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Sassi schildert ausführlich sein Martyrium in Guantamano, die gnadenlosen Verhöre, die körperliche und seelische Folter, die immer wieder aufkeimende und ebenso oft frustrierte Hoffnung -- doch er reflektiert auch, wie er sich selbst in diese Lage gebracht hat. Während der zweijährigen US-Gefangenschaft und der anschließenden anderthalbjährigen Haft in einem französischen Gefängnis lernt er sich selbst erst wirklich kennen -- und bietet uns mit seinen Aufzeichnungen die seltene Gelegenheit nicht nur zu erfahren, wie unmenschlich die USA mit ihren Gefangenen im vermeintlich rechtsfreien Raum ihrer exterritorialen Lager umgehen, sondern zugleich und vor allem, was in jungen Muslimen vorgeht, die sich arglos von islamistischen Terrorzellen rekrutieren lassen. --Andreas Vierecke
"Die ersten Wochen sind schrecklich. In den Metallcontainern, die der sengenden Sonne ausgesetzt sind, ist es sehr heiß. Keine Landschaft mehr rundherum, nicht der leiseste Windhauch. Nichts als die grün gestrichenen Mauern und das elektrische Licht, das 24 Stunden am Tag brennt. In unseren Sardinenbüchsen gleichen sich alle Tage, endlos und monoton. Gebete, Essen, Verhöre. Zweimal ein fünfzehnminütiger Ausgang pro Woche, einmal Duschen pro Woche. Ein einziges Buch ist erlaubt, der Koran."
Juni 2001: Nizar Sassi, Franzose tunesischer Abstammung und in einem Vorort von Lyon aufgewachsen, lässt sich aus Langeweile und Begeisterung für Schusswaffen von Anhängern eines islamistischen Netzwerkes für ein Waffentrainingscamp in Kandahar/Afghanistan rekrutieren. Von Bin Laden und Al-Qaida hat er bis dahin noch nie etwas gehört. Er ist zwei Monate dort, als infolge der Anschläge des 11. September Pakistan seine Grenzen schließt. Sassi erlebt die Bombardierung Afghanistans durch die USA und flieht nach Pakistan. Als er dort inhaftiert und schließlich als mutmaßlicher Terrorist und Bin-Laden-Sympathisant an die Amerikaner ausgeliefert wird, beginnt eine mehr als zweijährige Hölle: Sassi wird nach Guantanamo ausgeflogen. Eingepfercht in eine winzige Gitterzelle, trotzt er dem Wahnsinn: Er ist sengender Sonne, endlosen, zermürbenden Verhören, Demütigungen, Schlägen und psychischer Folter ausgesetzt, stets schwankend zwischen Hoffnung, wenn sich französische Vernehmungsbeamte ankündigen, und abgrundtiefer Verzweiflung, wenn sie sich als Marionetten der Amerikaner erweisen. Im Juli 2004 kehrt Sassi schließlich nach Frankreich zurück, wo er nach anderthalb Jahren erneuter Haft freigelassen wird. Zum ersten Mal erzählt ein Häftling, was wirklich hinter den Gittern des sogar von der US-Regierung als "rechtloser Raum" bezeichneten Gefängnisses passiert.
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