Das Buch ist mir von der Beratungsstelle "Dick&Dünn" empfohlen worden, an die ich mich gewandt hatte, weil meine gerade 13jährige Tochter an Magersucht erkrankt ist und ich Hilfe für uns als Eltern gesucht habe - unsere Tochter ist bereits stationär in einer Klinik, wo man versucht, ihr mit Therapie und unendlich viel Geduld den Weg aus dieser Lebenskrise zu zeigen. Aber wer ahnt, wie ich mich als Mutter fühle, plötzlich ein Kind zu haben, dass einfach nicht mehr essen will bzw. kann? Warum, warum, was habe ich falsch gemacht... Mit diesen Fragen wache ich auf und schlafe ich ein, nachdem ich Tag um Tag keine Antworten gefunden habe. Erst langsam lichtet sich der Nebel, und gute Gespräche mit meiner Tochter finden statt, dann und wann und hoffentlich immer öfter.
In diesem Buch fand ich soviel Trost, weil durch die vielen vielen Aussagen von betroffenen Müttern klar wurde, dass es allen so geht - dieselben Fragen, zunächst keine Antworten, widersprüchliche Gefühle. Da die Autorin mit sehr viel Gespür für die Problematik die Aussagen der Mütter für sich selbst sprechen lässt, sie aber auch mit knappen und fachkundigen Erläuterungen in eine sinnvolle Ordnung gebracht hat, vermittelt ihr Buch sehr viel Authentizität und zugleich eine gewisse Perspektive, wie Essstörungen sich entwickeln (können) und wie der oft dramatische Krankheitsverlauf von den betroffenen Familien empfunden wird. Die in diesem Buch ausgewerteten Befragungen liefen insgesamt über 6 Jahre, die dadurch erkennbaren Entwicklungen machen Mut - zeigen aber auch, dass von seiten der Eltern, Freunde und Angehörigen immens viel Geduld verlangt wird. Die Dokumentation zeigt Wege aus der Co-Abhängigkeit, einfach durch die Berichte dieser mutigen Mütter, und die Zuversicht, dass sowohl die Töchter wie auch die Mütter gestärkt aus dieser massiven Krise hervorgehen können. Irgendwann.