"Muleum" ist der Titel der norwegischen Originalausgabe, und meiner Meinung nach hätte die deutsche Version ruhig auch so heissen können. Das ist nämlich nicht etwa Norwegisch, sondern ein Wort der Kindersprache: noch bevor Julie, die Protagonistin, das Wort "Museum" richtig aussprechen konnte, hatte sie mit ihrer Familie schon fast alle grossen Museen der Welt besucht. Und diese ihre Familie hat sie bei einem Flugzeugabsturz verloren. Ihre Familie: das sind "Tom und Mama und Papa", wie es fast stereotyp heisst. Nur wenig wird individuell von Tom, Mama und Papa erzählt, die Figuren sind recht klischeehaft dargestellt. Der Leser erfährt eigentlich nur, dass es da ein nun zerbrochenes Familienidyll gab. Zumindest kommt es Julie aus ihrer jetzigen Sicht so vor.
Julie hat den Vorsatz gefasst, sich im neuen Jahr umzubringen. Ab da beginnt sie, Tagebuch zu führen, und berichtet von zwei erfolglosen Versuchen, dem Gefühls-Auf-und-Ab, das sie erlebt, und ihren mehr oder weniger ziellosen Reisen um die Welt. Denn Julies Familie war sehr wohlhabend, und sie kann sich ohne Weiteres leisten, ueberall in der Welt herumzureisen. So kommt sie unter anderem nach Seoul, New York, London, Brüssel und landet schliesslich heil auf Gran Canaria und mit einer Bruchlandung in der Sahara.
Das ist alles sehr unterhaltsam zu lesen, und Erlend Loe laesst Julie über recht originelle und witzige Gedanken vor sich hin fabulieren. Aber das Ende ist so ungebrochen sentimental und spießig, dass es einfach nur einen faden Nachgeschmack hinterlässt. Daher mein dringender Tipp: Auf Seite 179 mit dem Lesen aufhören. Allerspätestens auf Seite 182!!