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Ich bin's: Die ersten 68 Jahre. Autobiographie
 
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Ich bin's: Die ersten 68 Jahre. Autobiographie [Restexemplar] [Gebundene Ausgabe]

Rainer Langhans
4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (5 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 256 Seiten
  • Verlag: Blumenbar; Auflage: 1., Aufl. (Februar 2008)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3936738343
  • ISBN-13: 978-3936738346
  • Größe und/oder Gewicht: 19,6 x 12,2 x 2,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (5 Kundenrezensionen)
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Rainer Langhans
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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Auf den 2. Juni hatten wir uns mit Rauchbomben und mit Farbe gefüllten Eiern vorbereitet. Nachdem der Geheimdienst des Schahs von Persien, die Jubelperser, die erste Demonstration vor dem Regierungssitz am Schöneberger Rathaus zerschlagen hatte, sind wir vor die Deutsche Oper gezogen, um dort die Demo fortzusetzen. Mozarts Zauberflöte stand auf dem Spielplan, der Schah zählte zu den Gästen. Ich habe mit meinen Farbeiern schön die Pelzmäntel getroffen, und die Polizei ist wütend geworden, dass ihre Absperrung nicht funktionierte und dass die Operngäste auf der anderen Seite tanzen mussten und sich beschwerten: Räumt die Leute weg! Eine Gewaltorgie begann. Greiftrupps schwirrten aus, um einzelne Werfer festzunehmen. Ich war einer der ersten, den sie erwischten und in eine grüne Minna schleppten. Zu beiden Seiten des Polizeibussen saßen die Polizisten, auf Bänken aufgereiht und mit gezogenen Schlagstöcken. Sie warfen mich auf den Boden, wo ich zu ihren Füßen lag. Alle, die dort gesessen hatten, droschen gemeinsam auf mich ein. * * * Dass Benno Ohnesorg an diesem Abend erschossen wurde, habe ich erst mal nicht gewusst. Ich war auf dem Polizeirevier. Mit einigen anderen, die abgegriffen worden waren, bin ich in eine Zelle gesperrt worden, wo wir uns nicht einschüchtern ließen und richtig gefeiert haben. Dann machte das Gerücht die Runde, ein Polizist sei von einem Demonstranten erstochen worden. Im erste Moment dachten wir: Auweia! Jetzt geht's erst richtig los. Jetzt kriegen wir ordentlich was ab. Aber da wir wussten, wie sie tickten, glaubten wir das nicht wirklich. Sie würden sogar Falschmeldungen streuen, nur um uns Angst einzujagen. Andererseits hätte es auch stimmen können: dass sich jemand bedroht fühlte, ausrastete und ein Messer zog. Am nächsten Tag wurden alle freigelassen. Wir wurden weit vor die Stadt gefahren, ins Niemandsland am Rande Berlins, und mussten sehen, wie wir zurückkamen. Dann erst, in der Kommune, erfuhren wir vom Tod Benno Ohnesorgs. Seltsamer Weise waren wir nicht besonders schockiert. Ein Toter, das war die ganze Zeit drin, es war kein Wunder - in einer mit Gewalt aufgeladenen öffentlichen Atmosphäre, in der ganz normale Leute auf der Straße davon redeten, dass sie Demonstranten wie uns am liebsten umbringen würden. Man konnte den Hass gut spüren, der uns entgegengebracht wurde, den die Springer-Zeitungen weiter geschürt hatten. Und so wie die Polizisten prügelten, war das lebensgefährlich. Der Hass saß tief. Jetzt war es also passiert. Es gibt einen kleinen Film, den Thomas Giefer zwei Tage nach dem 2. Juni gemacht hat. Man sieht mich darüber reden, wie ich behandelt wurde; wie wahnsinnig ich verprügelt worden bin. Das ist wie ein kleiner Rap, in dem ich sage: Klar müssen sie prügeln in so einer Situation. Man bleibt am besten ganz kühl dabei, ohne mit Hass darauf zu reagieren. Das Wort cool gab es noch nicht. Aber es ging darum, cool zu bleiben. Nicht wütend zu werden, wenn man von jemandes Wut geradezu überrollt wurde. Dabei die Liebe nicht zu verlieren. Nicht in den Kriegszustand einzutreten, nicht einmal zeitweilig. Das war es, was wir in der Kommune entwickelt hatten und was teilweise auch schon gelang.

