Das Pease-Buch "Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken", wer kennt es nicht?
Wohl selten wurde über ein Buch so viel diskutiert wie über diesen Ratgeber, die einen (ich schätze mal, eher die Frauen) lieben es, die anderen (meistens Männer, weil denen darin ein paar gravierende evolutionsbiologische Mängel aufgezeigt werden) verfluchen es.
Was Kim Schneyder anscheinend zu der Frage veranlasst hat: Was würde geschehen, wenn sich ein Paar exakt diesem Ratgeber entsprechend verhält, all die wertvollen Tipps und Verhaltensregeln genau befolgt?
So wie Sandra und Martin, bei denen durch eine unglückliche Verkettung der Umstände aus einer leichten Beziehungskrise ein mittelschweres Erdbeben wird. Als Sandra, die Kindergärtnerin mit den schriftstellerischen Ambitionen, sich daraufhin bei einer Freundin ausweint, drückt die ihr eben diesen Ratgeber in die Hand, überzeugt, dass sich durch gegenseitiges Verständnis Sandras Probleme mir nichts, dir nichts in Luft auflösen. Sandra liest das Buch und ist so begeistert, dass es ihr gelingt, Martin zu einem Versuch zu überreden.
Der hält zwar anfangs überhaupt nichts davon, geht dann jedoch, schlitzohrig wie er ist (klar, der ist ja Anwalt), zum Schein darauf ein, weil für ihn eine Menge Vorteile dabei rausspringen.
Die arme Sandra staunt nicht schlecht, als er daraufhin zum steinzeitlichen Jäger und Sammler mutiert, einschließlich ungeniertem Flirten mit der Nachbarstochter (nicht ohne gleich darauf zu betonen, dass die mit "Sandras Humor natürlich nicht mithalten könne", ganz wie es im Pease-Buch empfohlen wird), hemmungslosem Abhängen in der Kneipe (ist schließlich das "Lagerfeuer", das braucht ein Mann nach der Jagd!), und wenn er dann doch dann Hause findet, natürlich Sex (genau, das braucht "Mann" ja auch noch!).
Nachdem Sandra den ersten Schock verdaut hat, schlägt sie zurück. Was der kann, kann ich auch, denkt sie sich, und offenbart Martin, dass sie ihrer Rolle gemäß demnächst zur Nesthüterin werden will, einschließlich Kind und selbstredend ohne Job.
Jetzt guckt Martin dumm aus der Wäsche, so hatte er sich das Ganze auch wieder nicht vorgestellt, und Sandra setzt noch eins drauf, indem sie ihm ein Sexverbot auferlegt, damit Martins "kleine Soldaten" dann auch richtig fit sind bei ihrem nächsten Eisprung.
Die Geschichte nimmt ihren verhängnisvollen Lauf, und die Fronten verhärten sich, bis es für die beiden keinen Ausweg mehr zu geben scheint. Martin kämpft um sein berufliches Überleben und steht durch eindeutige Angebote anderer Frauen knapp vor dem Durchdrehen, und für Sandra interessiert sich plötzlich auch noch der charmante Verlagsboss Dr. Baumann.
Kann das überhaupt noch was werden zwischen Sandra und Martin?
Das... verrate ich jetzt natürlich nicht.
Nachdem mir "Frauen rächen besser" schon supergut gefallen hat, war ich entsprechend neugierig auf das neue Buch von Kim Schneyder, und meine Erwartungen wurden mehr als erfüllt.
Ganz besonders hat mir gefallen, wie die Autorin die unterschiedlichen Sicht- und Denkweisen von Mann und Frau durch den abwechselnden Ich-Erzählstil der beiden Akteure schonungslos und treffsicher aufdeckt, einschließlich der unzähligen kleinen Schummeleien, Fehleinschätzungen und Irrtümer, die sich bei den meisten Paaren von Anfang an ergeben.
Bei den weiblichen Szenen fühlt man sich unweigerlich an die liebenswerte Chaotin Becky Bloomwood erinnert, und auch Martins Episoden sind teilweise zum Brüllen komisch (allein die Szene, als er Sandra im Kindergarten aushilft und die Kleinen ihm die Hölle heiß machen, ist absolut kultverdächtig).
"Ich und er und null Verkehr" ist ein herrliches Buch mit viel Witz, Charme und Wahrheit, in dem sich die meisten selbst erkennen werden, und das Ende ist dann (völlig unerwartet) so romantisch, dass ich ein paar Tränen nicht verdrücken konnte.
Kann man nur empfehlen! Wird jeder Frau gefallen (zumindest allen jenen, die Literatur á la Kinsella, Kürthy und Co. mögen)!