Ferrers Scheidungstermin verläuft sachlich und kühl, sein Herzinfarkt erstaunlich undramatisch und seine Rekonvaleszenz in einem ruhigen Krankenhaus; nicht einmal die Bergung des Schatzes ruft Exaltationen hervor.

Trotzdem gelingt es Echenoz immer wieder, die Gedanken seiner Leser zu fesseln. Immer wieder beschreibt der Roman kleine Kurven, hinter denen eine neue Wendung der Handlung vermutet werden kann. So bleibt man dabei und kommt in den Genuss der vielen hübschen marginalen Beobachtungen, zum Beispiel über die Qualität von unterschiedlichen Sitzplätzen in der Métro oder über die Kunst, grossformatige Monochrome zu verkaufen; und man amüsiert sich über die scharfe, fast karikaturistische Zeichnung der Nebenfiguren oder die wenig rührselige Schilderung gesellschaftlicher und sexueller Gepflogenheiten des bürgerlichen Pariser Kulturmilieus. Aber eine richtige Satire ist das Buch auch nicht: Dafür ist sein Protagonist ein viel zu alltäglicher Typ. Es gibt Passagen darin, die an Maupassant denken lassen; die Reise in die Arktis hat etwas von dem Irrwitz von Blaise Cendrars' «Dan Yack»; und Ferrers erotische Unternehmungen erinnern an «L'homme qui aimait les femmes», den Truffaut-Film zum Casanova-Komplex.

Man kann noch eine Menge mehr Vorbilder, Ähnlichkeiten und Zitate finden, wenn man kein Leser, sondern ein Forscher sein will. Aber Forscher werden sich über dieses Buch nur ärgern: Es gibt nicht wirklich etwas zu buddeln darin, denn die Charakterzüge, Liebschaften und Geschäfte des Félix Ferrer liegen offen und ohne Geheimnis zutage. Wir erkennen sie beim Lesen, sofort. Und die komplikationslose Sprache Echenoz', die sich eines munteren und lesbaren Konversationstons bedient, bietet auch keine analysewürdigen Überraschungen. Dass sich gelegentlich ein Erzähler von der guten alten allwissenden Sorte zu Wort meldet und kommentierend aus der Geschichte heraustritt, kennt man ja auch schon seit Diderot: «Also mir persönlich geht dieser Baumgartner so langsam auf die Nerven. Sein Alltag ist zu belanglos. Er wohnt im Hotel, telefoniert jeden Tag und besichtigt alles, was sich nicht wehrt, aber sonst ist nichts los. Da fehlt der Schwung.»

Trotz dieser halbherzigen auktorialen Werkkritik: Bewundernswert ist diese zur Perfektion gebrachte Leichtigkeit des Erzählens in Sujet und Methode allemal. Es ist eine Leichtigkeit, die Hirn und Herz des Publikums gleichermassen schont. Wenn Ferrer an seinem Herzinfarkt gestorben wäre, wäre dem Leser der Abschied nicht schwer geworden. Der Mann ist nicht besonders nett, aber auch nicht wirklich garstig; dabei ziemlich egoistisch und emotional absolut unterentwickelt: Der Umgang mit Frauen ist ihm hauptsächlich als Routinehandlung nach Restaurantbesuchen anlässlich des letzten gemeinsamen Glases in ihrer Wohnung geläufig.

In gewisser Weise ist dieser Ferrer natürlich monströs. Und wenn man über ihn nachdenkt – wie man eben in der Badewanne über jemanden nachdenkt, der einem irgendwann einmal vorgestellt wurde –, merkt man, dass er das vielfach bekannte windschlüpfige Modell des Zeitgenossen aus einem Werbespot für Kreditkarten oder Ähnliches variiert. Ist Félix (was immerhin «der Glückliche» bedeutet) Ferrer also doch – ein Bedeutungsträger? Eine Symbolfigur für die Erfolgsorientiertheit und Beziehungslosigkeit der Jahrtausendwende? Ein aus lauter Äusserlichkeit bestehendes Mannswesen, an dessen Innenleben nur der Bypass von Interesse ist?

Aufgewertet als Romanfigur wird Félix durch seinen Widersacher; ohne diesen, der so viele Kapitel lang auf der Lauer liegt, wäre der ganze Roman ohnehin für die Katz. Mit dem Widersacher muss sich der Held, so will es die Tradition, beim Showdown messen. Im Buch treffen sich Ferrer und Baumgartner, good guy und bad guy, wie es sich gehört, schliesslich Auge in Auge. Und wenn ich jetzt noch weitererzähle, wird man das Buch zwar zu Ende lesen wollen, aber die Spannung – wäre dahin. Und das wäre schade, auch wenn man längst weiss, dass Félix Ferrer kein Alpha-Männchen ist. Übrigens gibt es in diesem Buch auch einen Mord, und zwar ungefähr auf der Höhe von Hannover oder beim dritten Vollbad. «Das ist doch so was von banal», argumentiert das Mordopfer verzweifelt, «in jedem blöden Fernsehkrimi werden Leute so umgebracht, das ist wirklich nicht originell.» Und der Mörder räumt ein: «. . . ich bin eben von Fernsehkrimis beeinflusst. Der Fernsehkrimi ist eine Kunst wie jede andere. Egal, jetzt reicht's.» Spricht's und mordet. Woraus folgt, dass nicht einmal ein gewisses Quantum ästhetischer Reflektiertheit in dieser so gelungen leichten Geschichte irgendwelchen Schaden anrichten kann.

