Dieses Hörbuch erhielt ich - welche Ironie - zu Weihnachten und damit hat mir mein Beschenker einen Volltreffer gelandet, denn ich höre auch gern mal Bücher (ääh...). Letztens ist es nun durchgehört worden und jetzt tue ich meinen Eindruck kund.
Dieses Hörbuch ist sehr autobiographisch geprägt und auch wenn Polak sich einen Namen in den Medien gemacht hat, so handelt es sich nicht eher darum, sondern um seine Kindheit und Jugend als einziges jüdisches Kind in Papenburg, Niedersachsen. Sei es nun das Thema Mama und Papa, Chanukkah in Papenburg, die Heimat selbst oder der Zentralrat der Juden in Deutschland, dieser Mann hat doch einiges zu erzählen und das ja mal gar nicht so schlecht.
Teilweise kommen einem die Geschichten so komisch (im positiven Sinne) vor, dass man sich fühlt wie im Hörbuch "Mein Vater, sein Schwein und ich" von Jana Scheerer. Doch sie machen den Charme des Hörbuchs aus. Ob jüdisch angehauchte Geschichten oder nicht: letztendlich sind sie normale Ereignisse im Leben eines Jungen, der eher ein Aussenseiterdasein führt, an diverse Legenden und Märchen glaubt, wie andere das Erwachsenwerden entdeckt und seine Heimatstadt nicht gerade für das Eldorado des Vergnügens hält.
Ich habe mich sehr amüsiert, auch wenn freilich einige düstere Punkte durchscheinen, auf die Polak hinsichtlich seines Glaubens aufmerksam macht (etwa, dass er vom Bundeswehrsoldatenschicksal verschont bleibt - weil sein Vater im KZ war). Dem gegenüber stehen Anekdoten, bei denen ich nicht anders konnte als herzhaft lachen.
Gelesen werden die Geschichten erfreulicherweise vom Autor Oliver Polak selbst, der sprechtechnisch durchaus Talent zeigt, wenn er andere Personen imitiert (ich kenn die Originalstimmen ja auch nicht, aber es klingt zumindest lustig ohne völlig albern zu wirken) oder auch mal sarkastisch wird. Übrigens hört man nur ihn. Andere Sprecher oder Musik gibts keine.
Hat dieses Hörbuch auch Mankos? Sicherlich, es hätten ruhig mehr Kapitel sein können und ich glaube daher, dass ich Polaks Werk in gedruckter Form auch recht schnell durchgelesen hätte.
Fazit: wie man auch zu diesem (Hör-)Buch stehen mag, im Titel hat Oliver Polak schon recht. Man mag sich nicht den Aufschrei vorstellen, den es gegeben hätte, wenn ein Nichtjude das Buch verfasst hätte. Warum? Hören Sie sich es mal an oder lesen Sie das Buch und beachten Sie all die Seitenhiebe auf unser finsteres deutsches Kapitel und Sie wissen, warum.