Der Verlag über das Buch

Rainer Langhans ist ein Grenzgänger zwischen Ost und West, gesellschaftlichem Aufbruch und privatem Rückzug, radikaler Selbsterforschung und medialen Klischees. Zu seiner Familie zählt er Uschi Obermaier, Rudi Dutschke oder Baby Baader genauso wie Otto Schily oder Stefan Aust. Mithilfe der Rolling Stones wollte er in den frühen 70ern einen Popkonzern gründen. Nach der Erfindung der Jugend unternimmt er heute, zusammen mit fünf Frauen, den Versuch, das Alter neu zu erfinden.

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Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen
13 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Helga König #1 HALL OF FAME REZENSENT TOP 10 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
Es ist eines der wichtigsten Bücher der letzten Zeit. Rainer Langhans (RL) beschreibt schonungslos offen und authentisch, wie er sein Leben, die radikalen 68-er und seine Beziehungen erlebt(e). Der Vater ein Dandy und Lebemann, seine Mutter eine duldende, liebevolle Erzieherin. Beide stecken den 14-jährigen in ein Internat der Herrenhuder Brüder Gemeinde. Er entwickelt dort Sensibilität und Feingefühl, seine Kirche ist Natur und Wald eher als stumpfsinnige, sich ewig wiederholende Litaneien. Als Gegenentwurf zu dieser Welt wird er Fähnrich bei der Bundeswehr, um danach einen noch radikaleren Entwurf zu leben. Er will mit anderen in der Kommune I die Welt über das Private befreien, während die Radikaleren der 68-er den Kampf suchen. RL sucht den inneren Kampf.

RL trägt schwer an der Trennung von seiner ersten Partnerin und stürzt sich in die Wirrungen des SDS und der aufkommenden Kommunen. Als Medientyp und gutaussehender Lover wird er zur Ikone und seine Beschreibungen von Uschi Obermeier bzw. sein Verhältnis zu ihr sollte jeder lesen. Als Protoyp eines Sexualverhaltens, das eher auf Körperlichkeit und Gewalt, auf das schnellfertig angelegt ist. RL versuchte, Uschi Obermeier für die andere, die wahre Dimension der Liebe zu sensibilisieren. Sie jedoch benutzte ihn u.a. dafür, um als gelerntes Groupie mit vielen Rock-Größen der Welt flach zu liegen, sie zu erobern. Sein Verhältnis zu Uschi Obermeier bleibt für mich im seltsam Ungelösten, es sind zwei Gegensätze des Sexuellen generell: der zärtlich Liebende und die schnell Abenteuer suchende. RL gelingt es möglicherweise nicht, beide Pole auszugleichen, mit ihnen zu jonglieren.

Im Grunde ist die Welt der 68er nur eine Bühne, ein Encounter-Room für RL, um zu sich zu finden, sein wahres, inneres Leben zu entdecken. Er probiert sich aus, man erfährt alles über Zusammenhänge damals in Berlin, über Drogen, Geschichtchen und Sex. RL ist der Sensible, möglicherweise Verletzte und probiert über freie Liebe eine neue Form des Zueinanderfindens jenseits von bürgerlicher Eifersucht und Spießertum. Ob es ihm wirklich gelungen ist? Ich habe meine Zweifel, dass die polygame Lebensweise besser sei als die monogame. Aber in jedem Fall sind seine Gedanken mehr als lesenswert. Ein Mensch auf der Suche nach Liebe, nach sich selbst.