Katharina Döbler

Perlentaucher.de

Pressenotiz zu : Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.08.2000
Rezensent Eberhard Rathgeb nennt erstmal ein paar Gründe, weswegen man die neue Geschichte des Prix-Goncourt-Preisträgers Echenoz mit etwas Spannung erwarten konnten. Doch die Art und Weise, wie Rathgeb dann die Geschichte des Galeristen erzählt, der ganz offenbar die Hauptfigur des Romans ist, lassen den Rückschluss zu, dass sich der Rezensent weder für dessen Eskapaden noch für den Roman selbst, erwärmen kann. Böse Worte, wie "kunsthandwerkliche Kälte" fallen. Aber für einen saftigen Verriß hat das Buch ihn wohl nicht genügend interessiert.

© Perlentaucher Medien GmbH

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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen Was Unterhaltsames für zwischendurch, 10. Oktober 2006
Rezension bezieht sich auf: Ich gehe jetzt (Gebundene Ausgabe)
In "Ich gehe jetzt" lernt der Leser den leicht angegrauten Galeristen Ferrer kennen, der sich, wie es scheint, noch einmal auf den Weg macht, um Teil eines umfassenden Abenteuers zu werden. Doch die Reisen, die Ferrer ins Packeis, zu den Frauen, nach Spanien und zu sich selbst unternimmt, sind weder wirklich abenteuerlich, noch kommt Ferrer bei einer von ihnen durch bis zum Ziel. Jedes Mal, wenn er die Chance bekommt, sich auf Menschen und Orte einzulassen, kehrt er um und nimmt stets nur die Hälfte aus der Begegnung mit sich zurück.

Spiegelbildlich ist das Lesegefühl bei "Ich gehe jetzt": man begleitet Herrn Ferrer, kommt aber nie in Gefahr, durch ihn und das Geschehen im Inneren berührt zu werden. Die Geschichte seiner Reisen plätschert nett und amüsant - niemals langweilig - vor sich hin, und der Leser spaziert am Rand in gemütlichem Tempo mit, bis die Geschichte erzählt ist, das Buch zugeklappt und ins Regal gestellt werden kann.

Ich bewerte die Geschichte mit vier Sternen, weil sie sprachlich gut gemacht ist, weil sie kurzweilig ist und gut verteilt schöne Metaphern und Ideen entwickelt. Ich habe mich bei keiner Seite gelangweilt. Für den Prix Goncourt qualifiziert sich der Roman aus meiner Sicht nicht, sehr wohl jedoch für fünf Stunden Lesevergnügen.
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7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen Wohin? Eine Reise ins Nirgendwo und zurück: ironische Farce, 28. Mai 2001
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Ich gehe jetzt (Gebundene Ausgabe)
Jean Echenoz verlegt in seinem neuen Roman das Gefühl der Langeweile zu einem Parkett aus Eis, schickt seinen Helden - einen Kunsthändler - von Paris ins Packeis und zurück. Dabei bleibt der gefundene Kunstschatz nur ein Mittel für eine Tour de Farce, die all jenen gefallen könnte, die sich mit dem Leben, das sie führen, nicht zufrieden geben wollen. Muss man sowas aber lesen? Ich bin mir nicht sicher. Der unzufriedene Kunsthändler aus dem Roman grinst uns förmlich aus einem Spiegel entgegen: Das Schreiben selbst ist Gegenstand des Romans, Echenoz feiert sich selbst; oft einfallsreich, manchmal allzu platt. Die Sprache schimmert nur flüchtig durch, die Handlung spielt im Nirgendwo. Echenoz lässt alle Wege, lässt alle Motive blind ins Leere laufen, und auch der Protagonist ist am Ende so klug als wie zuvor; die Ironie des Geschriebenen schreit aus den Zeilen. Vielleicht meint der Autor sich selbst, wenn er beginnt: "Ich gehe jetzt, sagte Ferrer, ich verlasse dich. Ich lasse alles hier, aber ich gehe jetzt." Der Weg war das Ziel, und niemand kam irgendwo an.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen Wie ein franzüscher Film, 14. Dezember 2007
Rezension bezieht sich auf: Ich gehe jetzt (Taschenbuch)
der in schönen Bildern Geschichten erzählt die einerseits banal andererseits fesselnd und irgendwie abgründig sind.
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