In einer Wohngemeinschaft - meist WG genannt - zu leben, hat zwar viele ökonomische Vorteile und mag auch so manchem Single das Alleinsein erträglicher machen; aber es ist gibt auch jede Menge Stolpersteine und menshcliche Schwächen, die sich im Alltag einer WG so richtig herausstellen können. Da bedarf es schon einer gehörigen Portion "Augen zudrücken" bzw. ein Höchstmaß an Toleranz und Selbstüberwindung, um diesen "Wahnsinn" unbeschadet zu überstehen. Vor- und Nachteile des WG-Lebens müssen so permanent abgewogen werden. So manches Zünglein an der Waage werden wohl oftmals kleine Zettel spielen können, die Mitbewohner oder Mitbewohnerinnen an unterschiedlichen Orten hinterlassen.
Oonagh O´Hagan hat in ihrem langjährigen WG-Wohnen eine außerordentlich abwechslungsreiche Sammlung an Zetteln gesammelt, die mal heiter, mal besinnlich, mal äußerst sarkastisch bis hin zu tragiekomisch und ironisch wirken.
Ob es nun um die Nachtruhe, das Aufräumen, den leer gegessenen Kühlschrank oder wilde Parties geht: Man merkt der Autorin an, dass sie den WG-Alltag wirklich kennt und wohl so manches mal auch erlitten hat.
So sind auch die Grobkapitel-Einteilungen sehr passend: "Ich zahle die Miete -was machst Du?", "Du stinkst wie der größte Misthaufen im Affenhaus!", "Ich brauchte diesen Schinken, verdammt noch mal! Ich brauchte ihn un-be-dingt!" und schließlich "Warum ist mein Bett so feucht?"
Die Zeichnungen und Zettelarrangements (mit wirklich lebensechten Schriftbildern zur Tag- und Nachtzeit verwendet!) im Buch sind sehr erfrischend und passend zur jungen Erwachsenenwelt.
Dabei will das Buch jedoch gar nicht abschrecken mit seinen über 100 Zetteln; vielmehr heißt es so schön zum Schluß: "...wie wenig wüsste man seine eigenen vier Wände zu schätzen, wenn man niemals in einer WG gewohnt hat!" (S. 191) Wie wahr mag man nur sagen und jedem Elternhaus-Nestflüchtling raten, wenigstens eine zeitlang das WG-Leben zu proben.
Das Buch ist ein ideales, aufheiterndes, ernüchterndes, lebensnahes Geschenk für alle jungen Erwachsenen und die, die noch nicht von der perfekten Wohnung träumen, sondern sich im Ausprobieren verwirklichen mögen!