Seine Geschichte der Selbstfindung über einen nicht näher genannten Meister ist spannend, aber doch am wenigsten passend zu einem Zögling einer Herrenhuder Gemeinde. Und doch, die Ergebnisse sind mehr als interessant: "Erleuchtung wäre dann: Du bist unmittelbar, ohne Überlegung, ohne Nachhängen irgendeiner Abteilung, in der Gegenwart. Das ist aber eher selten."

RL zog in den 70ern in seine "Münchner Mönchszelle", ein 29qm-Einraumapartement, in dem er heute noch lebt. "Es ist eigentlich nur 1 Zimmer, mit einem Bett und einem Fernseher, alles ganz in weiß. Da hängt eine nackte Glühbirne, die direkt in meine Bücher hineinleuchtet, wenn ich lese. Viel mehr brauche ich gar nicht." RL lebt ein äußeres, ärmliches Leben, in München ist er im Exil, Bayern ist für ihn das Tibet Deutschlands, er wächst innerlich, bleibt jung, liebt. Schwabing ist für ihn ein Dorf in der Großstadt, überschaubar, persönlich.

RL möchte in seinem Zusammenleben mit dem Harem (5 Frauen) kein Guru sein, er distanziert sich im Grunde von seinem Meister, er postuliert das Schülertum, das Lernen: "In der Kommune waren wir die Stars, macht es uns nach die Botschaft. In der Zeit haben wir unsere eigene Entwicklung vernachlässigt." Im heutigen Zusammenleben mit seinen 5 Frauen ist er der verfügbare (nicht-macho) Mann, sondern ein liebevoller, zärtlicher, einfühlsamer un-männlicher Partner, der nicht dem Samenerguss frönt, sondern ganz langsam allem feinstofflichen und liebevollem huldigt, was davor, darüber und darunter liegt. "Die Frauen sind daran interessiert, dass Männer sie nicht mehr einschränken können."

RL sagt selbst, dass der Begriff "Harem" ein medientechnischer, polarisierender ist. Was er im Kern möchte, ist dies: "Es gibt sehr viel mehr Frauen als Männer. Und es gibt dieses Bedürfnis und die Erfahrung, dass es besser ist, in einer Gruppe alt zu werden." Seine Sinnsuche beschreibt er so: "Das unterscheidet mich von den Berufsjugendlichen, wie es viele 68er sind. Ich möchte nicht jung bleiben, ich möchte jung werden...Und im Alter kann ich jetzt endlich jung sein. Nachdem ich in meiner Jugend alt sein musste."

Das Buch wurde von RL auf ein Tonband gesprochen und in vielen Teilen so authentisch wie möglich belassen, eine ganz eigene, direkte, unverblümte Sprache. Schöne Bilder in der Mitte und ein Anhang mit Tagebuchauszügen sowie Originalbriefen. Ich empfehle dieses Buch jüngeren ebenso wie älteren Menschen. Hätte sich doch RL damals mit seiner Kommune durchsetzen können! Vieles wäre liebevoller und menschlicher gewesen, dies ist gewiss!

Es steht im Buch nichts darüber, aber es deckt sich mit meinen Erfahrungen. RL sagte, dass sich die Community-Internetentwicklung im Grunde deckt mit den angestrebten Zielen der Kommune I: miteinander in Liebe, in Kooperation und Mitgefühl agieren. Die Instrumente sind da und es liegt an uns, sie zu nutzen.
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11 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von tom l. HALL OF FAME REZENSENT TOP 10 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe|Von Amazon bestätigter Kauf
Seit mehr als zwanzig Jahren Beschäftige ich mich mit der Zeit der sog. 68er(die ja schon früher begann), der Studentenbewegung, der Entstehung linksextremistischer Gruppen in der BRD, die verschiedenen Generationen und ihre Unterstützer, der APO usw. Auch die Kommune 1 gehört zu dieser Zeit und Kunzelmann, Langhans und Co waren Initiatoren einiger, teils sehr kreativen Proteste der damaligen Zeit. Es lag also nahe sich die Biografie des Rainer Langhans einmal genauer anzusehen.

Um es gleich vorweg zu nehmen: Leider kann ich mich der teils recht überschwenglichen Meinung meiner VorrezensentInnen, in meiner Rezension nicht anschliessen. Viel erhellendes ist der Feder des R. Langhans nicht entsprungen. Die Entschleunigung Uschi O.'s Sexualleben, sowie ihre Vorlieben für Rockstars zählt scheinbar zu den vorrangigen Themen der 68er. Zumindest aus der Sicht des Autors. Ein gar "wichtigstes Buch der letzten Zeit", wie es eine der RezensentInnen beschreibt, ist es ganz und gar nicht und ich weigere mich so eine Meinung unkommentiert zu lassen, da es dem Buch eine Wertschätzung zukommen läßt, die es einfach nicht verdient.

Zeitgeschichtlich zählen die späten Sechziger Jahre zum interessantesten was diese Republik zu bieten hat. Leider macht der Autor nichts daraus. Langhans langatmige Biografie tendiert in Richtung Boulevard. Eigentlich könnte die Biografie auch als Serie im "Goldenen Blatt" oder der "Bunten" abgedruckt werden. "Liebevoll" triffts jedenfalls nicht und verharmlost das doch sehr seicht geratene Geschreibsel, rund um die Kommune 1 und ihrem "Guru". Selbstkritik aufgrund der (Ver)-Kommerzialisierung der K1 sucht man in den Langhanschen Seiten übrigens vergeblich.

Ich habe direkt im Anschluß die Neuauflage Fritz Teufels Biografie "Wenns der Wahrheitsfindung dient" von Marco Carini gelesen. Ein wirklich interessantes und sehr erhellendes Buch über die Zeit der 68er. In diesem erfährt man viel über die Entstehung der verschiedenen Gruppen, die persönlichen Verstrickungen der involvierten Personen, das Lebensgefühl der 68er, die zunehmende Radikalisierung, das Kommen und Gehen in der K1 usw.
Der hier rezensierten Langhans'schen Versuch ist aber kein Vergleich zum Teufelswerk, obwohl ich das von ihm eigentlich auch erwartet hätte. Denn neben Teufel hatte auch Langhans durchaus lichte Momente, in denen sein Wortwitz gefiel. Was vor allen in den gemeinsamen Verfahren immer wieder durchblitzte.

"Vermutlich liegt es aber an mir und meiner mangelnden Sensibilität mich in das Buch einzufühlen, zu spüren um was es damals eigentlich ging."

Mein Fazit: Flach wie Mortadella und ebenso vergänglich. Jeweils ein Stern für die schöne Form des Büchleins und den Satz "Bayern ist das Tibet Deutschlands".
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9 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Ausgebüchster 68er 5. Mai 2008
Format:Gebundene Ausgabe
Unter all den theorielastigen Revoluzzern von 68 - die sich zum Teil heute noch bekriegen oder sogar eine totale Kehrtwendung gemacht haben - ragt Rainer Langhans als versponnener Wuschelkopf positiv heraus. Vor allem steht er zu seinen Verklemmungen der frühen Jahre und seiner Suche nach einem gangbaren Weg zwischen Revolution und Anpassung. Interessant auch die Charakterisierung einzelner Köpfe der Bewegung sowie deren intellektuellem Umfeld. Langhans' Weg ins Private, Esoterische hat ihm durchaus nicht die große Freiheit gebracht, sondern auch ein paar unangenehme Folgen. Seine "Erweckung" durch einen Meister ist das diffuseste Kapitel in diesem Buch. Interessant dagegen die Begegnung mit Faßbinder. Langhans, der vom SDS damals wegen seiner Eskapaden sogar ausgeschlossen wurde, kann auch heute noch brauchbare Ansätze der 68er-Bewegung vermitteln. Standen die "anderen" für Gewalt in der Umsetzung revolutionärer Ziele, ist er der Prototyp des anti-agressiven Spintisierers. Und das macht ihn so sympathisch. Eigentlich hätte der Mann doch viel Zeit, warum schreibt er nicht ein umfangreicheres Buch?
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